Bukarest (ADZ) – Die Ansprachen von Präsident Nicușor Dan bei den Feiern zum Tag der Vereinigung der rumänischen Fürstentümer in Focșani und Iași sind von Teilen des Publikums ausgebuht worden. Der Staatschef verteidigte das Recht auf Protest, mahnte aber auch Verantwortung an. In Focșani sagte er, das Ausbuhen öffentlicher Amtsträger sei ein demokratisches Recht, für das Menschen ihr Leben gelassen hätten. Dieses Recht gehe jedoch mit der Pflicht einher, genau hinzusehen, wem man seine Hoffnungen anvertraue. Politik dürfe sich nicht auf den ersten Schritt beschränken, sondern müsse auch die Folgen bedenken. Jeder trage Verantwortung für sich selbst, für die eigenen Kinder und für das ganze Land. Auch in Iași erklärte Dan, er respektiere die Geste als Ausdruck der Demokratie und habe selbst schon Politiker ausgebuht. Zugleich stellte er Fragen an die Kritiker: Was komme nach dem Protest? Gibt es ein Projekt, gibt es Führungspersönlichkeiten mit einem Plan? Wenn ja, müsse darüber offen gestritten werden. Zu den Buhrufen sagte Dan abschließend, der Respekt vor der Geschichte müsse gewahrt bleiben. Die Nationalhymne sei ein Symbol für alle Rumänen und dürfe nicht ausgebuht werden, insbesondere bei Feiern und Gedenktagen.
In einer späteren Stellungnahme betonte Nicușor Dan, er habe bewusst an den Feiern in Iași und Focșani teilgenommen, weil Politik unter den Menschen stattfinden müsse. Die Vereinigung von 1859 sei kein bloßes historisches Ereignis, sondern eine tägliche Aufgabe für Gegenwart und Zukunft. Die damaligen Akteure hätten gezeigt, dass nationale Interessen über kurzfristigen Konflikten stehen können.
Angesichts heutiger Spannungen sei es nötig, neu über Zusammenhalt nachzudenken. Rumänien fehle ein gemeinsames langfristiges Projekt für Gesundheit, Justiz, Wirtschaft und die Zukunft der Kinder. Das Land brauche Dialog und Aufbauarbeit.





