Der Name der Stadt an der Temesch kennt einige Varianten verschiedenen Ursprungs und besteht als Kompositum zumeist aus zwei Substantiven; das erste Nomen bezieht sich auf den Fluss Temesch (ung.: Temes, rum.: Timiș, serb.:Timesh).
Beim zweiten Wortteil wird es kompliziert: Temeschwar, wie es im Wiener Büroamtsdeutsch heißt, geht auf das altawarische Nomen „war“ zurück, was im Altawarischen „befestigter Ort“ oder „Platz“ bedeutet. Das mitteleuropäische Siedlungsgebiet der Awaren – um 560 bis 800 – war in der Pannonischen Tiefebene und ist historisch bekannt.
Das awarische Wort „war“ – unabhängig von seinem Schriftbild – ist also keine Endung sondern ein Vollwortnomen mit obiger Bedeutung. Doch gibt es aus jener Zeit leider keine schriftlichen Belege, lediglich Vermutungen, die eine interessante Entwicklung annehmen lässt.
Heute wird Awarisch in seiner derzeitigen Form als Amtssprache in der der Russischen Föderation angehörenden autonomen Republik Dagestan, in Teilen des Kaukasus, in der Türkei und in Aserbaidschan gesprochen, doch diese Sprache hat nichts mit der im Mittelalter gesprochenen Form des Awarischen zu tun.
Auf die awarische Zeit Mitteleuropas – im Pannonischen Raum – geht die Bezeichnung Temeswar als befestigter Ort oder Platz an der Temesch zurück.
Anfang des 15. Jahrhunderts scheint am 13. Juni 1411 in einer Urkunde von König Sigmund die Bezeichnung „Themespurck“ – wohl fälschlicherweise als Themespruck verbreitet – auf, während am 11. September 1428 in einem Schreiben „des kaiserlichen Protonotars Caspar Silk an den Rat zu Frankfurt“ über die städtischen Privilegien und über Sigmunds Krieg gegen die Türken bei Temesspurg“ die Rede ist.
In diversen Urkunden des 18. Jahrhunderts in lateinischer Sprache scheinen verschiedene Bezeichnungen der Stadt auf: Thymes, Temesium, Temeswaria, Temeswarnium u. a.
Die Benennung Temeschburg sollte als deutschsprachige Version die bisherige Bezeichnung Temeschwar, wie sie nach den Türkenkriegen im österreichischen Kanzleisprachengebrauch aufscheint, und später, nach 1778, als das Banat in ungarische Verwaltung als Temesvár übergegangen war, gebräuchlich forcieren.
Die Annahme, dass die Form Temeschwar auf das Ungarische zurückführt, ist m. E. nicht richtig (siehe oben!), denn das aus dem Ungarischen stammende Nomen Temesvár, geht in seinem zweiten Teil der Zusammensetzung auf Ungarisch „vár“ zurück, was Burg, Schloss oder Festung bedeutet und in Namensbestandteilen von Städten mit derartigen Gebäuden aufscheint: Kolosvár (Klausenburg), Kaposvár (dt. Kopisch, Ruppertsberg oder Ruppertsburg) im ungarischen Komitat Somogy – am Fluss Kapos), ist jedoch alt-awarischen Ursprungs.
Im serbischen Temišvar besteht das Kompositum aus dem von Tamiš auf Temiš abgewandelten Flussnamen und auf „var“ zurück; Welchen Ursprungs nun „var“/„war“ ist, müssten slawistische Etymologen klären.
Anders steht es um die rumänische Bezeichnung Timișoara, in der dem Flussnamen in der Ableitung das Diminutivsuffix „-oara“ - was kleine Timisch/Temesch bedeutete, beigefügt wurde; auf einer Landkarte aus dem Jahr 1730 scheinen zwei Temesch-Flüsse durch die Stadt auf, wo die „Kleine Temesch“, später vom holländischen Hidraulik – Ingenieur in österreichischen Diensten, Maximilian Emmanuel Fremaut, zum Bega-Kanal ausgebaut wurde, als potentieller Namensgeber für Timișoara – die kleine Temesch/Timisch –, betrachtet werden kann.




