Perlen der Erinnerung: Goldene Eheringe gegen Grubenarbeit

Erinnerungen an die Deportation – Aufzeichnungen von Anna Altenbach, geborene Jung (geb. 1948, gest. am 31. Januar 2023 in Düsseldorf)


Im Januar 1945 stand der kleine Andreas weinend mit seiner siebenjährigen Schwester Anna vor der deutschen Schule in Überland/Giarmata Vii. Ihre Eltern, Etel (Adelheid) und Peter Jung, wurden im Schulgebäude festgehalten zum Abtransport nach „Russland“. Ein Rumäne kam vorbei und sagte zu den Kindern: „Was ist mit euch, geht doch auch zum Hitler.“ 

Aber es gab auch hilfsbereite Rumänen. Einer benachrichtigte Johann Jung, den Großonkel der Kinder, dass beide weinend vor der Schule stehen würden. Die Großeltern der Kinder väterlicherseits waren schon verstorben und die Schreiber-Oma mütter-licherseits lebte in Deutsch-Bentschek. Der Großonkel nahm die Kinder erst einmal bei sich auf. Da bei der Bentscheker Oma schon die Enkelin von der ältesten Tochter untergebracht war, nahm die Oma nur Anna auf. Andreas blieb beim Großonkel in Überland bis zur Heimkehr seiner Eltern 1948.

Das Ehepaar Etel (geborene Schreiber, Jahrgang 1918) und Peter Jung (Jahrgang 1911, Hausnummer 48) wurde nach Kriwoi Rog ins Lager 1410 gebracht, wo sie einige Zeit unter schwierigen Bedingungen in einer Kohlengrube arbeiten mussten. Eines Tages benötigten die Sowjets Hufeisen für die Pferde. Da meldete sich Peter, der von Beruf Schlosser war. Peter fertigte Hufeisen an und entkam so der Grubenarbeit. Aber Etel blieb weiter in der Kohlengrube. Peter versuchte alles, um seine Frau aus der Kohlengrube zu retten. Er sprach einen russischen Aufseher an. Dieser verlangte die Eheringe der beiden als Gegenleistung. Sie gaben die Ringe ab und Etel entkam der Arbeit untertage. Beide haben so dreieinhalb Jahre Zwangsarbeit überlebt und sind 1948 (Monat nicht bekannt) nach Überland zurückgekommen.

Das Wohnhaus der Familie hatte ein Ungar übernommen, der die Kuh in der ehemaligen Küche hielt. Das Haus musste renoviert und bewohnbar gemacht werden. Erst danach wurde die Familie wieder vereint.

Anm.: Andreas Jung schilderte diese Erinnerungen Anna Altenbach. Er war zweiter Cousin der Verfasserin des Beitrags, der genannte Johann Jung war ihr Großvater.

Einsender des Beitrags, der für ein Gedenkbuch gedacht war: Luzian Geier