Eine unterhaltende, aber auch schwere, queere Lesung im Goethe-Institut

Raj Alexandru Udrea und Paula Dunker (v.l.) bei der szenischen Lesung im Goethe-Institut. Foto: Valentin Brendler

Am vergangenem Mittwoch fand im Goethe-Institut eine einzigartige, performative Lesung statt. Dafür saßen Raj Alexandru Udrea und Paula Dunker – die auch in der Bibliothek des Instituts arbeitet – auf der Bühne. Sie lasen einen queeren Text vor, der an manchen Stellen durchaus schockt, der unterhält, der Besucher sehr oft zum Lachen brachte, aber der auch nachdenklich und schwer wurde, während er die Probleme der queeren Gemeinschaft ansprach. Insbesondere wurde die Angst vor HIV angeschnitten.

Der zugrundeliegende Text heißt „The Protocols“ (Die Protokolle) und stammt von Bogdan Georgescu. Im Stück reden zwei Personen miteinander, dessen Namen nicht genannt werden. Beide sind queer und erzählen einander von ihrem Leben. Dabei werden viele schwere und auch sexuelle Themen angesprochen. Deswegen war die Veranstaltung am Mittwoch auch nur für Menschen, die älter als 16 Jahre sind, empfohlen. Untermalt wurde die Lesung außerdem mit Musik von Alex Bălă.

Dunkers Rolle war zumeist sehr gesprächig, eher locker und konnte für viele Lacher sorgen. Udreas Rolle auf der anderen Seite machte zwar auch Witze, fürchtete sich aber vor allem vor einer Infizierung mit dem besagten Virus und ging zu verschiedenen Ärzten, traute sich aber nicht, den Test zu machen. Die beiden Performer, auch wenn sie den Text bei der szenischen Lesung natürlich nur vorlasen, brachten ihn gekonnt rüber und spielten ihre Rollen mitreißend. Schade war nur, dass Udrea vergleichsweise wenig Text im Stück hatte und deswegen etwas in den Hintergrund trat.

Alles in allem war der Abend im Goethe-Institut sehr interessant und unterhaltend. Er bot einen spannenden Einblick in die Queere-Gemeinschaft, die auch noch heute in der Gesellschaft teilweise mit offenem Hass konfrontiert wird.

Organisiert wurde die performative Lesung im Rahmen des Projekts „Palimpsest – lebendiges Schreiben und gemeinschaftlicher Chronotop“, produziert von „ADO – Arta Pentru Drepturile Omului“ (Kunst für Menschenrechte). Das Projekt stellt die queere Dramaturgie aus Rumänien in den Vordergrund und unterstützt die Entwicklung einer queeren Schriftkultur, so beschreibt es das Goethe-Institut.