Vergangene Woche wurde im Bukarester Schillerhaus das Buch „Bukowina – Eine europäische Vielvölkerregion“ von Dr. Mariana Hausleitner vorgestellt. Laut Thomas Șindilariu, Unterstaatssekretär im Departement für Interethnische Beziehungen (DRI) brilliere das Buch vor allem dadurch, dass „es sichere Informationen in einer verdaulichen Form vereint“. Dies stellte Hausleitner bei der Veranstaltung gleich unter Beweis, in dem sie spannend und nachvollziehbar über ihr Buch und die Bukowina berichtete und auf alle Fragen des Publikums einging.
Die Geschichte der Bukowina ist „der Erinnerung und Anknüpfung wert“, so erklärte Șindilariu weiter. Schließlich werde heutzutage oft über das Zusammenleben im modernen Europa gesprochen – doch an der Bukowina könne man sehen, dass es schon in der Vergangenheit möglich war.
„Die Geschichte ist die Basis“, bekräftigte auch Dr. Ingeborg Szöllösi. Sie ist Südosteuropa-Referentin des Deutschen Kulturforums östliches Europa, hat Hausleitner bei der Erstellung des Buches unterstützt und das Buch herausgebracht. Dazu hat sie geholfen, die Buchvorstellung im Schillerhaus auf die Beine zu stellen. Dafür hat sie die Professorin Dr. Ileana-Maria Ratcu eingeladen.
Ratcu lehrt an der Fakultät der Fremdsprachen und Literaturen im Bereich Deutsch/Germanistik an der Universität Bukarest. Sie moderierte den Abend und hat dazu gleich noch eine ganze Universitätsklasse mitgebracht, sodass das Schillerhaus gut gefüllt war. Es waren aber nicht nur Studenten, sondern auch zahlreiche interessierte Deutschsprachige und Mitglieder der Minderheit anwesend.
Die Autorin
Dr. Mariana Hausleitner, Politologin und Historikerin, wurde in Bukarest geboren, lebt heute in Deutschland und hat bereits einige Bücher über die deutsche Minderheit in Rumänien herausgebracht. „Das aktuelle Buch ist jedoch etwas anders als die anderen“, so die Autorin. „Es geht nicht nur um die deutschen Siedler, weil das einfach nicht zu trennen ist. In der Bukowina waren die Völker sehr vermischt, ganz anders als anderswo.“ In vielen Regionen von Rumänien waren die deutschen Siedler alle in einer bestimmten Gegend untergebracht und hatten deshalb weniger Kontakt mit Rumänen, Ungarn, Juden und so weiter. Doch in der Bukowina lebten sie Haus an Haus und heirateten oft untereinander, so Hausleitner.
Habsburgerreich bringt große Veränderungen
Die deutsche Geschichte der Region begann unter Joseph dem Zweiten, der das Gebiet dem Habsburgerreich angliederte. Er wollte das Gebiet daraufhin mit Deutschen kolonisieren. Der Plan laut Hausleitner: „Man hat von vornherein gedacht, es ist besser, wenn man die Leute so ansiedelt, dass sie sich mit den anderen vermischen, damit man von den deutschen Kolonisten auch was lernen kann.“
Die rumänische und ukrainische Bevölkerung, die zuvor in der Bukowina gelebt hat, hat vor allem Viehzucht betrieben. Auf einmal kam das Habsbur-gerreich und brachte neue Menschen und einen umfangreichen Militärapparat mit. Diese Soldaten brauchten vor allem eines: Essen. Deswegen bemühte sich das Habsburgerreich, noch mehr Menschen in die Bukowina zu holen. Es kamen Deutsche, Polen, Ukrainer und Rumänen. „Hauptsache, sie betreiben dort Landwirtschaft und verpflegen die Leute, die in den Städten in den Kasernen wohnen“, erklärt Hausleitner.
Dann kamen auch noch Handwerker und später Bergleute aus dem ganzen Habsburger-Reich. Die Leute vermischten sich also immer mehr.
Ab 1849 wurde die Bukowina dann auch noch zu einem Kronland und Deutsch wurde zur Amtssprache. In den Volksschulen wurde zwar die Sprache der entsprechenden Nationalitäten gesprochen, aber später lernten viele Deutsch. „Es war die Sprache des Aufstiegs“, so Hausleitner. Die Sprache der Gymnasien und der Universitäten.
Eine umfangreiche Geschichte
Dies alles ist jedoch nur ein Teil der Geschichte der Bukowina, die Habsbur-ger Geschichte, die lange und deswegen durchaus prägend war. Allerdings wurde sie im Nachhinein von vielen Autoren verklärt, die insbesondere das friedliche Zusammenleben der unterschiedlichen Ethnien hervorgehoben haben. Dieses war laut Hausleitner zwar in dieser Zeit wirklich größtenteils harmonisch, aber auch nicht perfekt und ohne negative Vorfälle.
In der Bukowina gab es über die Jahre verschiedenste Herrscher und Epochen, sowie schreckliche Gräuel während des Zweiten Weltkriegs. Diese umfangreiche Geschichte ist in dem Buch mit über 300 Seiten umfassend nachzulesen.
Das Buch „Bukowina – Eine europäische Vielvölkerregion“ (ISBN: 978-3-936168-96-9) ist auf dem üblichen Buchmarkt zu finden.




