Deutsche Gäste im historischen Banat

Vertreter des St. Gerhards-Werks führten Gespräche vor Ort

In der Römisch-Katholischen Kathedrale St. Johannes Nepomuk in Großbetschkerek: Die Vertreter des St.-Gerhards-Werks führten Gespräche mit Bischof Mirko Štefkovic. | Foto: Claudiu Călin

Temeswar – „Versöhnung ist nur durch Begegnung und Bildung möglich“. Diese Worte sagte vor wenigen Tagen bei einem Treffen im Temeswarer römisch-katholischen Bischofspalais der Leiter des Sankt-Gerhards-Werks aus Stuttgart, Pfarrer G.R. Klaus Rapp. „Begegnung“ stand hoch auf der Liste der Ziele, die sich der Theologe Klaus Rapp und Prof. Dr. Dr. Rainer Bendel, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Vertriebenenorganisationen, zu der das St.Gerhards-Werk gehört, und zugleich Vorstandsmitglied des Instituts für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa e.V., vorgenommen hatten, sei es in Temeswar/Timișoara, in Rumänien, oder im benachbarten Serbien. Die Gäste aus Deutschland waren im historischen Banat zugegen, um Kontakte zu knüpfen und nach möglichen Partnern in Rumänien und Serbien zu suchen. Seit einiger Zeit besteht eine Partnerschaft mit der Gemeinde Sanktanna/Sântana und dem dortigen Technologischen „Stefan Hell“-Lyzeum, im Rahmen derer Schüler aus Rumänien nach Bad Niederau, Deutschland, zu einem deutschen Sprach- und Kulturkurs eingeladen wurden.

Vom 19. bis 23. August besuchten also Pfarrer Klaus Rapp und Prof. Dr. Rainer Bendel die Römisch-Katholische Diözese Temeswar, von wo aus sie einen Abstecher ins serbische Banat unternahmen. Die Gäste aus Deutschland wurden im bischöflichen Ordinariat von der Leitung der Temeswarer Diözese empfangen, sie führten aber auch Gespräche mit dem emeritierten Bischof von Temeswar, Dr. h.c. Martin Roos, der sie am Mittwoch, den 21. August, zusammen mit dem Diözesanarchivar Dr. Claudiu Călin nach Großbetschkerek/Zrenjanin begleitete. Dort wurden Gespräche mit dem römisch-katholischen Bischof von Großbetschkerek, Mirko Štefkovic, ebenfalls zum Thema „Begegnung“, „Versöhnung“, „Bildung“, sowie über Kultur, Archive, aber auch über die Lage der noch im serbischen Banat lebenden deutschsprachigen Katholiken geführt. In Werschetz besuchten die Gäste aus Deutschlad und ihre Temeswarer Begleiter die monumentale und derzeit in einer Sanierungsphase befindliche St.Gerhards-Pfarrkirche, wo auch ein Fragment des Sarges von Abt und Märtyrer Adalbert Graf von Neipperg aufbewahrt wird (getötet von den Kommunisten am 23. Dezember 1948 in Werschetz), das örtliche römisch-katholische Pfarramt, die griechisch-katholische Pfarrkirche zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit (vormals deutsche evangelische Pfarrkirche) und das dazugehörige Pfarr- und Bildungszentrum.

„Das St. Gerhards-Werk hat in seiner Satzung die Pflege der deutschen Sprache hier und dort, und vor allem des katholischen kirchlichen Lebens. Wir sind überall mit offenen Armen begrüßt worden“, sagte Klaus Rapp. Das St. Gerhards-Werk befände sich derzeit in einem Transformationsprozess. „Die Menschen, die Zeitzeugen, die Vertreibung oder das Auswandern erleben mussten, wird es bald nicht mehr geben. Jetzt kommt es drauf an, die nächste und übernächste Generation zu erreichen“, so Klaus Rapp zur Bedeutung der Kulturkurse für Schülerinnen und Schüler aus Osteuropa. In diesem Sinne strebt nun das St. Gerhards-Werk eine Zusammenarbeit mit dem Römisch-Katholischen Lyzeum Gerhardinum in Temeswar an, dessen Direktor, Domherr Zoltán Kocsik, im Juli dieses Jahres an der 63. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben nach Altötting teilgenommen hat. In Altötting wurden die ersten Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit geführt, verriet St. Gerhards-Werks-Leiter Klaus Rapp. Das St. Gerhards-Werk sei offen für Partnerschaften mit Schulen aus Rumänien und Serbien, die an die vom St. Gerhards-Werk vermittelten Themen interessiert sind. Wichtig ist dabei, dass die Schüler einige Deutschkenntnisse mitbringen. „Wir haben bereits vier Kurse mit Schülern aus Sanktanna in Bad Niederau organisiert. Diese Kurse sollen die Schüler für das Thema ´Europa´ begeistern“, sagte Prof. Dr. Rainer Bendel. Auch mit einem Gymnasium aus Neusatz/Novi Sad gibt es eine Zusammenarbeit, doch das St. Gerhards-Werk würde gern auch noch eine weitere Schule in Serbien als Partner finden. „Mir geht es darum, die Tradition der Vertriebenen und Aussiedler, die ja immer europäisch gedacht haben, fortzuführen. Andererseits ist es eine genuine Aufgabe der Katholischen Kirche, für Europa und für eine europäische Öffentlichkeit zu arbeiten“, erklärte Professor Bendel, wieso es so wichtig sei, diese Themen gerade mit jungen Menschen zu besprechen.

Das St. Gerhards-Werk in Stuttgart pflegt und fördert das religiöse und kulturelle Erbe der Deutschen aus oder in den südosteuropäischen Ländern. Der Verein will das Interesse an der Religiosität, Geschichte und Kultur dieser Regionen wecken und in das Bewusstsein der Menschen in Deutschland rücken, aber auch den Heimatvertriebenen, Flüchtlingen und Aussiedlern helfen, ihr Schicksal positiv aus dem christlichen Glauben heraus zu bewältigen, heißt es auf der Webseite des Vereins.

Nicht nur Schüleraustausche, sondern auch andere Veranstaltungen organisiert das St. Gerhards-Werk, um den Blick der Öffentlichkeit auf die „Schwaben“ und ihre Geschichte zu lenken. Am 9. November soll in Sindelfingen bei Stuttgart eine eintägige Kulturtagung zu dem Thema „Verhärtete Frömmigkeit im 19. Jahrhundert“ stattfinden – Referenten aus Mittel- und Osteuropa werden erwartet.