Temeswar – Die NGO Kenosis, die sich für die soziale und berufliche Inklusion von Roma einsetzt, hat am Dienstag überraschend angekündigt, auf die Nutzung der ultrazentral gelegenen Räumlichkeiten des ehemaligen Blumenladens am Opernplatz in Temeswar/Timișoara zu verzichten. Die Entscheidung wurde von den Vertretern der Organisation über soziale Netzwerke bekannt gegeben und folgt auf eine heftige öffentliche und politische Kontroverse.
Kenosis hatte den Raum direkt von der Stadtverwaltung erhalten – ohne neue Ausschreibung und zu einer Miete von lediglich 428 Euro pro Monat. Die Vergabe war in der vergangenen Woche mit 13 Stimmen der USR-Stadträte sowie einer Stimme der PSD durch den Kommunalrat beschlossen worden. Zuvor hatte die Stadt bei einer Ausschreibung im Jahr 2024 nach eigenen Angaben ein Angebot über 15.000 Euro monatlich von einem privaten Unternehmen erhalten, der Vertrag war jedoch nicht zustande gekommen.
Nur einen Tag vor der Rückzugsankündigung hatte die PNL den Gemeinderatsbeschluss bei der Präfektur angefochten und die niedrige Miete sowie die Direktvergabe scharf kritisiert. Auch in der Öffentlichkeit gab es Vorwürfe, die Stadtverwaltung verweigere bewusst eine neue Ausschreibung und begünstige ein privates Geschäftsmodell unter dem Deckmantel eines sozialen Projekts.
In ihrer Stellungnahme begründete Kenosis den Rückzug mit „dem Druck durch diffamierende Medienberichte und durch bestimmte politische Akteure, die unsere gute Absicht falsch interpretiert haben“. Dies treffe, so die Organisation, vor allem die Roma-Kinder und -Familien, mit denen man seit neun Jahren arbeite. Man wolle nicht, dass politische Auseinandersetzungen die seit 2017 aufgebaute Mission des Vereins beschädigen.
Kenosis hatte angekündigt, in den zentralen Räumlichkeiten ein kreatives Zentrum mit Café, Ateliers und Verkaufsfläche zu eröffnen. Der Fokus sollte laut Verein nicht auf Gewinn, sondern auf sozialer Integration liegen: Roma aus der Gemeinschaft in Cerneteaz (Anm.: das Dorf gehört zur Gemeinde Jahrmarkt/ Giarmata) stellen im Rahmen des Projekts hochwertige Möbel, Schmuckstücke und Dekorationen her, die dort verkauft werden sollten. Zudem wollte man lokalen Künstlern aus Temeswar Raum zur Mitwirkung bieten.
Die enge Unterstützung des Projekts durch Bürgermeister Dominic Fritz und mehrere USR-Vertreter - teilweise mit angeblich langjährigen Beziehungen zur Organisation – hatte zusätzlich Misstrauen bei politischen Gegnern und Teilen der Öffentlichkeit ausgelöst.
Trotz des Rückzugs betont Kenosis, man gebe die Präsenz im städtischen Raum nicht auf. „Wir verzichten auf diesen zentralen Standort, um weitere Kontroversen zu vermeiden“, hieß es im Statement. In Zukunft wolle man in anderen Kultur- und Gemeinschaftsräumen in Temeswar aktiv werden und weiterhin an der Verbindung der lokalen Gemeinschaft arbeiten.




