Hineinschnuppern in andere Welten

Abschluss des Tanzgruppentreffens 2025 | Foto: Aurelia Brecht

Hermannstadt – Schon bei der Abfahrt war die Aufregung der Tänzerinnen und Tänzer des Jugendforums Hermannstadt zu spüren. Im Innenhof des Jugendforumssitzes, Sporergasse 5/Strada General Magheru 5, stehen Celia und Irina. Ungeduldig warten sie auf die Abfahrt nach Mühlbach/Sebeș – beide sind leidenschaftliche Tänzerinnen und fahren vor allem mit, um Neues zu lernen. Celia gehört der Tanzgruppe seit einem Jahr an, Irina ist seit vier Monaten dabei.

Neben dem Erlernen neuer Tänze ist ihnen außerdem wichtig, neue Kontakte zu knüpfen, erzählen sie. Das Tanzgruppentreffen findet bereits seit 15 Jahren statt. Zu Beginn in Arad organisiert, findet es seit rund einem Jahrzehnt an verschiedenen Orten in Rumänien statt. Ziel ist es, die verschiedenen Tanzgruppen der deutschen Minderheiten aus unterschiedlichen Regionen zusammenzubringen. Sie sollen sich untereinander kennenlernen, die Tanzchoreografien der anderen sehen und dabei ein Gefühl für die jeweiligen regionalen Kulturen bekommen.

In diesem Jahr nehmen elf Gruppen aus dem Banat, der Maramuresch, dem Sathmarer Raum und aus Siebenbürgen teil – insgesamt 144 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Aber nicht nur um die jeweiligen deutschen Tänze soll es gehen. Auf dem Programm 2025 stehen auch drei Workshops anderer Ethnien – die Jugendlichen können zwischen drei Workshops wählen, in denen „Rumänische Tänze“, „Makedonische Tänze“ und „Roma-Tänze“ gelehrt werden.

Als die drei Kleinbusse in Mühlbach ankommen, herrscht Durcheinander: Die Jugendlichen entladen das Gepäck – die Trachten werden umsichtig vom Bus in die Zimmer transportiert. Am Abend präsentieren sich die Tanzgruppen – die Jugendlichen lernen sich kennen.

Am nächsten Tag wählen sie ihren Workshop – dann beginnen die Proben: Erste Grundschritte, neue Figuren. Die Workshopleiter haben alle Hände voll zu tun: „Eins, zwei, eins, zwei, drei.“ Der Grundschritt für den rumänischen Tanz ist schnell gelernt. Beim makedonischen „Pamporea“ wird im Kreis getanzt, beim Roma-Tanz sitzt niemand mehr still.

Johanna Kézdi war früher als Tänzerin auf dem Treffen und ist heute als Jugendreferentin der Arbeitsgemeinschaft deutscher Jugendorganisationen in Rumänien (ADJ) für die Organisation der Veranstaltung zuständig: Sie freut sich darüber, dass das Treffen jedes Jahr gut angenommen wird und Tanz und Gemeinschaft im Mittelpunkt stehen: „Für mich persönlich ist das Tanzgruppentreffen der Ort, wo wirklich das Tanzen gelebt wird.“

Dann ist der große Abend da. Celia und Irina stehen in ihren siebenbürgisch-sächsischen Trachten im Tanzsaal: „Ich bin sehr aufgeregt, aber auch froh, dass wir hier sind“, meint Irina. „Es wird schon alles gut laufen“, fügt Celia hinzu. Als sie dran sind, merkt man ihnen die Aufregung nicht an. Zunächst präsentieren die Jugendlichen die deutschen Tänze aus ihren Regionen: Dabei das „Mühlradl“, der „Schaulustig“ und viele mehr. Dann folgen die Workshop-Tänze. Die Stimmung verändert sich, fast meint man, mit den Tanzenden in andere Welten zu reisen. Der Tanz als Brücke – übers Tanzen tauchen die Jugendlichen in andere Welten ein und lernen sie nachfühlen.

Nach der Aufführung merkt man Celia und Irina die Erleichterung an: „Ich wollte den Pamporea-Tanz schon lange lernen und jetzt hat das geklappt! Wir haben wirklich viel geprobt – ich glaube allein gestern waren es um die fünf Stunden.“ Können sie noch nach den drei Tagen intensiver Tanzproben? Eigentlich nicht, sagen sie. Aber die Aufregung und das Adrenalin hätten ihnen geholfen, durchzuhalten. Was bedeutet das Treffen für sie? Das ist für beide klar: „Einfach Spaß haben, neue Tänze lernen und die sächsische Kultur weitergeben.“