ADZ-Reihe: Wertvolle Jugendbücher – Nonotizen mit Hashtags

„ICH#wasimmerdasauch heißenmag“ Sarah Michaela Orlovsky Tyrolia Verlag ausgeliehen in der Bibliothek des Goethe-Instituts Bukarest, Calea Dorobanți 32/Pavilion, www.goethe.de/bukarest

Nono, 15, eigentlich Veronika, ist auf der Suche. Nicht nur nach ihrem persönlichen Stil, den sie mutig erprobt: Mal ein Griff in Mamas (verbotenen) Kleiderschrank, die Sachen kann sie, hochschwanger, im Moment ohnehin nicht tragen, mal ein unüberlegter Spontankauf im Skaterladen, doch ein Skatergirl ist sie dann doch nicht, wie auch der nette Sven, der dort arbeitet und ihr Herz höher hüpfen lässt, schnell bemerken muss. Nicht nur nach einem passenden Jungen – ist es Jordan, der Waldwildcamper mit eigenem Pferd und total süßem Hund, Benjamin, der Neue in der Klasse, der sportversessene Baumkletterer und Smoothie-Trinker Phil oder doch vielleicht Skater-Sven? Wie soll man wissen, wer zu einem passt, wenn man doch selbst gar nicht weiß, wer man sein will? „Hilfe! Kann mal jemand eine Schublade für mich erfinden?“ 

Teenie-Selbstfindung als Leseabenteuer genügt freilich nicht, um dieses Buch auf einen Rutsch zu verschlingen. Dann schon eher die Art und Weise, wie Nono es anpackt: voller Wortwitz, Komik, Selbstironie. „Nonotiz, von Nono an Nono“. Voller Hashtags nach jeder nochsokleinen Erkenntnis. 

Dazwischen: Ein kleines Abenteuer im Wald. Der Versuch, im eigenen Kaff während der Ferienwochen Tourist zu sein. Doch das Sightseeingprogramm ist nach einem halben Tag erschöpft. Die Mama ist schuld daran, dass der Schweden-Urlaub im Wohnmobil ausfallen musste: Risikoschwangerschaft, mit 35. Statt dessen also: Hormonrauschkäufe von allem, was Häschen und Bärchen aufgedruckt hat, Schwangeren-Alzheimer, Schnulzengucken und Putzfimmel, bevor der im Zweiwochenrhythmus fernarbeitende Pilotenpapa nach Hause kommt. „Mama will: aufräumen, Staub saugen, wischen, einkaufen. Und zwar ALLEIN. Weil: sie kann das ja. Alles kein Problem. Kleiner Reality-Check: Mama kann sich nicht mehr bücken: Nono! Kannst du bitte die Teppiche einrollen? Mama passt nicht mehr in die Abstellkammer: Nono! Kannst du bitte den Staubsauger holen? Mama darf nicht mehr schwer heben: Nono! Kannst du mir bitte den Eimer mit Wasser anfüllen?“

Wie gut, dass die Ferien bald zuende sind. Dass die coolste 5B bald wieder zusammen ist und allerlei Streiche ausheckt. Für den rothaarigen Englisch-Prof Reddish Radish wird das Klassenzimmer mit Weihnachtssternen überdekoriert – SOKO Deko für ein besseres Klassenklima. Die Deutsch-Trude wird mit Benjamins „Durchfallproblem“ konfrontiert: keine Bauchschmerzen, sondern verbockte Mathe-Klausur – und eine gewonnene Wette, die Klasse brüllt. „Das ist das perfekte Ich-Gefühl“, notiert Nono. „ So möchte ich sein, so möchte ich mich immer fühlen. Nur dass es gar kein Ich-Gefühl ist. Es ist ein Wir-Gefühl. Das 5B-Gefühl, das nächstes Jahr das 6B-Gefühl sein wird und in drei Jahren das Maturagefühl – und dann? UND DANN?“

Herausforderung Schwester-Werden: Das hatte sich Nono ganz anders vorgestellt, heroischer irgendwie. Bis Benjamin und Fabian sie in die Wirklichkeit holen... 

Nono zieht Bilanz über „ihre“ Jungs: Dreadlocks-Jordan – Plus: Waldabenteuer, Naturbursche. Minus: Wäscht er sich nur im Fluss?“ Skater-Sven: Kuschelromantik. Aber: „Ich bin eine Poserin. Ich habe ihn angelogen.“ Phil: „Ähm... Mir fällt bei Plus nichts ein“. Benjamin: Plus: Könnte mein bester Freund sein. Minus: Könnte mein bester Freund sein. Nanu?

Am Ende mutiert Nono dank Hebammenanja  doch noch zum aufregenden Bond-Girl. Nein, nicht dem von James. Und doch: mutig, berührend, gefühlsstark, trotz Tränen. „Und auf einmal ist alles glasperlenklar.“ 


Die monatliche ADZ-Reihe „Wertvolle Jugendbücher“ möchte Kinder und Jugendliche zum Lesen in deutscher Sprache anregen.