Wider das Vergessen und zum Dank

81 Jahren seit dem Beginn der Russlanddeportation

Zur Freude des evangelischen Pfarrers war am Sonntag das Gotteshaus zur Gedenk- und Feierstunde gut besucht. Foto: Astrid Weisz

Reschitza - Der diesjährige Gedenkgottesdienst der evangelischen Gemeinde Reschitza zu 81 Jahren seit dem Beginn der Russlanddeportation im Januar 1945 sowie 76 Jahren seit der Heimkehr der letzten Deportierten im Jahr 1950 ereignete sich am 15. Februar im Beisein von rund 50 Gemeindegliedern und Gästen. Besonders in den Gebeten und Betrachtungen von Pfarrer Walther Sinn gedachte man der Opfer von Verschleppung und Entbehrungen, an dieses schwere und leidvolle Kapitel der Nachkriegsgeschichte, das viele Banater Familien und Rumäniendeutsche bis heute prägt. 

Einen Beitrag zur Gedenkveranstaltung leistete auch das Demokratische Forum der Banater Berglanddeutschen (DFBB): Der Vorsitzende Erwin Josef Țigla präsentierte eine Ausstellung zur Russlanddeportation mit eindrucksvollen Malereien von Anton Ferenschütz, die historische Hintergründe sowie persönliche Schicksale dokumentiert. Für die musikalische Gestaltung sorgten der Franz-Stürmer-Chor unter der Leitung von Elena Cozâltea und die Resicza Musikgruppe angeleitet von Iuliu Fazakas, die dem Gottesdienst einen feierlichen Rahmen verleihen und die beide zu den Berglanddeutschen Kulturgruppen zählen. Einen bleibenden Eindruck hinterlies dabei das kurze Rezital mit Russlanddeportiertenliedern des Franz-Stürmer-Chors. Zugegen waren auch evangelische Gläubige aus Orawitza/Oravița, Karansebesch/Caransebeș und Temeswar/Timișoara, sowie der stellvertretende DFBB-Vorsitzende Dr. Ing. Christian Chioncel.

Am Ende des Gottesdienstes gratulierten der DFBB-Vorsitzende Erwin Josef Țigla und als Vertreterin der evangelischen Kirchengemeinde Doina Gross Pfarrer Walther Sinn zu seinem 40-jährigen Priesterjubiläum und dankten ihm für die vielen Jahre, die er im Dienste der evangelischen Kirchen und Gemeinden im Banat gewesen ist. Pfr. Sinn versieht seit mehreren Jahren, obwohl er seit zwei Jahren in Ruhestand ist, alle lutherischen Gemeinden von Semlak bis Reschitza, außer Temeswar und legt dafür wöchentlich mehrer hunderte Kilometer mit dem Wagen zurück. Eingesetzt wurde Walther Sinn als Pfarrer in Semlak am 15. Dezember 1985 und entschied sich trotz der massiven Auswanderung von Gemeindegliedern und Familie zum Bleiben und tatkräftigen Wirken für die Verbliebenen und das kulturelle und bauliche Erbe der evangelischen Kirchengemeinden im Banat. Die evangelische Kirchengemeinde Reschitza lud am Ende des Gottesdienstes zu einem kleinen Empfang mit Kaffee, Tee, hausgemachten Kuchen und Brezeln und geselligem Austausch ein.