Bukarest (ADZ) – Der slowakische Premierminister Robert Fico hat bei seinem Besuch in Bukarest neulich moniert, dass die bilateralen Beziehungen zwischen seinem Land und Rumänien durch EU-Themen belastet werden. Ein großer Teil der politischen Agenda werde in Brüssel bestimmt und lasse kaum mehr Raum für bilaterale Projekte, sagte Fico nach einem Treffen mit Amtskollege Ilie Bolojan. Dadurch gingen Chancen verloren. Das Handelsvolumen liege bei rund fünf Milliarden Euro, könne aber durchaus deutlich höher sein. Warum nicht sieben Milliarden Euro, fragte Fico.
Bolojan betonte hingegen die stabile Zusammenarbeit. Der bilaterale Handel habe sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt und beide Länder wollten ihre Kooperation in Wirtschaft, Energie und Infrastruktur ausbauen. Ziel sei eine stärkere Beteiligung mittel- und osteuropäischer Unternehmen an EU-Projekten. Zudem arbeiteten beide Seiten an einer besseren Vernetzung der Stromnetze und an sinkenden Energiepreisen.
Im Verteidigungsbereich bekräftigte der rumänische Regierungschef das Engagement für die NATO-Ostflanke. Rumänische Soldaten beteiligen sich am multinationalen Gefechtsverband in der Slowakei. Beide Länder prüfen zudem gemeinsame Projekte in der Rüstungsindustrie.
Im Mittelpunkt des Besuchs stand auch die Energiepolitik. Fico warb für den Import von Gas aus dem rumänischen Schwarzmeerprojekt Neptun Deep. Die Slowakei beobachte das Vorhaben genau und sei bereit, ihre Infrastruktur für den Transport zu nutzen.
Die Slowakei zählt gemeinsam mit Ungarn zu den Ländern, die stark von Lieferungen aus Russland abhängen und die von Brüssel angepeilte Einstellung russischer Gasimporte in der Europäischen Union ab 2027 ablehnen.
Bolojan ging auf den konkreten Vorschlag nicht direkt ein, verwies jedoch allgemein auf Kooperationsmöglichkeiten im Energiesektor. Interesse an den Gasvorkommen im Schwarzen Meer hatte auch die Ukraine signalisiert, die sich als Speicherstandort für geförderte Mengen angeboten hat.





