Regenerierung alter Bergbau-Regionen

15 Kommunen des Banater Berglands planen integrierte Territorial-Investitionen / Klärungstreffen in Reschitza

Reschitzaer Hochofen Nr.2, einer der wenigen dieser Art, die heute noch stehen Foto: Werner Kremm

Reschitza – In diesen Tagen tagten auf Einladung des Reschitzaer Bürgermeisters Ioan Popa die Bürgermeister von 15 Kommunen des Banater Berglands. Es ging um den von ihren Verwaltungen gemeinsam ausgearbeiteten Masterplan, der in den kommenden Jahren rund 250 Millionen Euro ins Banater Bergland schaffen soll, zwecks Regenerierung der alten, historisch wertvollen (weil für die bisherige Entwicklung der Region repräsentativen) Bergbau- und Schwerindustrie-Ortschaften und einzelner Vorzeigeobjekte aus diesen.

Der Infrastrukturplan war mit ständiger Rückversicherung bei der Regional-Entwicklungsagentur ADR V West ausgearbeitet worden – versicherte Bürgermeister Ioan Popa die Medien – und demzufolge gehe man davon aus, dass er große Chancen habe, bei einem Vergleich der Vorhaben gut wegzukommen, also die Finanzierung zumindest in Höhe der eingeplanten, weil erhofften und vorausberechneten 250 Millionen Euro zugesichert zu bekommen. Was inzwischen geschehen ist. Die Regionalentwicklungstrategie wurde als Erste für finanzierungswürdig deklariert.

Die Strategie der integrierten Territorial-Investitionen konzentriert sich auf die Rekonversion oder Konservierung historisch wertvoller Zeugnisse des frühen und Hoch-Industriezeitalters, die für den Raum des Banater Berglands identitätsdefinierend sind. Es geht um den Bereich Bergbau – der heute nahezu zur Gänze lahmgelegt ist – und um die Schwerindustrie (von der heute nur noch Reschitza – stark eingeschränkt und bloß als Elektrostahlwerk, ohne Gießereien – funktioniert und wo in Ferdinandsberg gegenwärtig Bemühungen zu einem Wiederankurbeln unternommen werden; ADZ berichtete).

Reschitza selber will mit diesem Projekt den schon lange gehegten Traum der Umwandlung des Hochofens Nr.1 in ein öffentlich zugängliches Museum des Hüttenwesens verwirklichen, die beiden vor knapp einem Jahr übernommenen Villen, die alte Dienstvilla der Führungsriege und das Gästehaus des Maschinenbauwerks – die „Alte Villa“ und die „Rote Villa“ und deren historisches Umfeld, inklusive der riesige Schutzbunker für 1500 Personen im Berg – sanieren sowie die „Reihen“, Straßen mit typischer Bauweise als Arbeiterwohnungen am Kreuzberg und die „Drei Reihen“ infrastrukturmäßig modernisieren.

Popa: „Wir haben zum Treffen der Bürgermeister nach Reschitza eingeladen, weil wir als Projektbeste ausgewählt wurden, um unseren Masterplan umzusetzen. Deswegen hatten wir, die 15 interessierten Kommunen, uns im Vorfeld zu einem ADI, einem Verband für Interkommunitäre Entwicklung, zusammengeschlossen und sind gemeinsam vorgegangen. Es geht um andersartige integrierte Investitionen in Bergbau und Hüttenwesen. Nicht um direkt und in alter Art zu produzieren, sondern um daraus Vorzeigeobjekte betreffs der Regionalentwicklung zu machen, zu zeigen, wie wir das wurden, was wir heute sind.

Dazu nutzen wir eine von der EU geförderte Methode, rumänisch wie auch deutsch ITI – Integrierte Territorial-Investitionen. Mit dabei sind von den Bergbau- und Hüttenwesen-Städten Anina, Neumoldowa, Bokschan und Orawitza, sowie die Gemeinden aus den alten Bergbauorten Ciudanovi]a, Eisenstein/Ocna de Fier, Dognatschka, Franzdorf/Văliug, Topletz usw. Alle haben ihre Hausaufgaben zeitgerecht und gut gemacht und werden zu Nutznießern des Vorhabens, sobald sie es, jeder in seiner Ortschaft, umgesetzt haben.“ Aller-dings werden die EU-Mittel erst im kommenden Haushaltsplan der EU, also 2028-2035 fließen …

Da stellt sich dann die Frage der Finanzierungssicherheit, vorausgesetzt, die eine oder andere der Kommunen hat (oder verschafft sich durch Anleihen …) das Geld, um schon mal das Vorhaben anzupacken, in der Hoffnung, es sich später von der EU verrechnen zu lassen. Bürgermeister Popa zeigt sich abstrichfrei zuversichtlich: „Ein gut gemachter Masterplan – und wir gehen davon aus, dass unserer wirklich gut ist – wird mit Sicherheit für eine Finanzierung budgetiert. Das weiß ich schon aus vieljähriger Erfahrung. Ich sehe keinerlei Risiko betreffs finaler Finanzierung.“

Das Gros des Vorhabens wird von der EU-Finanzierung bestritten. Aber es gibt auch Unsicherheitsfaktoren: die inländischen Muss-Partner: Kulturministerium, Ministerium für Arbeit und Sozialschutz, die Nutznießer selber. Kulturministerium und Ministerium für Arbeit und Sozialschutz nannte Popa selber als Unsicherheitsfaktoren für das Vorhaben.

Mit diesem Strategieplan haben die 15 Kommunen des Banater Berglands das umfangreichste Vorhaben für urbane und industrielle Regenerierung in der gesamten Westregion vorgelegt. Ziel ist es, aus zunehmend dem Ruin zustrebenden Objekten touristische Ziele und wirtschaftliche Chancen der Region zu entwickeln. Dabei aber auch der Region ein klareres, nachprüfbares Profil zu verleihen.