Temeswar (ADZ) – Im Kreis Temesch haben Sozialbehörden und Polizei einen schweren Misshandlungs- und Pflegeskandal in einem Altenheim sowie in einer improvisierten Unterkunft für Senioren aufgedeckt. In einem lizenzierten Heim in der Gemeinde Lenauheim wurden ältere Menschen gefesselt, verwahrlost und teils unterernährt angetroffen. Später stießen Einsatzkräfte in einem Wohnhaus in Tscha-nad/Cenad auf mehr als 70 weitere Seniorinnen und Senioren, die dort ohne gültige Zulassung unter menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht waren.
Ausgangspunkt war eine Meldung über Misshandlungen, die am Abend des 4. Dezember bei der Temeswarer Kreisagentur für Sozialzahlungen und -inspektion (AJPIS) einging. Sozialinspektoren kontrollierten daraufhin am Morgen des 5. Dezember das Altenheim, das von der Firma Schwabenhaus Diana SRL betrieben wird. In dem offiziell für 54 Plätze zugelassenen Heim waren den Angaben zufolge 56 Bewohnerinnen und Bewohner untergebracht.
Mehrere von ihnen wurden den Inspektoren zufolge in „besonders schweren Situationen“ vorgefunden – gefesselt an Betten, auf dem Boden liegend, nur teilweise bekleidet und mit sichtbaren Hautausschlägen und Wunden. Andere klagten darüber, dass sie nicht ausreichend mit Nahrung und Wasser versorgt würden. Die Prüfer stellten zudem fest, dass im Heim über 20 Akten mit Ausweisdokumenten und Rentenbescheiden von Personen lagerten, die vor Ort nicht identifiziert werden konnten. Es bestehe der Verdacht, dass diese Senioren in anderen, nicht gemeldeten Einrichtungen desselben Trägers untergebracht seien.
Wegen der Schwere der festgestellten Verstöße zog die Behörde die Betriebslizenz der Einrichtung mit sofortiger Wirkung ein. Die Bewohnerinnen und Bewohner sollen in andere soziale Einrichtungen verlegt oder, wenn möglich, in ihre Familien reintegriert werden. Gegen den Betreiber wurde nach Behördenangaben ein dreijähriges Verbot zur Entwicklung sozialer Dienste verhängt sowie eine Geldbuße in Höhe von 80.000 Lei (rund 16.000 Euro). Bei einer Nachkontrolle am 10. Dezember stellte eine dreiköpfige Inspektorengruppe fest, dass von den ursprünglich 56 Bewohnern nur 42 verlegt worden waren – ohne dass der Betreiber den Verbleib der übrigen Personen eindeutig nachweisen konnte. Auf Basis weiterer Hinweise fuhr eine zweite AJPIS-Kontrollgruppe zusammen mit der Behördenleitung und einem Polizeitrupp nach Tschanad.
Dort entdeckten sie in einem Wohngebäude eine improvisierte Einrichtung, in der nach Polizeiangaben 74 ältere Menschen untergebracht waren. Nach Angaben von AJPIS wurden insgesamt 76 Personen gezählt, ein Teil von ihnen stammte aus dem Heim in der Gemeinde Lenauheim. Für die Adresse existierte keine Lizenz als sozialer Dienst. In den Räumen lagen Senioren auf Matratzen direkt auf dem Boden, in Stockbetten oder auf Schaumstoffauflagen, mit stark verschmutzter und beschädigter Bettwäsche. Die Menschen waren in sämtlichen Räumen untergebracht, einschließlich Fluren, Küche und Speisesaal. Im Keller fanden die Inspektoren drei nicht gehfähige Senioren auf einer Matratze, die den gesamten Raum ausfüllte – ohne Licht- und Wärmequelle. Alle Fenster seien abgeklebt und blockiert gewesen, um ein Verlassen des Gebäudes zu verhindern, berichtete die Behörde. Im Inneren habe ein „unerträglicher Geruch“ geherrscht, die Räume seien nicht gelüftet worden. Für die Betreuung der vielen Menschen waren demnach lediglich vier Personen zuständig.
Mehrere Seniorinnen und Senioren berichteten den Inspektoren, sie seien in einem Lastwagen mit Plane von Lenauheim nach Tschanad gebracht worden, andere gaben an, bereits seit längerer Zeit dort zu sein. Viele seien nicht ausreichend ernährt worden und in einem deutlich verschlechterten Gesundheitszustand. Die AJPIS-Mitarbeiter alarmierten daraufhin über den Notruf 112 den Rettungsdienst, um die medizinische Lage der Betroffenen zu beurteilen. Alle Bewohnerinnen und Bewohner sollen laut Polizei und Behörden nun schrittweise von der Direktion für Kinder- und Sozialschutz DGASPC in legale Einrichtungen verlegt werden.
Die dem Amtsgericht Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare beigeordnete Staatsanwaltschaft nahm am Donnerstag die Strafverfolgung auf, sie führt ein Strafverfahren wegen der „Ausübung eines Berufs oder einer Tätigkeit ohne entsprechende Zulassung“. Zugleich wurde die Präfektur des Kreises Temesch informiert und der Kreisausschuss für Notfallsituationen (CJSU) einberufen, um weitere Maßnahmen zu koordinieren. Die Nationale Behörde für Sozialinspektion ANPIS kündigte an, den Fall an die Strafverfolgungsbehörden sowie an die Steuerverwaltung weiterzuleiten, um möglichen Sozialbetrug und Steuerhinterziehung zu prüfen. Die Situation vor Ort soll fortlaufend von der Temescher AJPIS, der Temescher Gesundheitsbehörde DSP und der Temescher Direktion für Kinder- und Sozialschutz überwacht werden.




