Temeswar (ADZ) – Nach dem Rückzug der NGO Kenosis aus den ultrazentral gelegenen Räumlichkeiten des ehemaligen Blumenladens am Opernplatz spitzt sich die politische Auseinandersetzung um die umstrittene Vergabe weiter zu. Während Kenosis erklärte, sich wegen des politischen und medialen Drucks zurückzuziehen, überziehen sich die Parteien in Temeswar gegenseitig mit Vorwürfen von Heuchelei, Intransparenz und geheimen Absprachen. Der Stadtrat hatte dem Verein Ende vergangener Woche die rund 128 Quadratmeter große Immobilie ohne neue Ausschreibung zu einer Monatsmiete von 428 Euro zugesprochen (die ADZ berichtete). Der Beschluss kam mit 13 Stimmen der USR sowie einer Stimme des PSD-Rats Sorin Ionescu zustande, die als entscheidend galt. Die PNL hatte den Beschluss daraufhin bei der Präfektur angefochten und kritisiert, dass ein vergleichbares Objekt zuvor mit einem Angebot von rund 15.000 Euro monatlich ausgeschrieben gewesen sei.
Der Vorsitzende des Temeswarer PNL-Stadtvereins, der Unternehmer Ionuț Gaiță, sprach von einem „administrativen Stil, der auf politischen Arrangements statt auf Regeln“ beruhe. Das Projekt hätte ohne eine stillschweigende Verständigung zwischen der von Bürgermeister Dominic Fritz geführten USR-Verwaltung und der PSD nicht verabschiedet werden können, sagte Gaiță. Sensible Projekte würden ohne echte Konkurrenz und ohne transparente Verfahren durchgedrückt.
Scharfe Kritik kam auch vom Vorsitzenden des Temescher Kreisrats, dem PSD-Politiker Alfred Simonis. Er bezeichnete die Situation als „lächerlich, heuchlerisch und zynisch“ und verwies darauf, dass politische Parteien selbst über äußerst günstig erworbene Immobilien im Stadtzentrum verfügten, die heute gewinnbringend vermietet würden. Zugleich betonte Simonis, der PSD-Stadtrat habe seine Stimme frei und ohne politischen Druck abgegeben.
Die USR Temeswar wies die Vorwürfe zurück und drehte den Spieß um. In einer Stellungnahme warf sie der PNL vor, seit Wochen eine Kampagne gegen Kenosis zu führen, obwohl die Partei selbst zwei wertvolle Immobilien im historischen Zentrum besitze, die in den frühen 2000er Jahren zu symbolischen Preisen vom Staat erworben worden seien. In einem dieser Gebäude wird ein Restaurant betrieben, dessen Mieteinnahmen dem PNL-Kreisverband zugutekämen, erklärte die USR. Vor diesem Hintergrund sei die moralische Empörung über ein soziales Projekt unglaubwürdig.
Kenosis hatte am Dienstag erklärt, auf die Nutzung des Raums zu verzichten, um zu verhindern, dass politische Auseinandersetzungen die Arbeit mit Roma-Familien beschädigen. Der Verein wollte in dem Gebäude ein soziales Kultur- und Kreativzentrum mit Café, Ateliers und Verkaufsfläche einrichten.




