Orawitza – Nach dem Ersten Weltkrieg und der Gründung des Königreichs von Großrumänien aufgrund der Friedensschlüsse der Pariser Vororte (in diesem Fall: Trianon), entschied sich der neue Staat Rumänien, der sein Territorium als faktisches Siegerland nach dem Ersten Weltkrieg verdoppeln konnte, für die Kriegsversehrten ein Sanatorium und Rehazentrum zu bauen, dass vor allem den Lungenleidenden zugute kommen sollte. So entstand, an Stelle eines Lungensanatoriums aus k.u.k.-Zeiten (in Betrieb seit 1871) zu Beginn der 1920er Jahre das heutige Sanatorium Marila, das durch Unterfinanzierung seit der Wende derart heruntergewirtschaftet und altersschwach ist, dass nur noch ein Teil gerettet werden kann – sollte man sich letztendlich doch noch entschließen, es zu sanieren.
Gut in Erinnerung dürfte immerhin sein, wie in der 2024 abgelaufenen Legislaturperiode, ab 2023, der damalige Kreisratsvorsitzende Romeo Dunca (damals PNL) drei oder gar vier Anläufe gebraucht hat, um die Ratsherrn des Stadtrats Orawitza zu überzeugen, die Immobilie der Nationalen Kompanie für Investment CNI zu übergeben, damit Gelder für eine Generalüberholung/Sanierung beschafft werden können. Das Lungensanatorium Marila, 12 km vom Bahnhof Orawitza entfernt in einem Nadelwald auf dem Rol-Berg gelegen, ist eine Abteilung des städtischen Krankenhauses von Orawitza und liegt an der Bergstraße/Kreisstraße DJ 571. Es umfasst, neben dem eigentlichen Sanatorium mit ursprünglich 600 Betten, auch einen Block mit Ärztewohnungen und eine Nebenwirtschaft, seinerzeit geschaffen, um den Heilung Suchenden vor Ort frische Lebensmittel zu sichern.
Zur Stunde ist das Unterfangen neuerlich an einem Scheideweg. Für die Generalüberholung, Sanierung und Modernisierung stehen 20 Millionen Euro bereit. Die Gelder kommen vom Nationalprogramm für die Konsolidierung akut erdbebengefährdeter Bauten (PNCCRSR). Das Vorhaben sieht u.a. vor, den Gebäudeteil, der vor drei Jahren einfach zu zerbröseln begann, als unrettbar abzutragen. Die restliche Infrastruktur soll aufgrund der Expertisen, die ihr Rettungschancen prognostizieren, grunderneuert und neu ausgestattet werden, um weiter-hin als Außenabteilung des städtischen Krankenhauses Orawitza, Spezialabteilung für TBC-Behandlung und Lungen-Rehabilitation, zu funktionieren.
Im Stadtrat Orawitza gibt es allerdings vier Ratsherren, die gegen eine Sanierung dieser Art sind. Das Sanatorium sei nicht zu retten, behaupten sie, das vorhandene Geld sei Rausgeschmissenes. Ein paar weitere meinen, eine so große Investition sei noch lange keine Garantie für die Zukunft der medizinischen Institution. Fakt ist: als vor mehreren Jahren Ex-Kreisratschef Dunca für Marila argumentierte, bezog er sich auf einen Komplettabriss und einen Neubau.
Seitens der Stadtleitung heißt es, bezogen auf den Stadtrat: „Wir sind keine Experten, aber wir sind diejenigen, die befugt sind, Entscheidungen zu treffen, Beschlüsse zu fassen. Wir sollten uns nach der Meinung der Experten richten.“ Die Befürworter des Vorhabens setzen ihre Hoffnung darauf, dass nach einer Sanierung der Immobilie und ihrer Neuausstattung auch die Patienten wieder kommen werden – denn die Naturbedingungen am Standort des Lungensanatoriums sind für Heilung im Bereich der Lungenheilkunde wie geschaffen. Und die zur Verfügung stehenden Gelder seien ausreichend für eine grundlegende Renovierung der Krankenhausimmobilie. Die Gegner des Projekts bleiben bei ihrer Meinung: „Neue Krankenhäuser werden nach anderen Kriterien gebaut.“ Lies: Marila ist überholt.




