Millionenoffensive für Mikroelektronik und KI

TU „Politehnica“ startet drei strategische Großprojekte

Temeswar – Die TU „Politehnica“ in Temeswar/Timișoara (UPT) schlägt ein neues Kapitel in der rumänischen Forschungslandschaft auf: Mit drei strategischen Großprojekten im Rahmen des europäischen Programms IPCEI (Important Projects of Common European Interest) startet die Universität das bislang umfangreichste Forschungs- und Technologieprogramm ihrer Geschichte. Zwischen 2026 und 2028 sollen Investitionen von mehr als 173 Millionen Lei in den Ausbau moderner Forschungsinfrastruktur fließen. Damit positioniert sich Temeswar zunehmend als aufstrebendes europäisches Zentrum für Mikroelektronik und Halbleitertechnologie.

Der offizielle Auftakt erfolgte Ende der Woche im Senatssaal der Universität. Vertreter aus Wissenschaft, Industrie und Politik nahmen an der Veranstaltung teil, die den Beginn einer langfristigen Technologieoffensive markierte. Das IPCEI-Programm zählt zu den bedeutendsten Initiativen der Europäischen Union zur Stärkung technologischer Unabhängigkeit in strategischen Bereichen wie Mikroelektronik, künstliche Intelligenz, fortschrittliche Kommunikation und Embedded Systems.

UPT-Rektor Florin Drăgan sprach von einem „historischen Moment“ für die Universität und die rumänische Forschung. Die nun gestarteten Projekte würden jahrelange strategische Diskussionen auf europäischer und nationaler Ebene erstmals in konkrete Ergebnisse umsetzen.

Im Mittelpunkt steht der Aufbau von insgesamt 20 neuen Hochtechnologie-Laboren. Die Einrichtungen sollen unter anderem Forschung in den Bereichen Mikroelektronik, Prozessorarchitekturen, künstliche Intelligenz, Radartechnologien, Photonik, Cybersicherheit und Leistungselektronik ermöglichen. Ein zentraler Bestandteil der Investitionen ist zudem der Ausbau der Infrastruktur für Mikroelektronik: Durch die Erweiterung des Gebäudes „D Electro“ entstehen neue Forschungsräume sowie ein sogenannter Reinraum zur Validierung integrierter Schaltungen und mikroelektronischer Komponenten, eine Schlüsseltechnologie für moderne Halbleiterforschung.

An den Projekten werden mehr als 200 Forscher beteiligt sein. Auch zahlreiche Master- und Doktoratsstudierende sollen direkt in die Forschungsarbeit eingebunden werden. Die Fakultäten für Elektronik, Telekommunikation und Informationstechnologie sowie für Automatisierung und Informatik sehen darin einen entscheidenden Schritt zur Ausbildung dringend benötigter Fachkräfte für die digitale Transformation.

Das größte Einzelprojekt trägt den Namen ASSET-IxC und wird gemeinsam mit dem Unternehmen Aumovio Rumänien umgesetzt. Ziel ist die Entwicklung energieeffizienter intelligenter Sensoren für die Automobilindustrie. Die Finanzierung beläuft sich auf mehr als 102,5 Millionen Lei.

Das Projekt PPIC entsteht in Zusammenarbeit mit NXP Semiconductors und konzentriert sich auf intelligente Wahrnehmungssysteme, Radar-Technologien, Embedded-Software und neue Programmierparadigmen für Hardwarebeschleuniger. Das Projekt hat einen Wert von rund 45,7 Millionen Lei.

Das dritte Projekt, SINAPSA, widmet sich KI-basierten Lösungen für die Automobilindustrie. Geplant sind Forschungsplattformen für autonome Systeme, generative KI, Biometrie und automatisierte optische Inspektion. Dafür werden weitere 25,4 Millionen Lei ausgegeben.