Karansebesch – Das Prinzip: „Alles bleibt beim Alten!“ ist in Sachen Korruption aktiv. Und eigentlich zahlt niemand drauf, weder Schmiergeldnehmer, noch die Schmiergeldzahler, und auch das Schmiergeld bleibt, wo es gelandet ist. Denn alle Beteiligten haben zwar den Fall untersuchenden Staatsanwälten ihre Schuld gestanden, doch unter der Bedingung, dass die ihnen blühende Strafe von ihnen selbst gutgeheißen und akzeptiert wird. Was hierzulande völlig legal und gern von den (auch in flagranti) Erwischten angewandt wird. Den angeblich überlasteten Staatsanwälten erleichtert es die Arbeit, den Erwischten das Leben. Und einer der potenziellen neuen Leiter der diversen Staatsanwaltschaften und juristischen Untersuchungsorgane, die nun vom Justizminister dem Staatspräsidenten zur Ernennung vorgeschlagen wurden, erklärte sogar in den Bewerbungsgesprächen, dass er im Falle seiner Ernennung allen Staatsanwälten die Methode der Strafmilderung bei raschem Geständnis, gefolgt von einer Absprache, empfehlen werde – zur Entlastung der (hochbezahlten) Justiziare ...
So geschehen auch im mit viel Wirbel bekanntgewordenen Fall des ehemaligen Leiters des Munizipalkrankenhauses Karansebesch, des aus Indien stammenden Mikrochirurgen Bhupinder Singh. Dieser hatte von den Firmen zweier Unternehmer Teile des Krankenhauses auf Hochglanz bringen lassen. Und die Unternehmer hatten sich für die Großzügigkeit der Geste, dass ihren Firmen die Aufträge zugefallen sind, mit Zahlungen direkt in die Taschen des für sein handwerkliches Können hochgelobten Chirurgen erkenntlich gezeigt. Die Sache ist aufgeflogen (es handelte sich vielleicht um die „Zehn-Prozent-Regel“, das heißt, zehn Prozent der Kosten eines staatlichen oder anderweitig finanzierten Auftrags landen in den Taschen derjenigen, die den Ausführungsauftrag erteilen... – in diesem Fall wurden allerdings in den Kommuniqués der Staatsanwaltschaft keine Zahlen genannt ...).
Das Karansebescher Korruptionstrio landet nicht einmal bis vor den Khadi. Die zwei Schmiergeldgeber (die Unternehmer Ionel Dragomir – einer, der auch schon Jahre als Kreisrat verbracht hat – und Petru Oprean) und der Schmiergeldnehmer (Dr. Bhupinder Singh) haben sogenannte „Schuldeingeständnis-Verträge“ mit den sie filzenden Staatsanwälten abgeschlossen – übersetzt ins rumänische Justiziarisch: „sie haben den Weg der Ehrlichkeit gewählt“ und ihre Taten gestanden – und zwar bereits zum Beginn ihrer Strafverfolgung. Alle drei kommen nun mit milden Strafen, keineswegs mit Gefängnisstrafen, davon.
Dr. Bhupinder Singh, eingeheiratet in Karansebesch in eine der Politikerfamilien, die seit Jahren das Banater Bergland herunterwirtschaften, war einverstanden, eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und acht Monaten auf Bewährung verpasst zu bekommen. Er darf in dieser Zeit auch keinen weiteren Managerposten antreten. Ionel Dragomir, der sich den Staranwalt Cosmin Boloșin leistete, war einverstanden, zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt zu werden, ohne eine weitere Präventivmaßnahme. Dieselbe Strafe, ebenfalls auf Bewährung, akzeptierte Petru Oprean, im Gegenzug zu seinem Schuldeingeständnis.




