Vorgezogener Wahlkampf und Stellungskrieg

Ein Karansebescher Ex-PNL-Abgeordneter und Ex-Bürgermeisterkandidat im Angriffsmodus

Karansebesch/Reschitza – Der Karansebescher Kleinunternehmer Dumitru Rujan war neben den beiden im Untertitel erwähnten Funktionen zu Hoch-Zeiten der PNL im Banater Bergland auch für einige Zeit Vizepräsident des Kreisrats Karasch-Severin. In keiner seiner durch Parteizugehörigkeit und –treue eingenommenen Positionen ist er besonders aufgefallen, außer, dass er sich immer wieder Scharmützel lieferte mit dem Karansebescher Bürgermeister Felix Borcean (der, in dieser Reihenfolge, mal PNL-, mal parteilos, heute PSD-Mitglied ist). Thema war immer wieder der Standort des Familiengeschäfts der Rujan in der Fußgängerzone von Karansebesch, das Bürgermeister Borcean dort illegal stehen sieht, der PNL-Dauer-Funktionär Rujan weigert sich aber, sein Familiengeschäft umzusiedeln. Die sich jetzt intensivierenden Scharmützel können aber im allgemeinen Kontext der Lage der PNL im Banater Bergland gesehen werden.

Gegenwärtig kristallisiert sich für die PNL im Banater Bergland eine Umschichtungstendenz heraus, an der der Reschitzaer Bürgermeister Ioan Popa (auch medial) intensiv arbeitet. Nach den katastrophalen Wahlergebnissen, die die PNL im Banater Bergland 2024 eingefahren hat – sie hat 70 Prozent ihrer kommunalen Führungsposten, aber auch Abgeordneten- (bis auf einen) und (alle) Senatssitze verloren – gibt es auf der Führungsebene der Kreisorganisation der PNL Karasch-Severin eine von Popa angeführte Bewegung, die den Rücktritt des langjährigen (und durch zahlreiche Missgriffe in der „Auswahl“ von exponierten PNL-Mitgliedern aufgefallenen) PNL-Kreischefs Ion Marcel Vela fordern (der bereits alle seine jüngeren Familienmitglieder in warme Stellungen befördert hat ...).

Zu dieser Tendenz schweigt Vela bisher, während ihn Popa hochlobt, immer mit der unterschwelligen Bemerkung, jetzt wäre es aber genug ... Nur: Popa, der offen seine Ambition auf Erneuerung der Kreis-PNL durch Übernahme ihrer Führung kundtut, hat einen Rivalen: den eingangs erwähnten Karansebescher Dumitru Rujan. Diesem – dem man geringe Chancen zurechnet, gegen Popa bei einer PNL-internen Abstimmung zu bestehen – hat Ioan Popa jüngst eine Alternative suggeriert: Er soll sich auf den künftigen kommunalen Wahlkampf gegen Borcean vorbereiten, denn nach seiner knappen Niederlage 2024 gegen denselben Borcean und bei einer besseren Mobilisierung der zahlreichen PNL-Wähler in Karansebesch, müsse ihm doch 2028 der Durchbruch gelingen.

Rujan scheint das verinnerlicht zu haben – siehe seine jüngsten vehementen öffentlichen Angriffe auf Borcean und die Kritiken betreffs dessen Stadtführung – und damit Popa den Weg freizulassen für die Übernahme der Führung der PNL-Kreisorganisation Karasch-Severin. Vela, der langjährige Inhaber der Schlüsselfunktion, dem Popa jedesmal durch die Blume mitteilt, dass es nun endlich genug sei, hat sich bisher weder zu seiner Ausladungsperspektive, noch zu den Absichten Rujans betreffs Bürgermeistersessel in Karansebesch geäußert – ein Posten, von dem aus der ursprünglich als Versicherungsagent angetretene Vela seine politische Karriere startete und den er für lebenswichtig für die PNL zu halten scheint.

Inzwischen schießt Rujan aus vollen Rohren gegen Amtsinhaber Borcean: fehlende Verantwortungsübernahme, diskutable Entscheidungen, tatenloses Mitansehen der zunehmenden Vergammelung von Karansebesch, angefangen mit den zunehmenden Schäden an den Straßen, mit zähflüssigen Infrastrukturarbeiten. Angriffsziel sind natürlich die gestiegenen lokalen Steuern und Gebühren (bei denen sich Karansebesch in nichts von Restrumänien unterscheidet ...), allgemein fehlende Transparenz, Abbruch der Direktkontakte mit der Bürgerschaft, administrative Passivität. Nicht zuletzt werde Borcean „in die Geschichte von Karansebesch eingehen als jener Bürgermeister, der Abteilungen des munizipalen Notfallkrankenhauses aufgelöst hat, der kommunal unverzichtbare Institutionen eingehen hat lassen“. Rujan nennt die städtische Unternehmen „SC Servicii și Cazare“ und das Kommunalwirtschafts- und Nahverkehrsunternehmen „SC Transal Urbis“. Nicht zuletzt wirft Rujan Borcean „Demagogie“ vor und „zehn Jahre unverwirklichte Versprechungen“.

Interessant: Ioan Popa nannte unter seinen Zielen als künftiger PNL-Kreischef, die „Rückholung guter Bürgermeister“ in die Reihen der PNL. Und er nannte ausdrücklich Felix Borcean aus Karansebesch sowie Adrian Torma aus Neumoldowa, die beide – eigentlich gegen ihren Willen – die PNL verlassen haben, und zwar auf Betreiben des PNL-Kreischefs Ion M. Vela.