Wenn man sich den Titel der Ausstellung anschaut, fallen aufmerksamen Lesern bestimmt erst mal die ungewöhnlichen Satzzeichen auf. „Why ‚We Should All Be Feminists’” (Warum ‚Wir alle Feministen sein sollten’) ist sowohl in Anführungsstrichen, weil es ein Titel ist, aber auf der anderen Seite ist der Satz „We Should All Be Feminists“(Wir sollten alle Feministen sein) extra hervorgehoben – denn dies ist ein Zitat der Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie. Die Ausstellung soll also nun sagen, „Why“ (Warum) das eine gute Idee ist.
Doch natürlich findet eine Ausstellung, welche vor allem aktuelle Kunstwerke präsentiert, keine direkte Antwort auf eine solche Frage. Viel eher soll sie zum Denken und Reflektieren anregen. „Wir wollen Fragen aufwerfen, wie: Was wurde gemacht? Was muss noch gemacht werden? Was sollen wir machen? Was sollen wir nicht mehr machen? Und vor allem: Welche Gesellschaft wollen wir haben?“ , erklärt Andrei Popov im ADZ-Gespräch. Er ist stellvertretender Direktor und Mediensprecher am Österreichischen Kulturforum Bukarest, das diese Ausstellung mitorganisiert hat.
„Why ‚We Should All Be Feminists’” ist ein Projekt des österreichischen Außenministeriums. Es ist jedoch nicht nur für Bukarest gedacht, sondern wird international an verschiedenen Standorten stattfinden. Konzipiert wird das Projekt von Sabine Fellner – die bei der Eröffnung auch in Bukarest vor Ort war – in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk der Österreichi-schen Kulturforen.
Zuerst war die Ausstellung in Istanbul zu Gast und nun, als zweiter Standort, in Bukarest, berichtet Popov. Bukarest wurde als zweiter Standort ausgewählt, weil die vergangene Ausstellung vom Institut, „Touch Nature“, ein großer Erfolg war. Die Kunstveranstaltung in Bukarest war die größte des Projekts und im Nachhinein blieben die Künstler auch weiterhin im Kontakt, was immer das Ziel solcher Initiativen ist, wie Popov erklärt.
Das hängt auch mit dem lokalen Partner zusammen, dem Kunsthaus „SAC“. Dieses organisierte die Ausstellung im „/SAC@Malmaison“ – im ehemaligen Securitate-Gefängnis Malmaison (in der Calea Plevnei 137C in Bukarest) – mit. Sie wird bis zum 14. Februar 2026 geöffnet bleiben. „SAC“ stellte auch einen lokalen Kurator zur Verfügung: Alex Ion Radu.
Dieser hat mit Fellner die Künstler ausgesucht. Er wählte die rumänischen und Fellner die österreichischen aus. Es gibt 20 Künstler aus Österreich, 20 aus Rumänien und dazu noch eine Handvoll internationale. „Wir möchten diese Künstler in einen Dialog bringen“, erläutert dazu Fellner. Es soll unter anderem hinterfragt werden, ob es Unterschiede gibt, an das Thema heranzugehen. „Diese gibt es natürlich nicht. Sehr vieles deckt sich, sehr vieles ist sehr ähnlich – und doch auch anders“, so die Kuratorin Fellner. Sie konnte keinen typisch rumänischen Zugang feststellen, weil sich die Themen und der Zugang dazu auch international ziemlich ähneln.
Ihr sind jedoch zwei rumänische Werke besonders aufgefallen, die auf historische Werke anspielen. Zum einen „Flow Study after Millais II“ (2025) von Bogdan Ra]a. „Es nimmt Bezug auf den Tod der Ophelia, die verschmähte Geliebte von Hamlet, die Selbstmord begeht, und auf das Bild ‘Ophelia’ von John Everett Millais“, so die Kuratorin. Außerdem hebt sie das Werk „America series, (after Velazquez)“ von Mircea Suciu aus dem Jahr 2025 hervor, das, wie der Titel schon verrät, ein Bild von Velazquez zitiert. Es zeigt eine Frau in einem schicken Kleid ohne Kopf. „Es soll zeigen, dass die Frau hinter ihrer Rolle unwichtig ist und nur die Rolle zählt“, so Fellner. Diese Herangehensweise hat sie unmittelbar in der österreichischen Kunstszene nicht gefunden.
Insgesamt erklärt sie sich sehr zufrieden mit der Ausstellung, die noch zwei Monate zu sehen sein wird. „Why ‚We Should All Be Feminists’” soll bis 2027 an zehn Standorten präsentiert werden, Rumänien ist der Zweite. Abschließend ist eine große Ausstellung im Lentos Kunstmuseum im österreichischen Linz geplant.








