Rettungsmöglichkeit für das letzte Schülerlager

ADR West schreibt Finanzierungen für Freizeit-Erziehungsinfrastruktur aus

Reschitza/Temeswar – Das letzte von einst sechs Schüler-Ferienlagern, die es im Banater Berland gab, Râul Alb, hat ab diesem Jahr eine Chance, saniert und auf Vordermann gebracht zu werden. Dies dank einer Opportunität, die die Regionalentwicklungsagentur ADR West mittels EU-Finanzierung eröffnet: Der Kreisrat Karasch-Severin, der das Ferienlager (wie auch mehrere der eingegangenen) gegenwärtig „verwaltet“, kann sich am Projektewettbewerb beteiligen, den ADR
West ausgeschrieben hat. Angeblich hat man beim Kreisrat „schon seit sehr langer Zeit“ auf diese Gelegenheit gewartet.

Die jüngste Ausschreibung von ADR West wendet sich ausschließlich an Betreiber/Verwalter von Schülerferienlagern – von denen es in Westrumänien 36 Jahre nach der Wende kaum noch betriebsfähige gibt. Das zur Verfügung stehende Budget ist substantiell; 12 Millionen Euro. Sämtlich nicht rückzahlpflichtige Gelder. Pro ausgewähltes Projekt können zwischen 300.000 und drei Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Zeit zum Ausarbeiten der Projekte steht ausreichend bis großzügig zur Verfügung: sie müssen zwischen dem 12. Januar und dem 31. August 2026 in Temeswar bei ADR West eingereicht werden. Neben den Kreisräten können auch die Kommunalräte, auf deren Gebiet Schülerferienlager existier(t)en, sich an der Ausschreibung beteiligen. Laut der das zur Verfügung gestellte Geld verwaltenden Institution wolle man mit dieser Initiative „etwas gegen den prekären Zustand der Freizeit-Erziehungsinfrastruktur in der Westregion“ unternehmen.

Gemäß Silviu Hurduzeu, dem Kreisratspräses von Karasch-Severin, der sich mit Regelmäßigkeit sofort zu Wort meldet, wenn es Geld zu verteilen/akquirieren gibt, sei die Projekt-Einreichungsperiode „lang“, doch „in Wirklichkeit eng getaktet“ selbst unter Umständen, „wo das Geld im vorhinein bereits auf jeden der vier Landeskreise – Arad, Hundedoara, Karasch-Severin und Temesch – aufgeteilt ist. Aber zuerst muss der Kreisrat sämtliche existierenden oder ehemaligen Schülerferienlager des Banater Berglands sichten und eventuell übernehmen“.

Was auf ein Gießkannenprinzip hindeutet – typisch für die Partei, die Hurduzeu vertritt, die PSD – nach dem man vorzugehen gedenkt. Allerdings sagt selbst Hurduzeu: „Wir wissen allerdings auch, dass im Banater Bergland außer Râul Alb kein weiteres Ferienlager mehr existiert.“

Das Ferienlager befindet sich in der Nähe des Sekuler Stausees, in einem Seitental des Bersautals, aus dem der Râul-Alb-Bach in den Stausee mündet, inmitten eines alten Laubwalds. Das Ferienlager wurde jahrzehntelang nicht nur von Schülern des Banater Berglands, sondern aus dem ganzen Land über den Sommer genutzt. Nach 1989 geriet es, wie viele andere Schülerlager Rumäniens auch, quasi in Vergessenheit und wurde immer seltener genutzt, von Instandhaltungsarbeiten in einer Gegend, wo vorwiegend Holzbauten starker Korrosion durch Wetter und Zeit ausgesetzt sind, gar nicht zu reden.

Nun erklärte Hurduzeu (dessen Frau in Karansebesch Lehrerin ist) das Ferienlager zum „Strategischen Hauptziel“: „Wir wollen als Kreisrat das Ferienlager Râul Alb übernehmen und uns auf dieses fokussieren. Es wäre schade, wenn das zur Verfügung stehende Geld – das ausschließlich vom Kreisrat akquiriert werden kann – nicht genutzt wird. Wir können damit dort schöne und nützliche Sachen machen.“

Von den vier Landeskreises Westrumäniens, wo es Ferienlager für Schüler gibt, soll bloß Arad seine Ferienlager halbwegs in Ordnung haben. Dort verwaltet alle der Kreisrat, heißt es seitens ADR West. Nun muss diese öffentliche Dienstleistung für Schüler eine „Neukonzeptualisierung“ durchmachen, wie sie ADR West fordert, implizite durch konkret ausgearbeitete Projekte. Es handle sich um eine „Investition in die Zukunft“. Durchgeführt werden müssen in Râul Alb Generalreparaturen der Unterbringungsräumlichkeiten, der Verwaltung, Küchen und Verköstigungsräume, der Freizeiträume für Schlechtwetterperioden, aber auch der sonstigen Freizeit-Infrastruktur – vor allem der Sportplätze. Auf alle Fälle ist der Aufruf von ADR West, sich mit Projekten der Aufgabe zu stellen, für die es bereits das Geld zur Realisierung gibt, wohl die letzte Chance, von den Ferienlagern Westrumäniens zu retten, was noch möglich ist.