Wir sind Elias Barbu und Andreas Salc˛u, Schüler der Klasse 10D am Nationalkolleg „Dr. Ioan Meșotă“. Wir sind 16 Jahre alt, „Meșotisten“ aus Leidenschaft und seit Kurzem Träger des 3. Preises beim Literaturwettbewerb „Seitenweise“ in Hermannstadt. Doch hinter dieser Platzierung steckt eine Geschichte, die viel mehr mit dem Titel des Buches „Voll verkackt ist halb gewonnen“ von Tom Limes zu tun hat, als wir anfangs gedacht hatten.
Die Vision: Wenn Musik den Nebel vertreibt
Die Idee zu unserem Projekt entstand aus einer gemeinsamen Leidenschaft: Musik. Wir lieben es, Texte zu schreiben und Emotionen in Rhythmen zu verwandeln. Da Andreas im Chor singt, war klar, wer den musikalischen Part übernimmt. Ich (Elias) hingegen sehe mich eher als den kreativen Kopf im Hintergrund – einen „Komponisten der Ideen“. Als Andreas während der Aufnahmen mit Halsschmerzen kämpfte, musste ich ans Mikrofon. Sagen wir es so: Mein Gesang war… „dezent“. Während Andreas die Töne trifft, treffe ich eher die Stimmung – oder zumindest versuche ich es mit viel Enthusiasmus wettzumachen!
Wir entschieden uns für den Song „Deine Schuld“ von den Ärzten. Warum? Weil dieses Lied genau das ausdrückt, was Tariq, Max und Julian im Buch fühlen: Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist, aber es ist deine Schuld, wenn sie so bleibt. Es ist ein Aufruf gegen Passivität.
Drehtage in Kronstadt: Zwischen Ästhetik und Gänsehaut
Unterstützt von unserem Videografen-Freund [tefan Pas˛re machten wir uns daran, die Atmosphäre des Buches in die Straßen von Kronstadt zu bringen. Es war ein eiskalter Nachmittag, und während andere in dicken Jacken vorbeigingen, stand ich im Tanktop vor der Kamera. In diesem Moment fühlte ich mich den Figuren des Buches sehr nah – man muss manchmal frieren, um die Kälte der Realität authentisch darzustellen.
Unsere Drehorte waren bewusst gewählt: Die Mauer am Bartolomäer Bahnhof mit Blick auf den Mond, die für die Einsamkeit steht, der Sonnenuntergang an den Gleisen, wo das Radio den Beat einleitet – der Moment, in dem die Reise beginnt, die Fahrt im RATBV-Bus und die düstere Szene am Weißen Turm, schließlich der „Döner-Moment“ am Brassai-Platz. Es war eine progressive Reise: Vom leuchtenden Sonnenuntergang in den nebligen Abgrund der Sucht, bis hin zu dem Moment, in dem Julian die Drogen wegwirft und eine neue, klare Hoffnung glänzt.
Der Schock und der Alleingang
Zwei Wochen vor dem großen Finale in Hermannstadt kam der Rückschlag: Andreas konnte nicht teilnehmen. In diesem Moment wurde aus der fiktiven Geschichte Realität. Ich stand vor der Wahl: Aufgeben oder für uns beide rocken. Ich entschied mich für Letzteres.
Im Spiegelsaal des Deutschen Forums in Hermannstadt saßen etwa 50 der besten Schüler des Landes, die Jury und die Begleitlehrer der Schüler. Die Nervosität war riesig. Mein Lampenfieber sorgte dafür, dass ich ungewöhnlich langsam sprach, doch was ich erst für einen Fehler hielt, wurde zur Stärke. Die Langsamkeit gab meinen Worten ein Gewicht, das den Raum erfüllte.
Die Botschaft: Mehr als nur eine Präsentation
Einen Tag vor dem Wettbewerb spürte ich, dass unser Projekt noch zu oberflächlich war. Ich wollte keine bloße Zusammenfassung liefern, ich wollte eine Botschaft senden. Spontan baute ich die „Wall of Shame“ und die „Wundersteine“ in die Live-Performance ein.
Als ich das gelbe „GEWONNEN“-Plakat mit einem Knall über die Schandmauer schlug, war es für einen Moment totenstill im Saal. In dieser Stille wurde die Botschaft greifbar: Fehler definieren uns nicht. Wir sind nicht die Summe unserer schlechten Noten oder falschen Entscheidungen. Echtheit schlägt Perfektion. Wir sind wertvoll, weil wir leben und uns dem „Nebel“ entgegenstellen.
Ein dritter Platz, der sich wie Gold anfühlt
Wir haben nicht mit dem Podium gerechnet, denn die Konkurrenz war brillant. Doch als mein Name für den 3. Platz aufgerufen wurde, wusste ich, dass wir etwas Richtiges gemacht hatten. Ich bin stolz darauf, unsere Lehrerin Frau Beatrice Greif, Andreas und meine Familie würdig vertreten zu haben. „Voll verkackt ist halb gewonnen“ ist für uns kein Buchtitel mehr. Es ist die Erfahrung, dass man auch alleine bestehen kann, wenn man eine echte Botschaft im Herzen trägt. Andreas und ich haben gelernt: Der Sieg liegt nicht im Pokal, sondern in dem Mut, sein Gesicht zu zeigen – egal wie kalt der Nachmittag oder wie neblig die Zukunft scheint.
Ein Erfolg wie dieser ist niemals die Arbeit eines Einzelnen. Wir möchten uns herzlich bedanken bei:
Frau Beatrice Greif: Unsere Deutsch-Lehrerin und Klassenlehrerin am Nationalkolleg „Dr. Ioan Meșotă“, ohne deren Vertrauen, Inspiration und unermüdliche Unterstützung dieses Projekt niemals möglich gewesen wäre.
Frau Mirela Iacob: Die mich als Begleitlehrerin nach Hermannstadt begleitete und mir in den nervösen Momenten vor dem Auftritt den nötigen Rückhalt gab.
Ștefan Pasăre: Unser Freund und Videograf, der mit seiner professionellen Kamera und seinem Talent unsere Vision in Bilder verwandelt hat.
Der ZfA (Zentralstelle für das Auslandsschulwesen): Wir danken dieser Organisation für die Ermöglichung und exzellente Durchführung des nationalen Wettbewerbs. Die ZfA schafft für uns Schüler im Ausland den entscheidenden Raum, um unsere Deutschkenntnisse kreativ und auf hohem Niveau unter Beweis zu stellen.
Der Jury und der deutschen Gemeinde in Hermannstadt: Für die faire Bewertung und die herzliche Gastfreundschaft, die uns für diese Zeit ein Zuhause gab.
Seitenweise – Dein Projekt zum Buch ist ein Literaturwettbewerb der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) für Schülerinnen und Schüler bis einschließlich Klasse 10. Im Mittelpunkt dieses Wettbewerbs steht die kreative Auseinandersetzung mit literarischen Werken.
In diesem Jahr haben sich die Schüler und Schülerinnen mit dem Lesen und Bearbeiten eines Projektes über das Buch „Voll verkackt ist halb gewonnen“ von Tom Limes beschäftigt.




