Großwardein – In der Präfektur Bihor fand die zweite Arbeitssitzung zur Identifizierung und Festlegung vorrangiger Biodiversitätszonen (ZPB) innerhalb der natürlichen Lebensräume des Kreises statt. Ziel ist es, jene Gebiete festzulegen, die künftig unter besonderen Schutz gestellt werden sollen.
Die Sitzung wurde vom Präfekten des Kreises Bihor, Marcel Dragoș, gemeinsam mit den Vizepräfekten Nándor Botházy und Emilian Pavel geleitet. Die strategische Bedeutung des Vorhabens wurde durch die Teilnahme hochrangiger Vertreter der Zentralregierung unterstrichen. Anwesend waren unter anderem Barna Tánczos, stellvertretender Ministerpräsident Rumäniens, sowie Alexandru Avram, Generalsekretär im Ministerium für Umwelt, Wasser und Wälder und verantwortlich für die Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen im Rahmen des Nationalen Wiederaufbau- und Resilienzplans (PNRR).
Die Beratungen standen im Zusammenhang mit der Umsetzung von Meilenstein 34 des PNRR, der die Angleichung an die EU-Biodiversitätsstrategie 2030 vorsieht. Diese setzt ein ehrgeiziges Ziel: Mindestens ein Drittel der geschützten Gebiete der Europäischen Union – das entspricht zehn Prozent der Land- und zehn Prozent der Meeresfläche – soll unter strengen Schutz gestellt werden, einschließlich aller noch existierenden Ur- und Altwälder.
An der Sitzung nahmen Vertreter von 87 Gemeinden und Städten des Kreises Bihor teil, auf deren Gebiet laut Kartenmaterial des Umweltministeriums potenzielle Biodiversitätszonen identifiziert wurden. Ebenfalls vertreten waren zahlreiche Fachinstitutionen und Behörden, darunter Wasser- und Forstverwaltungen, Umweltbehörden, der Nationalpark Apuseni, der Kreisrat Bihor sowie Energie- und Infrastrukturbetreiber.
Derzeit befinden sich die vorgeschlagenen Biodiversitätszonen in der nationalen öffentlichen Konsultationsphase. Im Kreis Bihor sind etwa 24.000 Hektar betroffen, was 3,2 Prozent der Kreisfläche entspricht. Vorgesehen sind vor allem Ökosysteme entlang von Flüssen und Seen, Moorgebiete im Apuseni-Gebirge, ursprüngliche und naturnahe Wälder, artenreiche Wiesen sowie Feuchtgebiete, die bereits Teil des Natura-2000-Netzwerks waren.
Bewusst ausgeschlossen wurden stark anthropogen geprägte Flächen wie Bau- und Landwirtschaftsgebiete, Zonen mit großen Infrastrukturprojekten, touristische Entwicklungsräume sowie stark fragmentierte Landschaften. Ziel der Konsultationen ist es, im Dialog zwischen Behörden, Experten sowie Grundstückseigentümern und -verwaltern einen Konsens zu erzielen. Wo dies nicht möglich ist, können alternative Flächen vorgeschlagen werden, gestützt auf technische und wissenschaftliche Dokumentationen. Für betroffene Eigentümer ist zudem ein Entschädigungssystem vorgesehen. Die Verabschiedung des nationalen Katalogs der prioritären Biodiversitätszonen ist für Mai dieses Jahres geplant.
Präfekt Marcel Dragoș betonte die doppelte Verantwortung der Behörden: „Diese Sitzung markiert einen wichtigen Moment für die Zukunft des Kreises Bihor. Einerseits müssen wir die PNRR-Meilensteine konsequent umsetzen, um europäische Fördermittel zu sichern. Andererseits haben wir die moralische Pflicht, unser Naturerbe zu bewahren. Strenger Biodiversitätsschutz ist der einzige Weg, um kommenden Generationen eine gesunde Umwelt zu hinterlassen. Unser gemeinsames Ziel ist es, die europäischen Umweltvorgaben zu erfüllen, ohne die Entwicklung der lokalen Gemeinschaften zu blockieren – und die Schutzgebiete zu einer echten Ressource für den Kreis zu machen.“




