Temeswar – Drei Schüler der Deutschen Spezialabteilung (DSA) am Nikolaus-Lenau-Lyzeum in Temeswar/Timișoara sind am vergangenen Donnerstag mit dem Joseph-Preis der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) ausgezeichnet worden. Luiza Focșa, Ioana Idiceanu-Mathe und Albert Ododescu hatten den Gewinnerbeitrag unter der Anleitung ihrer Lehrerin Dr. Katharina Graupe verfasst. Prämiert wurde ihr Artikel „Es bleibt allein die Synagoge“, der sich mit der Geschichte und der heutigen Situation der jüdischen Gemeinde in Temeswar auseinandersetzt und der am 1. Dezember 2025 auf der Sonderseite „Jugend schreibt“ der F.A.Z. erschienen ist. Außerdem wurden Beiträge von Schülerinnen und Schülern aus Slowenien und der Schweiz prämiert.
Die feierliche Preisverleihung fand in Frankfurt am Main statt und wurde von der FAZIT-Stiftung ausgerichtet. Da gerade an jenem Tag die DSA-Schüler die Abiturklausuren in Deutsch schrieben, nahmen die ausgezeichneten Schüler aus Temeswar gemeinsam mit ihrer betreuenden Lehrkraft virtuell an der Preisverleihung teil. Ab 15.30 Uhr verfolgten sie die Verleihung live aus der Bibliothek ihrer Schule, die dafür technisch mit Frankfurt verbunden war.
Der Joseph-Preis würdigt journalistische Arbeiten junger Menschen, die sich mit jüdischen Themen sowie mit Fragen von Erinnerungskultur und gesellschaftlicher Verantwortung befassen. Die Ehrung ist dem Überlebenden des Holocaust, dem Berliner Rolf Joseph, gewidmet.
Der Beitrag der Lenau-Schüler überzeugte die Jury durch seine sorgfältige Recherche, die historische Einordnung und den sensiblen Umgang mit einem Thema, das weit über die lokale Ebene hinaus Bedeutung hat. „Die Schüler porträtieren in ihrem preisgekrönten Beitrag ´Es bleibt allein die Synagoge´ vom 1. Dezember 2025 die jüdische Gemeinde von Temeswar, einst eine blühende Gemeinschaft, heute auf wenige hundert Mitglieder geschrumpft. Sie zeigen, wie eng die Gebäude dieser Stadt, die Synagoge, die Schule und die Straßen mit jener Geschichte verwoben sind, die man nicht auswischen kann. Und sie geben Menschen eine Stimme, die um den Fortbestand einer Tradition kämpfen. Ihr Text ist ein Stück Bewahrung und ein Ausdruck von Empathie, der tief berührt“, sagte Dr. Simon Haug, Geschäftsführer der FAZIT-Stiftung, bei der Preisverleihung.
Mit der Auszeichnung ist ein Preisgeld in Höhe von 700 Euro verbunden. Die Schüler entschieden sich allerdings bewusst dafür, einen Großteil des Betrags – 400 Euro – an die jüdische Gemeinde in Temeswar zu spenden. „Da ihr Artikel die Situation der Gemeinde und den Erhalt der Synagogen in den Mittelpunkt stellt, erschien ihnen diese Spende als ein naheliegender und sinnvoller Schritt“, sagte Frank Lembke, der Leiter der Deutschen Spezialabteilung in Temeswar.
Die Auszeichnung stellt nicht nur eine besondere Anerkennung für die drei Preisträger dar, sondern sie zeigt eindrucksvoll, wie engagierte Recherche und verantwortungsbewusstes Schreiben junge Menschen dazu befähigen können, einen wichtigen Beitrag zur öffentlichen Erinnerung und zum gesellschaftlichen Dialog zu leisten. Das Projekt „Jugend schreibt“ der F.A.Z. gibt es seit nunmehr 39 Jahren, erschienen sind bisher etwa 1500 Seiten mit Beiträgen von mehr als 60.000 Schülern.





