Die Erinnerung ist eine moralische Verpflichtung

Gedenkfeier anlässlich der Russlanddeportation in Großkarol

Beim Denkmal der Russlanddeportierten in Großkarol: Clara Lini in der Mitte Foto: DFD Großkarol

Großkarol – „Heute gedenken wir in Stille und mit gesenktem Haupt all jener, die 1945 aus Großkarol und anderen Regionen Rumäniens zur Zwangsarbeit verschleppt wurden. Unschuldige Menschen, deren Schicksal durch die Entscheidungen einer unmenschlichen Zeit besiegelt wurde. Sie wurden ihren Familien, ihren Häusern und ihrer Muttersprache entrissen und in ein fremdes Land gebracht, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen Jahre, ihre Gesundheit und oft sogar ihr Leben verloren.
Diejenigen, die zurückkehrten, mussten weiter schweigen und trugen ihren Schmerz oft lange Zeit in sich.“

Mit diesen Worten beschrieb Camelia Pacz, Vorsitzende des Stadtforums Großkarol/Carei, die Geschehnisse aus der Zeit der Russlanddeportation der Sathmarer Schwaben am vergangenen Sonntag bei der Gedenkveranstaltung.

Die Erinnerung an die vor 81 Jahren stattgefundene Verschleppung begann mit einem Gedenkgottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche in Großkarol. Die Heilige Messe wurde von Alexander Solomayer, Pfarrer der Heilig-Geist-Kirche, in Anwesenheit vieler Angehöriger der Opfer der Russlanddeportation zelebriert. Zur Freude aller nahm an der Gedenkfeier auch die 101-jährige Clara Lini teil, die aus Schinal/Urziceni in die ehemalige Sowjetunion deportiert worden war.

Vor der Gedenkmesse wurden die Worte von Etel Lechli, ebenfalls eine ehemalige Verschleppte, in Erinnerung gerufen. Während Bilder aus der Zeit der Deportation gezeigt wurden, konnte man ihre Erzählung hören.

„Diese Erinnerung ist nicht nur eine Rückbesinnung auf die Vergangenheit, sondern auch eine Mahnung: Sie lehrt uns, dass die Menschenwürde niemals Opfer politischer Entscheidungen werden darf. Es ist die Pflicht unserer Gemeinschaft, ihr Schicksal und ihre Geschichte an die nächsten Generationen weiterzugeben. Mit dem Kranz gedenken wir nicht nur, sondern geben auch ein Versprechen: Wir werden nicht vergessen. Wir bewahren ihre Erinnerung und zollen allen, die unschuldig gelitten haben, unseren Respekt“, sagte Camelia Pacz, Vorsitzende des DFD in Großkarol, beim Denkmal der Russlanddeportierten während der anschließenden Kranzniederlegung auf dem Friedhof.

Auch Josef Hölzli, Vorsitzender des Regionalforums Nordsiebenbürgen, betonte, dass man die traurigen und ungerechten Geschehnisse der Deportationszeit der Sathmarer Schwaben nicht vergessen dürfe.

„Wir alle müssen aus der Vergangenheit lernen. Wir sind moralisch verpflichtet, über diese große Ungerechtigkeit nachzudenken, sie in Erinnerung zu behalten, darüber zu sprechen und mit all unseren Mitteln gegen solche menschenrechtswidrigen Geschehnisse zu kämpfen“, sagte der Regionalvorsitzende.

Nach der Kranzniederlegung versammelten sich alle Teilnehmer der Gedenkfeier im Jugendzentrum des DFD, wo die 101-jährige Überlebende der Russlanddeportation, Clara Lini, seitens des Regionalforums Nordsiebenbürgen, des Kreisforums Sathmar und des Stadtforums Großkarol geehrt wurde.