Temeswar (ADZ) – Der Temescher Kreisrat will vier seit Jahren vernachlässigte Einrichtungen in Temeswar vorübergehend übernehmen, sanieren und anschließend der Stadt wieder übergeben. Kreisratsvorsitzender Alfred Simonis (PSD) kündigte am Dienstag in der Sitzung des Kreisrats an, noch in dieser Woche einen Beschlussantrag einzubringen. Die Botschaft ist klar: Der Kreis bietet an, Projekte zu erledigen, die nach Simonis’ Darstellung die Stadtverwaltung seit Langem nicht voranbringt. Betroffen sind die Freizeitanlage „Uszoda“ am Bega-Ufer, der Thermalstrand, das Sommerkino „Capitol“ mit dem dazugehörigen Garten sowie die Blumen-Uhr im Stadtzentrum. Simonis sprach von Objekten, die „in absoluter Verwahrlosung“ stünden. Der Kreisrat wolle sie nicht dauerhaft behalten, sondern instandsetzen und „schlüsselfertig“ an die Stadt zurückgeben.
Der Vorstoß ist zugleich eine juristisch und politisch begründete Forderung: Um investieren zu können, müsse der Kreisrat die Immobilien vorübergehend ins Eigentum übernehmen, nicht nur verwalten, sagte Simonis. Eine Sanierung ohne Eigentumsübertragung sei rechtlich nicht möglich; Voraussetzung sei daher die Zustimmung des Temeswarer Stadtrates zu einem befristeten Transfer. Simonis zeigte sich skeptisch, dass die Stadt darauf eingehen werde, und erklärte, man werde sehen, ob die Stadt die Übergabe tatsächlich zulasse.
Damit verschärft sich der Konflikt zwischen Kreisrat und Stadtverwaltung, der in den vergangenen Wochen öffentlich ausgetragen wurde. Aus dem Rathaus war dem Kreisrat vorgeworfen worden, Investitionen anzukündigen, ohne die Finanzierung abzusichern. Simonis wies das zurück und verwies seinerseits darauf, dass der Kreisrat die Stadt bei deren Stadionprojekt „Eroii Timișoarei“ mit 20 Millionen Lei unterstütze. Zugleich warf er der Stadt mangelnde Prioritätensetzung vor und kündigte an, mit dem Antrag zeigen zu wollen, dass der Kreis nicht nur Vorhaben ankündige, sondern auch umsetzen könne. Bürgermeister Dominic Fritz (USR) reagierte zunächst zurückhaltend. In einer Sitzung des Stadtrats erklärte er, er wolle keine rhetorische Auseinandersetzung in den Gremien führen. Sollte ein offizieller Antrag des Kreisrats eingehen, werde er darauf antworten; derzeit liege ihm noch kein entsprechendes Schreiben vor.
Die vier Objekte gelten seit Jahren als Sanierungsfälle: Für die „Uszoda“-Anlage waren Konzepte angekündigt worden, umgesetzt wurde nach Angaben aus dem Umfeld des Projekts bislang nur ein kleiner Teil. Das Sommerkino „Capitol“ ist weitgehend geschlossen, umfassende Modernisierungen liegen auf Eis. Der Thermalstrand wartet seit Längerem auf eine grundlegende Erneuerung. Die Blumen-Uhr im Zentrum ist stark beschädigt und derzeit nicht funktionsfähig. Ob die Stadt dem Kreisrat eine befristete Eigentumsübertragung gestattet, dürfte nun zum nächsten Test in der ohnehin angespannten Zusammenarbeit zwischen Rathaus und Kreisverwaltung werden.




