Temeswar – Interimspremier Ilie Bolojan hat am Samstag Temeswar besucht und dabei politische und administrative Gespräche geführt. Im Rathaus traf er mit dem Temeswarer Bürgermeister Dominic Fritz (USR) zusammen. Im Mittelpunkt standen die über den Nationalen Wiederaufbau- und Resilienzplan (PNRR) finanzierten Projekte der Stadt sowie die politische Abstimmung zwischen PNL und USR vor den Konsultationen mit Staatspräsident Nicu{or Dan. Beide machten deutlich, dass sie keine künftige Regierungsformel unterstützen wollen, an der die PSD beteiligt ist.
Fritz erklärte nach dem Treffen, man habe über die wichtigsten Vorhaben Temeswars und deren Fortführung gesprochen. Für die Stadt sei es entscheidend, dass die PNRR-Projekte erfolgreich abgeschlossen würden. Auch die politische Lage sei Thema gewesen. Die Entscheidung, sich in der gegenwärtigen Krise zwischen PNL und USR abzustimmen, sei bekräftigt worden. Bei den Beratungen mit dem Staatspräsidenten wollten beide Parteien nach den Worten von Fritz deutlich machen, dass eine Regierung mit Beteiligung der PSD für sie nicht infrage komme. Zugleich betonte der Bürgermeister, USR und PNL entzögen sich der Verantwortung nicht. Auch Bolojan hob die Bedeutung der PNRR-Projekte hervor. In allen Kreishauptstädten gebe es wichtige Vorhaben, von denen ein großer Teil über den Wiederaufbauplan finanziert werde. Deren Fertigstellung sowie die in den kommenden zwei Wochen anstehende Nachverhandlung des Programms seien Prioritäten. Für Temeswar sei die Fortführung der laufenden Projekte daher besonders wichtig.
Der Interimspremier verwies außerdem auf staatliche Liegenschaften, die an Kreishauptstädte übertragen und besser genutzt werden könnten. In den vergangenen zehn Regierungsmonaten sei die Dezentralisierungskomponente ausgearbeitet worden. Diese Richtung müsse weiter unterstützt werden, unabhängig davon, welche Rolle PNL und USR künftig einnehmen würden. Politisch werde man bei den Konsultationen mit dem Staatspräsidenten abgestimmt auftreten, sagte Bolojan. Vorrang hätten der Abruf europäischer Mittel, die finanzielle Stabilität Rumäniens und Programme zur wirtschaftlichen Erholung.
Im Anschluss traf Bolojan mit Vertretern des Temescher PNL-Kreisverbands zusammen. Bei Gesprächen mit Bürgermeistern und anschließend mit dem erweiterten Kreisvorstand ging es um Programme der Lokalverwaltung, darunter „Anghel Saligny“, um Finanzierungen über die Nationale Investitionsgesellschaft sowie um die weitere Strategie der Liberalen. Bolojan warf der PSD vor, Reformen blockiert und Verantwortung verweigert zu haben.
Sollte die PNL weiter Regierungsverantwortung tragen, sehe die Partei zwei Richtungen: kurzfristig die Suche nach einer tragfähigen Lösung für die Regierungsführung und mittelfristig den Aufbau einer politischen Alternative für 2028. Diese solle sich an Wähler richten, die Modernisierung, lokale Autonomie und die Entwicklung der Gemeinschaften unterstützten. Fragen der Presse nahm Bolojan nach dem Treffen nicht entgegen. PNL-Kreisverbandsvorsitzender Marilen Pirtea erklärte lediglich, es habe sich um eine kurze Stellungnahme gehandelt. Auch auf dem Weg durch die Innenstadt beantwortete Bolojan keine Fragen der Journalisten.
Während seines Aufenthalts in Temeswar nahm der Interimspremier auch an der Abschlussfeier der West-Universität Temeswar teil. In seiner Ansprache an die Absolventen sprach er über Arbeit, Leidenschaft und Respekt. Ohne anhaltende Arbeit und Ausdauer könne man keine Leistung erzielen, sagte Bolojan. Er erinnerte dabei an eigene Erfahrungen aus der Schulzeit sowie an seine Laufbahn in Verwaltung und Politik.
Politik sei für ihn zur Leidenschaft geworden, auch vor dem Hintergrund der Ereignisse von 1989 in Temeswar, sagte Bolojan. Er habe lange politisch gearbeitet, ohne bezahlte Ämter innezuhaben, weil er daran geglaubt habe, dass Ungerechtigkeiten korrigiert und Dinge besser gemacht werden könnten. Den Absolventen empfahl er, im Leben nach Möglichkeit das zu tun, wofür sie Leidenschaft aufbrächten. Nur so könne man unter den gegebenen Bedingungen das Bestmögliche erreichen. Zum Abschluss mahnte Bolojan zu Respekt gegenüber Eltern, Institutionen, Lehrkräften, Kollegen und den Teams, mit denen man zusammenarbeite. Zuvor hatte UVT-Rektor Marilen Pirtea den Absolventen gesagt, die Universität sei nicht nur eine Institution zur Vermittlung von Informationen und Kompetenzen, sondern auch eine Agora der Debatte und ein Raum für gesellschaftliche Lösungen. Angesichts der rasanten Veränderungen, auch durch Künstliche Intelligenz, müssten junge Menschen lernen, sich anzupassen, ohne das eigene Denken verkümmern zu lassen.





