Hunedoara (ADZ) – Der rumänische Bauunternehmer Dorinel Umbrărescu hat offiziell das stillgelegte Stahlwerk ArcelorMittal in der etwa 55.000 Einwohner zählenden Stadt Hunedoara (dt. Eisenmarkt, ung. Vajdahunyád) übernommen. Die Hauptversammlung des Unternehmens stimmte dem Verkauf zu; Käufer ist die Umbr²rescu-nahe Firma UMB Steel, der Kaufpreis beträgt 12,5 Millionen Euro. Die Anlage war im Herbst 2025 nach der Entscheidung des Stahlkonzerns ArcelorMittal endgültig stillgelegt worden. Mit der Transaktion gehen sämtliche Vermögenswerte des früheren Hüttenwerks an den neuen Eigentümer über, darunter Grundstücke, Gebäude, Anlagen, Maschinen, Transportmittel sowie die aktuellen Lagerbestände. Das Industrieareal umfasst rund eine Million Quadratmeter; hinzu kommen weitere etwa 494.000 Quadratmeter. UMB Steel übernimmt zudem die bestehenden umweltrechtlichen Verpflichtungen.
ArcelorMittal hatte im Oktober 2025 erklärt, die Produktion in Hunedoara dauerhaft einzustellen. Der Standort fertigte vor allem Winkelprofile und andere standardisierte Langprodukte für Kunden in Energie, Bau und Infrastruktur. Der Konzern prüfte nach eigenen Angaben ein Modell zur Wiederaufnahme des Walzbetriebs auf Basis von vorgewalztem Rohstahl aus dem ukrainischen ArcelorMittal-Werk Kryvyi Rih, verwarf es aber als nicht nachhaltig profitabel. Als Hauptbelastungen wurden sehr hohe Strompreise und der Wettbewerbsdruck durch preisgünstige Stahlerzeugnisse aus Drittländern genannt. Das Stahlwerk von Hunedoara wurde 2003 privatisiert und durchlief seit Mitte der 1990er Jahre mehrere Restrukturierungsphasen. In diesem Zeitraum sank die Zahl der Beschäftigten von knapp 20.000 (1991) auf rund 2500 (2004), als die Werke vom damaligen Mittal-Steel-Konzern übernommen wurden.
Die Übernahme in Hunedoara ist bereits die zweite größere Investition der Familie Umbrărescu im rumänischen Stahlsektor. Im Dezember 2024 erwarb sie über Eco Wind Power die Vermögenswerte des insolventen Stahlwerks von Ferdinandsberg/Oțelu Roșu im Kreis Karasch-Severin für rund 140 Millionen Lei. Für den Standort ist eine Wiederinbetriebnahme vorgesehen; ein modernes Walzwerk für Langprodukte soll dort installiert werden.
Parallel dazu veräußerte ArcelorMittal in Rumänien zuletzt weitere Produktionskapazitäten: Metinvest, kontrolliert vom ukrainischen Unternehmer Rinat Achmetow, schloss im Dezember 2025 den Erwerb von ArcelorMittal Tubular Products Jassy ab. Das Werk produziert geschweißte Strukturrohre mit einer maximalen Jahreskapazität von 240.000 Tonnen; Metinvest erklärte, die bestehenden Arbeitsverträge am Standort einzuhalten.
Die industrielle Eisenverhüttung in der Region um Hunedoara reicht bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück: In Govăjdia, einem nahe gelegenen Dorf, wurde zwischen 1806 und 1813 ein erster Hochofen errichtet; die Produktion begann 1813. Das eigentliche Hüttenwerk Hunedoara entstand als moderner Industriekomplex ab 1882; der erste Hochofen nahm 1884 den Betrieb auf, ein zweiter folgte 1885, später wurde der Standort schrittweise ausgebaut und entwickelte sich insbeson-dere in der sozialistischen Phase zu einem der großen industriellen Arbeitgeber der Region. Er trug über Jahrzehnte wesentlich zur regionalen Industrie- und Beschäftigungsstruktur bei. Nach der politischen Wende 1989 führten fehlende Modernisierungen, Marktveränderungen und schritt-weise Stilllegungen zu einem drastischen Rückgang von Produktion und Beschäftigung, bevor der Standort schließlich in den frühen 2000er Jahren privatisiert wurde.
ArcelorMittal ist ein in Luxemburg ansässiger, weltweit tätiger Stahl- und Bergbaukonzern und gehört zu den größten integrierten Stahlherstellern der Welt. Laut Unternehmensangaben produzierte ArcelorMittal 2024 rund 57,9 Millionen Tonnen Rohstahl und beliefert mit Flach- und Langprodukten zentrale Branchen wie Automobilbau, Bauwirtschaft und Maschinenbau.
Die UMB-Gruppe ist eine rumänische Unternehmensgruppe, die vor allem im Straßen- und Infrastrukturbau, im Transportwesen und im Energiebereich aktiv ist. Gegründet wurde es von Unternehmer Dorinel Um-br²rescu; zu den bedeutenden Tochtergesellschaften zählen Spedition UMB, Tehnostrade und SA&PE Construct. Im Jahr 2023 erreichte der Konzern eine kombinierte Jahresumsatzgröße im Milliarden-Euro-Bereich und zählt zu den größten Bau- und Verkehrsprojektausführern Rumäniens.




