Temeswar – Eine Woche lang verwandelte sich die deutsche Nikolaus-Lenau-Schule in Temeswar/Timișoara in einen Ort des entdeckenden Lernens. Im Rahmen der „Grünen Woche“ stand nicht der klassische Unterricht im Mittelpunkt, sondern ein breit gefächertes Programm rund um Natur, Umwelt, Wissenschaft und gesellschaftliche Verantwortung. Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen konnten dabei Wissen nicht nur theoretisch aufnehmen, sondern vor allem praktisch erleben.
Ein besonderes Augenmerk lag auf naturwissenschaftlichen Aktivitäten. Mehrere Klassen besuchten die Labors des „Coriolan Drăgulescu“-Chemieinstituts, wo sie moderne Forschung hautnah erleben durften. Dort analysierten sie unter anderem Stoffe, die unter UV-Licht leuchten, beschäftigten sich mit innovativen Materialien auf Basis mesoporöser Kieselsäure und beobachteten Prozesse zur kontrollierten Freisetzung von Wirkstoffen. In praktischen Übungen stellten die Jugendlichen selbst Pufferlösungen mit unterschiedlichen pH-Werten her und arbeiteten mit professionellen Laborgeräten – eine Erfahrung, die den Unterrichtsstoff greifbar machte.
Auch das Thema „Wasser und Umwelt“ wurde praxisnah vermittelt: Zwei siebte Klassen arbeiteten gemeinsam mit Fachleuten der Gesellschaft für Siedlungswasserbewirtschaftung „Aquatim“, untersuchten Wasserproben, bestimmten den Chloridgehalt und erfuhren, wie wichtig sauberes Trinkwasser und verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen sind.
Naturerlebnisse standen ebenfalls im Fokus. Zwei fünfte Klassen erkundeten die „Sta]iunea Tinerilor Naturaliști“, wo sie Pflanzen und Bäume im dendrologischen Park entdeckten und in Gewächshäusern forschten. Unter dem Mikroskop untersuchten sie Pflanzenzellen und entwickelten dabei ihre Beobachtungsgabe weiter. Als Erinnerung nahmen die Kinder Pflanzen mit nach Hause – ein symbolischer Abschluss eines Tages voller Entdeckungen.
Doch die „Grüne Woche“ beschränkte sich nicht nur auf klassische Naturwissenschaften. Eine fünfte Klasse setzte sich gemeinsam mit Experten des IT-Unternehmens NTT Data Rumänien mit den Risiken der digitalen Welt auseinander. Themen wie Cybermobbing, Datenschutz und sicheres Verhalten im Internet wurden anschaulich vermittelt, sodass die Schüler nun besser auf die Herausforderungen des digitalen Alltags vorbereitet sind.
Für Begeisterung sorgte auch eine außergewöhnliche Biologiestunde: Tierarzt Dr. Mark Benedek brachte exotische Tiere wie einen Blauzungenskink, Skorpione und einen Waran mit in die Schule. Die direkte Begegnung mit den Tieren ermöglichte den Kindern einen emotionalen Zugang zur Tierwelt und sensibilisierte sie für den Schutz von Biodiversität.
Bereits die jüngsten Schüler lernten, Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen. In Workshops mit dem Müllentsorgungsunternehmen „RETIM“ erfuhren sie spielerisch, wie Mülltrennung funktioniert und warum Recycling ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz ist.
Auch außerschulische Lernorte spielten eine wichtige Rolle: So besuchten mehrere Klassen die Universität für Lebenswissenschaften in Temeswar, wo sie Einblicke in moderne Methoden wie die Mikrovermehrung von Pflanzen erhielten. Gleichzeitig konnten Grundschüler bei Experimenten mit der Technischen Universität entdecken, dass hinter scheinbarer „Magie“ wissenschaftliche Prinzipien stehen.
Neben Natur und Wissenschaft kam auch die kulturelle Bildung nicht zu kurz. Vorschulklassen besuchten eine Ausstellung zum illustrierten Kulturerbe der Stadt und wurden dabei zu „Detektiven“, die Geschichte und Identität ihrer Umgebung erforschten. Eine achte Klasse unternahm zudem eine mehrtägige Exkursion nach Kronstadt/ Brașov, wo sie historische Sehenswürdigkeiten wie die Schwarze Kirche und das Bran-Schloss erkundete.





