Temeswar (ADZ) – Der Temeswarer Bürgermeister Dominic Fritz (USR) hat den Vorschlag des Temescher Kreisratsvorsitzenden Alfred Simonis (PSD) zurückgewiesen, mehrere vernachlässigte Einrichtungen der Stadt vom Kreisrat sanieren zu lassen. Fritz erklärte am Donnerstag, die Initiative sei „eher politisch als administrativ“ motiviert und er sehe keinen Anlass, die betreffenden Objekte an den Kreisrat zu übertragen. Damit reagierte der Bürgermeister auf ein offizielles Schreiben des Kreisratsvorsitzenden, das inzwischen im Rathaus eingegangen sei. Darin bietet der Temescher Kreisrat an, mehrere kleinere Investitionsprojekte der Stadt zu übernehmen und zu modernisieren. Fritz machte jedoch deutlich, dass er den Vorstoß nicht unterstützen werde. Temeswar brauche „keinen administrativen Batman“, der sich an die Stelle der Stadtverwaltung setze, erklärte er mit Blick auf Simonis’ Initiative.
Der Bürgermeister sagte, ähnliche Ambitionen habe es auch bei früheren Kreisratsvorsitzenden gegeben. Das größte Kreisgebiet Rumäniens sei für manche Amtsträger „zu klein für ihre politischen Ambitionen“ geworden, weshalb sie versucht hätten, sämtliche Probleme der Stadt lösen zu wollen. Solche Versuche seien von den Temeswarern stets zurückgewiesen worden. Statt sich in Projekte der Stadt einzumischen, solle sich der Kreisrat auf seine eigenen Aufgaben konzentrieren, fügte Fritz hinzu. Als Beispiele nannte er Investitionen im Verantwortungsbereich des Kreisrats, etwa den Hof des Kunstmuseums sowie mehrere Filialen der Kreisbibliothek in den Stadtvierteln und im Kreisgebiet. Erst wenn diese Probleme gelöst seien, könne man über weitere Kooperationen sprechen. Der Konflikt betrifft jene vier Einrichtungen, die Simonis bereits in der vergangenen Woche genannt hatte: die Freizeitanlage „Uszoda“ am Bega-Ufer, den ehemaligen Thermalstrand, das Sommerkino „Capitol“ mit seinem Garten sowie die Blumen-Uhr im Stadtzentrum. Der Kreisrat hatte vorgeschlagen, diese Objekte vorübergehend in sein Eigentum zu übernehmen, sie zu modernisieren und anschließend „schlüsselfertig“ an die Stadt zurückzugeben. Damit wolle man zeigen, „dass wir sowohl Geld als auch Verstand haben“, um solche Projekte umzusetzen, hatte Simonis erklärt. Im Rathaus wird der Vorstoß jedoch als politisches Signal gewertet. Fritz kündigte an, dem Kreisratsvorsitzenden schriftlich zu antworten und seine ablehnende Haltung auch formal mitzuteilen.
Die vier Einrichtungen gelten seit Jahren als Problemfälle der Temeswarer Stadtentwicklung. Für die Anlage „Uszoda“ wurden bereits 2021 erste Pläne angekündigt, umgesetzt wurde bislang nur ein Teil der vorgesehenen Arbeiten, darunter die Sanierung eines Basketballfelds. Der Thermalstrand wurde 2024 nach einem Gerichtsverfahren vom bisherigen Pächter geräumt und zunächst der städtischen Gesellschaft Horticultura übergeben; wegen zu hoher Kosten ging das Objekt jedoch wieder an die Stadt zurück und befindet sich derzeit in der Planungsphase.
Auch die Blumen-Uhr im Stadtzentrum wartet weiterhin auf eine umfassendere Sanierung. Ein neuer Uhrmechanismus wurde zwar durch Spenden finanziert, doch stellte die Kreisbehörde für Kultur fest, dass die Konstruktion derzeit nicht sicher betrieben werden könne. Das Sommerkino „Capitol“ wiederum war Teil mehrerer Modernisierungspläne, darunter eines früher diskutierten Kultur- und Technologiezentrums, doch wurde bislang kein Projekt umgesetzt.




