Bukarest – Die Bukarester Transportgesellschaft (Societatea de Transport București, kurz STB) steht aktuell vor massiven finanziellen Problemen, so berichtet unter anderem die Nachrichtenseite Buletin de Bucure{ti. Ein internes Dokument, unterzeichnet vom Generaldirektor Andrei Dinculescu-Bighea und adressiert an Generalbürgermeister Ciprian Ciucu, soll die kritische Situation beschreiben.
„Die finanzielle Lage der STB ist katastrophal“, so die Internetseite. Sie führt aus: Dem Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs fehle es mittlerweile sogar an Geld, um die Gehälter vollständig zu zahlen und die Zulieferer von Ersatzteilen haben die Lieferungen eingestellt.
Doch woran liegt es und was steht im Schreiben? Das Problem: ein enormes Finanzierungsdefizit. STB hat ausstehende Zahlungen im Wert von 100.648.457 Lei an Lieferanten, welche das Unternehmen momentan nicht decken kann. Diese Finanzierungsprobleme haben laut Buletin schon jetzt direkte Auswirkungen auf die Bukarester Bürger: „Ohne dieses Geld weigern sich die Vertragspartner, notwendige Artikel wie Ad-Blue-Lösungen zu liefern. Ohne die Dieselbusse extrem umweltschädlich werden. Konkret bedeutet dies, dass die Dieselmotoren der Busse von Otokar und Mercedes ohne AdBlue in den Notlaufmodus schalten oder aufgrund von Umweltauflagen gar nicht erst anspringen. Ohne gängige Öle und Ersatzteile führt schon die kleinste Störung dazu, dass ein Fahrzeug auf unbestimmte Zeit außer Betrieb genommen werden muss.“
Außerdem droht zusätzlich noch ein Stromausfall für Straßenbahnen und Oberleitungsbusse, denn auch dem Energieversorger schuldet der STB aktuell über acht Millionen Lei.
Die von der STB-Leitung vorgeschlagene Lösung ist eine Übergangslösung: eine erneute Aufforderung zur Zahlung von Steuerschulden in Raten und die Bereitstellung eines zusätzlichen Betrags. Eine Erhöhung des Ratensatzes um etwa 3,5 Millionen Lei ist jedoch der einzig rechtlich zulässige „zusätzliche Betrag“ in diesem Jahr.
In der Verwaltungssprache stellt das an das PMB gesendete Dokument die offizielle Benachrichtigung vor dem Katastrophenfall dar.
Um den Problemen Herr zu werden, hat das STB außerdem eine Preiserhöhung der Tickets vorgeschlagen. Diese sollen von drei auf fünf Lei ansteigen, um den Bankrott zu vermeiden, wie auch Newsweek România berichtet. Doch die Seite stellt auch klar, dass die Fahrpreise, im Vergleich zu den lokalen Gehältern, schon jetzt teurer sind als beispielsweise in Barcelona, Prag oder Warschau.
So oder so lehnte der Bukarester Stadtrat vor Kurzem den Antrag der STB ab. Der Antrag wurde mit 23 Ja-Stimmen, 22 Enthaltungen und 5 Nein-Stimmen abgelehnt, so berichtet Digi 24.
Der Bürgermeister der Hauptstadt erläuterte in der Sitzung, warum er diese Erhöhung des Fahrpreises für STB-Fahrten auf die Tagesordnung gesetzt hatte. „Ich habe das Thema auf die Tagesordnung gesetzt, weil ich mir äußerst große Sorgen um die Situation der STB mache. Ich bin wirklich extrem besorgt. Meiner Meinung nach ist die Lage, in der wir uns heute mit den STB befinden, geradezu verzweifelt“, sagte der Bürgermeister laut News.ro.
Ciucu zeigte, dass laut seinen Daten nur 17 Prozent des STB-Budgets durch den Tarif, also Ticket und Abonnement, gedeckt sind. „Meinen Daten zufolge beläuft sich die Schuld gegenüber ANAF, die Sie kennen, auf mehrere Milliarden pro Jahr. Sie wurde jedoch mit ANAF gestundet und verrechnet, wofür ANAF die Busse, Oberleitungsbusse und Straßenbahnen als Sicherheit genommen hat. Diese Schuld muss in monatlichen Raten beglichen werden und beträgt etwa 100 Millionen. Ich hoffe, ich irre mich nicht. Wir konnten diese Summe nicht am 1. und 12. mit den im Januar erhaltenen Geldern begleichen. Und wenn wir nicht zahlen, hat ANAF im Februar keine rechtliche Handhabe, uns zu belangen. Sie können nicht anders, als unsere Straßenbahnen und Busse zu beschlagnahmen. Sie haben keine andere Wahl. Und ANAF wird den öffentlichen Nahverkehr in Bukarest weiter betreiben – wenn Sie das wünschen, ja?“, erklärte der Bürgermeister und plädierte für die Erhöhung – erfolglos.





