Sieben Bukarester Kulturinstitutionen sollen zusammengelegt und strukturell zerschlagen werden. So berichtet die Stadtverwaltung auf seiner Website. Betroffen sind „Creart“, „Arcub“, „Proedus“, „Centrul Cultural Lumina“, „Centrul Cultural Expo Arte“, „Centrul pentru Tineret“, und „Școala de Arte“. Zahlreiche Stellen sollen abgebaut werden und die sieben Institutionen sollen in einer neuen Super-Institution, mit dem Namen „Direcția Generală de Arte și Evenimente Urbane“ (Generaldirektion für Kunst und städtische Veranstaltungen), zusammengelegt werden. In der Kunstszene formiert sich dagegen Widerstand.
Das Ziel der Stadt wird offen kommuniziert. Oberbürgermeister Ciprian Ciucu möchte Geld und einige Arbeitsplätze sparen. Die sieben Institutionen haben aktuell laut dem Bürgermeisteramt 267 Stellen und die neue Super-Institution soll nur 155 Stellen haben. Das Rathaus verspricht sich dadurch, jährlich um die vier Millionen Lei einzusparen, wie es offiziell mitteilt.
Darüber hinaus sollen auch drei weitere städtische Institutionen (Pflanzenschutzzentrum, Friedhofsverwaltung und ALPAB) aus finanziellen Gründen zusammengelegt werden, doch in diesem Text soll erst mal nur auf die Kulturinstitutionen geschaut werden.
Kritik an den Institutionen
„Viele Institutionen bieten ähnliche Leistungen an. Wir führen keine Kohärenzanalyse durch, aber einige ihrer Programme erzielen keine signifikanten Ergebnisse“, behauptet der Oberbürgermeister laut der Nachrichtenseite „Buletin de București“. „Ziel ist es, die Abläufe zu optimieren und kulturelle Programme und Veranstaltungen zu erschwinglichen Kosten anzubieten“, so Ciucu.
Die Frage ist natürlich, was das nun konkret für die durchaus unterschiedlichen Institutionen bedeutet. Auf Anfragen der ADZ bei einigen der Institutionen gab es keine Reaktionen. Womöglich auch, weil der Oberbürgermeister Betroffenen gedroht hat: „Aber Vorsicht: Wer sich öffentlich geäußert hat, wird seine Privilegien verlieren“, sagte er im Gespräch mit Radio România Cultural.
Im Januar dieses Jahres hatte Ciucu, wie „Buletin de București“ berichtet, bereits vorgeschlagen, drei der sieben nun betroffenen Organisationen aufzulösen. Diese seien laut ihm in ihrem Arbeitsfeld ebenfalls „zu ähnlich“. Betroffen waren das „Centrul Cultural Lumina“, „Centrul Cultural Expo Arte“, „Centrul pentru Tineret“ und, zusätzlich noch, das „Centrul pentru Seniori al Municipiului București“. Dabei handelt es sich um zwei Kulturzentren ein Seniorenzentrum und ein Jugendzentrum. Inwiefern diese sich in ihrer Arbeit überschneiden, stellte der Oberbürgermeister öffentlich nicht genau klar. Dem Vorhaben wurde jedoch vom Generalrat nicht zugestimmt.
Anders war es bei der Zusammenlegung der Institutionen: Anfang April wurde diese nach einer Stunde Debatte vom Generalrat angenommen, mit 46 Stimmen dafür, fünf Enthaltungen und keiner Gegenstimme.
Was Künstler in Bukarest nun befürchten
Doch warum laufen einige Künstler Sturm gegen diese Maßnahme? Die Künstlerin Laura Tudorică, die von 2021 bis 2024 an der Școala de Artă (Bukarester Kunstschule) war, hat eine große Befürchtung: Nämlich, dass die Institutionen, auch wenn sie davor auch schon von der Stadt finanziert waren, ihre politische Unabhängigkeit verlieren. Dies berichtet sie im Gespräch mit der ADZ. Darüber hinaus befürchtet sie, dass die einzelnen Institutionen nur noch auf Sparflamme arbeiten werden, schließlich soll viel Personal und Geld gespart werden.
„Es ist ein großer Verlust für die Künste und die Kultur. Es ist auch eine Form der Respektlosigkeit gegenüber der generellen Öffentlichkeit“, so die Künstlerin weiter. Sie würde sich eigentlich Budgeterhöhungen für die Institutionen wünschen und nicht, dass sie beschnitten werden. Laut ihr hätte die Schule sowieso bereits zu wenig Geld gehabt. Vergleichbaren Schulen in kleineren Städten im Land konnten Kunstpreise mit Preisgeldern ausschreiben, was die Bukarester Schule laut ihr nicht konnte.
„Es ist auf so vielen Ebenen traurig. Es wird viel weniger Möglichkeiten für Schüler, aber auch für Lehrer geben. Ich hatte tolle Erfahrungen dort gemacht. Eine ganz besondere sogar. Die Lehrer waren sehr gut, voller Wissen und unterstützend“, so Tudorică. Sie befürchtet, dass andere, junge Künstler diese Möglichkeiten gar nicht mehr haben werden.
Das große Problem der Zusammenlegung
Das große Problem der Zusammenlegung ist vor allem, dass überhaupt nicht klar ist, was sich verändern wird. Diese Unklarheit spiegelt sich auch in der Debatte im Generalrat der Stadt wider. Dabei war Cosmin Manolescu, Choreograf und Kulturexperte, anwesend. Er kritisierte, dass es im Falle der Genehmigung der Fusion und der Auflösung von ARCUB im Jahr 2026 kein Förderprogramm für den unabhängigen Kultursektor mehr geben werde, so berichtet „Buletin de București“.
Ciucu konterte, dass dies nicht zutreffe. Die Projekte sollen übernommen werden, nur die Führungsetagen und „Scheinfirmen“, wie er sagt, sollen aufgelöst werden. Ciucu betont im-mer wieder, dass es vor allem eine strukturelle Änderung sein soll und die einzelnen Projekte weiterlaufen sollen. Bei Radio România Cultural sagte er aber auch: „Alles Gute wird weitergeführt. Alles Schlechte wird eingestellt.“ Also werden doch Programme gestrichen?! Das sollen laut dem Oberbürgermeister nicht näher bestimmte Fachleute bestimmen.
Darüber hinaus werden natürlich auch zahlreiche Stellen und Gelder eingespart. Die einzelnen Institutionen verlieren ihre Unabhängigkeit und werden zusammengeworfen. Einzelne „Kulturmanager“ sollen dann die ehemaligen Institutionen übernehmen, die alle Teil der neuen Super-Institution sind. Eine Kunstschule wird künftig zur selben Organisation wie ein Kulturzentrum für Kinder und Jugendliche und Creart (was sich für die Erhaltung und Wertschätzung von Tradition und Volkskunst einsetzt) gehören. Diese drei Institutionen befassen sich zwar alle mit Kultur, sonst fällt es jedoch schwer eine wirkliche Gemeinsamkeit zu erkennen.
Natürlich kann das auch funktionieren und vielleicht werden wirklich die meisten Programme übernommen. Jedoch gibt es bisher keinen konkreten Plan. Es ist überhaupt nicht klar, wie die „Direcția Generală de Arte și Evenimente Urbane“ aussehen wird.
Der Oberbürgermeister macht es sich leicht
Deswegen macht es sich Ciucu auch sehr leicht. Er sagt stets, was er nicht will und nicht meint, aber nicht, wie die neue Institution (Abseits von einem Aufbauplan) genau aussehen soll. Dazu redet er die bestehenden Institutionen im Gespräch mit Radio România Cultural auch klein: „Wir sprechen von Institutionen, die keinerlei Einfluss haben. Manche sind erst vor Kurzem bekannt geworden, weil ich sie irgendwie bekannt gemacht habe“. Die neue Institution soll „größer“ sein und sei deswegen auch selbstständiger und müsse für die Öffentlichkeit auch transparenter sein, behauptet er jedenfalls. Wie es wirklich sein wird, wird wohl die Zukunft zeigen.
In einem kürzlich von einigen Künstlern veröffentlichten Memorandum wird das Projekt umfassend kritisiert. Sie schreiben: „Bukarest ist nicht nur eine Verwaltungshauptstadt. Es ist das kulturelle Zentrum Rumäniens – der Ort, an dem sich Gemeinschaften im Zeichen von Kunst, Bildung und Kreativität begegnen müssen. Kulturelle Einrichtungen lediglich als Budgetposten zu betrachten, die optimiert werden müssen, bedeutet, Preis mit Wert zu verwechseln.“






