Sathmar – Die neue deutsche Botschafterin in Rumänien, Angela Ganninger, besuchte vergangenen Montag und Dienstag Sathmar. Auf dem Programm standen Gespräche mit Vertretern aus Wirtschaft, Verwaltung, Schule, Kirche sowie der deutschen Minderheit. Außerdem nahm die Botschafterin an einer Veranstaltung der jüdischen Gemeinde teil.
Den Auftakt ihres Besuchs bildete am Montag ein Treffen mit dem Vorstand des Deutsch-Rumänischen Wirtschaftsklubs der Region Sathmar (DRW). Bei der Zusammenkunft in Bildegg/Beltiug wurden unter anderem die Auswirkungen der von der rumänischen Regierung eingeführten neuen wirtschaftlichen Maßnahmen auf die Mitgliedsunternehmen des DRW erörtert. Auch die duale Ausbildung stand im Mittelpunkt der Gespräche, da sie angesichts des Fachkräftemangels auf dem Arbeitsmarkt eine zunehmend wichtige Rolle spielt.
Beim anschließenden Treffen mit der Stadt- und Kreisverwaltung hob Kreisratsvorsitzender Csaba Pataki hervor, dass die wirtschaftliche Partnerschaft mit Deutschland eine Schlüsselrolle für die Entwicklung des Kreises Sathmar spiele. Derzeit seien etwa 70 Prozent der Beschäftigten im privaten Sektor in Unternehmen mit deutschem Kapital tätig. In der Region seien rund 200 vollständig deutsche oder deutsch-rumänische Unternehmen aktiv, die Tausende von Arbeitsplätzen für die lokale Bevölkerung schaffen. Pataki stellte der Botschafterin zudem laufende Entwicklungsprojekte und zukünftige Investitionsmöglichkeiten im Kreis vor und betonte die Bedeutung einer weiteren Vertiefung der Zusammenarbeit mit deutschen Partnern.
Auch Bürgermeister Gábor Kereskényi unterstrich die wichtige Rolle deutscher Unternehmen für die Wirtschaft der Stadt. Diese fühlten sich in Sathmar „zu Hause“, gleichzeitig verfüge die Region über erhebliches Wachstumspotenzial. Ziel der Stadtverwaltung sei es, weitere deutsche Investoren anzuziehen und zugleich die Expansionspläne der bereits ansässigen Unternehmen zu unterstützen.
Präfekt Tamás Altfatter sprach über die Bedeutung der beruflichen und technologischen Ausbildung. Die Präfektur führe derzeit eine Analyse darüber durch, wie erfolgreich Absolventen technischer und beruflicher Ausbildungsgänge in den Arbeitsmarkt integriert werden.
Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch des Johann-Ettinger-Lyzeums. Dort nahm die Botschafterin am Projekt „Zukunftsforum“ teil, das von der ifa-Kulturmanagerin Elisa Vaughan für Schülerinnen und Schülern der Schule organisiert wird. Die vom Deutschen Forum Sathmar und vom Kulturverband Sathmarense unterstützte Veranstaltungsreihe lädt regelmäßig Gäste ein, die den Jugendlichen Einblicke in ihren beruflichen Werdegang geben.
Die Schülerinnen und Schüler stellten der Botschafterin zahlreiche Fragen über ihre diplomatische Laufbahn und ihre Arbeit. Ganninger betonte dabei, dass Deutschland Werte wie Freiheit, Partnerschaft und gegenseitige Wertschätzung als wichtige Prinzipien verfolge und sich als Land verstehe, das zum Zusammenhalt der Europäischen Union beitrage. Mit ihrer Tätigkeit als Botschafterin wolle sie insbesondere den Austausch und das gegenseitige Verständnis zwischen den Ländern fördern. In Rumänien gebe es durch die deutsche Minderheit glücklicherweise auch direkte Verbindungen nach Deutschland, so Ganninger.
Vor dem Gespräch mit den Jugendlichen stellte die Schulleitung – Direktorin Maria Reiz und der stellvertretende Direktor Robert Elek – der Botschafterin bei einem kurzen Rundgang die Schule vor. Im Grundschulgebäude wurde sie von den jüngsten Schülerinnen und Schülern mit Liedern herzlich begrüßt.
Ein weiterer wichtiger Programmpunkt war die Teilnahme an einer Veranstaltung der jüdischen Gemeinde in Medieșu Aurit. An dem Treffen nahmen auch der Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde in Rumänien, Rafael Shaffer, sowie Adrian Beșa, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Sathmar, teil. Empfangen wurden die Gäste vom Bürgermeister der Gemeinde, Marian Torok.
Vor dem jüdischen Friedhof der Ortschaft sprachen die Teilnehmer ein Gebet zum Gedenken an jene, die dort ihre letzte Ruhe gefunden haben. Der Friedhof befindet sich in einem sehr gepflegten Zustand. Oberrabbiner Shaffer betonte, dass dies sowohl dem Engagement der Gemeindeverwaltung als auch der lokalen Bevölkerung zu verdanken sei, die die Friedhöfe im Laufe der Zeit mit Sorgfalt und Respekt erhalten habe.
Vertreter der jüdischen Gemeinde erklärten, sie wollten sich dafür einsetzen, dass alle Friedhöfe der Gemeinde in einen ähnlich guten Zustand gebracht werden. Bürgermeister Torok sicherte zu, dass die Gemeindeverwaltung im Rahmen ihrer Möglichkeiten jede Unterstützung leisten werde.
Im Bischofspalais wurde die Botschafterin von Eugen Schönberger, dem römisch-katholischen Bischof der Diözese Sathmar, empfangen. An dem Gespräch nahmen auch Bischofssekretär Josef Fanea und Ioan Roman, Direktor der Diözesancaritas Sathmar, teil.
Im Gemeinschaftshaus des Deutschen Forums warteten anschließend Mitglieder der Jugendorganisation „Gemeinsam“ auf die Botschafterin. Die Jugendlichen stellten ihren Verein vor und gaben Einblick in ihre vielfältigen Aktivitäten. Die Jugendorganisation veranstaltet im Laufe des Jahres Bildungsseminare – etwa in den Bereichen kreatives Schreiben und Journalismus –, traditionelle Feste der deutschen Minderheit sowie verschiedene Freizeitprogramme für junge Menschen.
Anschließend besichtigte die Botschafterin das Gemeinschaftshaus.
Im Wendelin-Fuhrmann-Saal des Demokratischen Forums der Deutschen in Sathmar traf Angela Ganninger schließlich zahlreiche Vertreter des lokalen Forums Sathmar sowie des Regionalforums Nordsiebenbürgen. Regionalvorsitzender Josef Hölzli begrüßte die Botschafterin und betonte die Bedeutung des Besuchs für den Austausch zwischen Deutschland und der deutschen Gemeinschaft in der Region.
Die Botschafterin unterstrich ihrerseits die wichtige Brückenfunktion der deutschen Minderheit zwischen Rumänien und Deutschland – sowohl im wirtschaftlichen als auch im gesellschaftlichen und kulturellen Bereich. Sie freue sich über die Gelegenheit zum Gespräch und zur besseren Vernetzung.
Hölzli bedankte sich bei der Vertreterin Deutschlands für die kontinuierliche Unterstützung, die die deutsche Minderheit seitens des deutschen Staates seit über drei Jahrzehnten in den Bereichen Wirtschaft, Bildung und Jugendarbeit erhält. In der anschließenden Diskussion mit Forumsvertretern aus den Kreisen Sathmar, Bihar/Bihor, Salasch/Sălaj und Maramuresch/Maramure{ wurden vor allem wirtschaftliche, schulische und kulturelle Themen erörtert.





