Stille in der Heimatstube

Mit Adam Csonti verliert Billed einen engagierten Bewahrer der Ortsgeschichte

Der langjährige Billeder Forumsvorsitzende Adam Csonti in der Heimatstube Foto: Zoltán Pázmány

Billed – Adam Csonti, langjähriger Forumsvorsitzender in Billed, ist am vergangenen Donnerstag im Alter von 68 Jahren unerwartet verstorben. Er hinter lässt eine große Lücke im kulturellen und sozialen Leben von Billed. In der Temescher Gemeinde kannte ihn nahezu jeder: als engagierten Vorsitzenden des Ortsforums, als Mitarbeiter der Sozialstation, als Kommunalrat und als leidenschaftlichen Vermittler der Geschichte der Banater Deutschen. Gemeinsam mit seiner Frau Roswitha setzte er über viele Jahre hinweg sämtliche Projekte des Ortsforums mit großem Einsatz und organisatorischem Geschick um und behielt dabei stets den Überblick. Er galt als echter Familienmensch, dem das Wohl seiner Angehörigen besonders am Herzen lag. Seine Tochter Melitta sowie sein Bruder Erwin mit Familie standen ihm zeitlebens nahe. Geboren mit einem ausgeprägten Sinn für Gemeinschaft und Tradition, gründete Adam Csonti im Jahr 1990 das Deutsche Ortsforum in Billed. Unter seiner Leitung entwickelte es sich zu einem der aktivsten und vorbildlichsten Foren im Banat. Besonders am Herzen lag ihm die Bewahrung der Geschichte. So begleite te er seit 2015 unzählige Besucher – darunter ausgewanderte Deutsche, Schülergruppen und internationale Gäste – durch die Heimatstube, die einen lebendigen Einblick in die Vergangenheit der Banater Schwaben bietet. Ein Meilenstein seines Wirkens war die Mitgestaltung der 250-Jahr-Feier Billeds, die als eines der größten Feste der Ortsgeschichte gilt. Mit viel Hingabe koordinierte er gemeinsam mit Partnern aus dem In- und Ausland die aufwendigen Vorbereitungen, die von der Erstellung historischer Dokumentationen bis hin zur liebevollen Einrichtung der Heimatstube reichten. Über viele Jahrzehnte hinweg widmete sich Adam Csonti mit großem Engagement der Pflege der katholischen Friedhöfe der Pfarrgemeinde Billed. Ebenso setzte er sich tatkräftig für die Instandhaltung des Kalvarienbergs am Ortseingang, einem Wahrzeichen des Billeder Glaubenslebens, ein, sowie für die wiederholte Renovierung der St.-Michaels-Kirche. Diese Aufgaben erfüllte er über Jahre hinweg in enger und erfolgreicher Zusammenarbeit mit der Pfarrei, dem Ortsforum, der HOG Billed sowie dem Bürgermeisteramt, stets mit großer Hingabe. Neben seinem kulturellen Engagement war Adam Csonti auch sozial stark ein gebunden. Als gelernter Schneider führte er nicht nur seine Werkstatt, sondern arbeitete auch für die Sozialstation der „Adam Müller Guttenbrunn“-Stiftung. Dort organisierte er die Versorgung von dutzenden Menschen mit Essen auf Rädern – oft persönlich ausgeliefert, bei gutem Wetter mit dem Fahrrad, sonst mit dem Auto. Auch der Sport lag ihm am Herzen. Der 1,90 Meter große Csonti war in seiner Jugend ein leidenschaftlicher Handballspieler und setzte sich dafür ein, dass die Handball-Tradition in Billed weiterlebt. Mit dem Tod von Adam Csonti, langjähriges Mitglied im Vorstand des Banater Forums und des BVIK Banatia-Leitungsrats, verliert Billed nicht nur einen seiner Ehrenbürger, sondern auch die Stimme, die seine Geschichte lebendig machte. Die Heimatstube wird weiterhin ihre Türen öffnen, ihre Bilder und Exponate werden bleiben doch die Rundgänge durch das kleine, aber feine Museum werden nie mehr dieselben sein. Es fehlt jener, der mit Wissen, Herz und persönlicher Erinnerung die Vergangenheit zum Leben erweckt hat. Ohne Adam Csonti ist es stiller geworden zwischen den Tafeln und Bildern. Und doch wird sein Geist in ihnen weiterwirken.