Temeswar (ADZ) – Die frühere Protokollvilla des kommunistischen Diktators Nicolae Ceaușescu im Zentrum von Temeswar soll wieder in das Eigentum des Kreises Temesch übergehen. Das kündigte der Präsident des Kreisrates Temesch, Alfred Simonis (PSD), Ende voriger Woche an. Vorgesehen sind die Enteignung des Geschäftsmannes Ovidiu Tender sowie die Auflösung der Gesellschaft Intercenter, über die der Kreis vor mehr als 20 Jahren mit diesem assoziiert war. Die Villa, auch als „Villa International“ bekannt, liegt in zentraler Lage nahe dem Kinderpark, mit Terrassenflächen in einem angrenzenden Nadelwäldchen. Das Gebäude befindet sich derzeit in einem stark verfallenen Zustand. Im Rahmen der damaligen Partnerschaft hielt der Geschäftsmann 55 Prozent der Anteile, während der Kreisrat lediglich 45 Prozent besaß. Nach Angaben von Simonis habe diese Konstellation verhindert, dass der Kreis die Immobilie nutzen oder notwendige Investitionen tätigen konnte. Trotz der Beteiligung habe die Kreisverwaltung keinerlei Kontrolle über spätere Investitionen oder die Umsetzung von Projekten gehabt.
Nach der Sanierung soll das Gebäude als Kulturzentrum oder kulturell-künstlerischer Hub genutzt werden. „Heute holen wir ein symbolträchtiges Gebäude zurück in das Eigentum des Kreises“, erklärte Simonis. Die frühere Assoziierung bezeichnete er als nachteilig für den Kreis Temesch.
Die Villa spielte nach der Revolution von 1989 eine bedeutende repräsentative Rolle. In den Jahren danach empfing sie zahlreiche nationale und internationale Persönlichkeiten, darunter den Apollo-16-Astronauten Charles Duke, die früheren rumänischen Präsidenten Ion Iliescu und Emil Constantinescu sowie mehrere ehemalige Ministerpräsidenten und Minister. Zu den Gästen zählten auch der frühere deutsche Bundespräsident Johannes Rau, der ehemalige EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen sowie frühere Botschafter der USA, Österreichs, Italiens, Frankreichs, Chinas und Nigerias.
Die Privatisierung des damaligen „Hotel Internațional“ erfolgte ohne öffentliche Ausschreibung durch Direktvergabe, in einer Zeit, als der Kreis von Dan Ioan [ipo{ geführt wurde. Der Investor verpflichtete sich vertraglich zu Investitionen in Höhe von umgerechnet rund 60 Milliarden Lei (alte Währung) innerhalb von drei Jahren. Tatsächlich seien jedoch lediglich kleinere Reparaturen vorgenommen worden, während die Fassaden heute stark beschädigt sind.
Simonis kündigte an, dass der Kreisrat die Enteignung der unter Denkmalschutz stehenden Immobilie beschließen werde. Parallel dazu soll die Gesellschaft Intercenter aufgelöst werden, um die Villa vollständig in das Kreisvermögen zu überführen und eine zweckentsprechende Verwendung möglicher Entschädigungszahlungen sicherzustellen.
Geplant ist, das Sanierungsprojekt nach Abschluss der Vorbereitungen auszuschreiben und mög-lichst noch in diesem Jahr zu beginnen. In einer ersten Phase soll das Gebäude auf Grundlage der bestehenden Struktur modernisiert werden. Langfristig sei auch eine Erweiterung denkbar, sofern eine Machbarkeitsstudie dies nahelege, erklärte Simonis.




