Temeswar – Staatspräsident Nicușor Dan hat am Dienstag bei einem Besuch in Temeswar mehrere innen- und außenpolitische Themen angesprochen und zugleich Projekte aus Medizin und Bildung besichtigt. Im Mittelpunkt stand das nahezu fertiggestellte Zentrum für Schwerbrandverletzte am Temescher Kreiskrankenhaus. Das neue Gebäude ist nach Angaben der Verantwortlichen zu rund 95 Prozent fertiggestellt. In Betrieb gehen soll die Einrichtung jedoch erst nach Abschluss der technischen Ausstattung und der erforderlichen Tests. Das Zentrum wird unter anderem eine Notaufnahme, eine Intensivstation, Operationssäle sowie Behandlungsplätze für Schwerbrandverletzte umfassen. Die Investition beläuft sich auf rund 66 Millionen Euro und wird über Mittel der Weltbank finanziert. Dan bezeichnete das Projekt als wichtigen Fortschritt für das rumänische Gesundheitswesen und verwies darauf, dass auch in Neumarkt/Târgu Mureș und Bukarest ähnliche Zentren entstehen. Zugleich mahnte er zu einer ausgewogenen Sicht auf die Entwicklung des Landes. Neben bestehenden Problemen gebe es auch Fortschritte, die sichtbar gemacht werden müssten.
Im Anschluss äußerte sich der Präsident zu den Spannungen innerhalb der Regierungskoalition. Spekulationen über einen möglichen Bruch oder personelle Veränderungen wies er zurück. Angesichts der parlamentarischen Konstellation seien die prowestlichen Parteien zur Zusammenarbeit verpflichtet. Er werde weiter zwischen den politischen Akteuren vermitteln, damit wichtige Vorhaben wie der OECD-Beitritt und die Umsetzung des Nationalen Wiederaufbauplans (PNRR) vorankämen.
Forderungen nach einem Rücktritt von Ministerpräsident Ilie Bolojan wies Dan zurück und betonte, ihm fehle dafür jede verfassungsrechtliche Grundlage. Auch wirtschaftspolitische Themen sprach der Staatschef an. Eine akute Versorgungskrise bei Treibstoffen gebe es derzeit nicht, sagte er. Rumänien sei dank eigener Produktion und vorhandener Raffineriekapazitäten besser aufgestellt als manch anderer europäischer Staat. Internationale Entwicklungen, insbesondere im Zusammenhang mit der Lage in der Straße von Hormus, könnten in den kommenden Monaten jedoch zu steigendem Preisdruck führen. Die Behörden prüften vorsorglich verschiedene Szenarien, um auf mögliche Marktstörungen reagieren zu können. Zur internationalen Lage erklärte Dan, Rumänien beteilige sich an Gesprächen über eine mögliche internationale Mission im Zusammenhang mit der Straße von Hormus. Dabei gehe es jedoch ausschließlich um technische Planungen für den Fall eines vorläufigen oder dauerhaften Waffenstillstands, nicht um eine direkte Beteiligung an dem bestehenden Konflikt.
Dan bestätigte zudem den Eingang eines diplomatischen Schreibens aus den USA als Antwort auf die Einladung zum B9-Gipfel. Das Schreiben würdige vor allem die bilaterale Zusammenarbeit. Ob ein hochrangiger amerikanischer Vertreter an dem Treffen teilnehmen wird, blieb offen. Am Rande des Besuchs erklärte der Präsident außerdem, dass er im Zusammenhang mit im Wahlkampf veröffentlichten Fotos Anzeige bei der Direktion für die Bekämpfung des Bandenverbrechens und des Terrorismus (DIICOT) erstattet habe. Die Ermittlungen dauerten an.
Neben dem medizinischen Projekt besuchte der Staatschef auch die West-Universität Temeswar, wo sich das rumänische Nationalteam für Robotik auf die Weltmeisterschaft „FIRST Tech Challenge“ in den USA vorbereitet. Dan würdigte die Leistungen der Schüler und Mentoren und wünschte dem Team Erfolg für den Wettbewerb. Der Besuch des Staatschefs in Temeswar fand anlässlich des Welttags der Gesundheit statt. Der Präsident wurde von Gesundheitsminister Alexandru Rogobete, dem Minister für Investitionen und EU-Projekte Dragos Pîslaru sowie von Vertretern der kommunalen Verwaltung begleitet.





