Im Rahmen der Deutschen Kulturtage in Klausenburg trat im November das Barockensemble „Transsylvania“ auf. Das Programm umfasste Werke von G. Ph. Telemann, A. Vivaldi, C. Ph. Em. Bach und F. Francoeur. Das Konzert hatte großen Erfolg, zumal es sich um ein Jubiläum des Ensembles handelte: es wurde vor 30 Jahren gegründet. Nach dem Konzert beantwortete der Cembalist Dr. Erich Türk Wilfried Schreiber einige Fragen.
Welchen Wert hatte dieses Konzert für die Musiker?
Wir sind dankbar, dass unser Jubiläumskonzert anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Barockensembles „Transylvania“ im Rahmen der Deutschen Kulturtage stattfinden konnte. Als „Tatort“ haben wir diesmal nicht eine Kirche, sondern einen Kammermusiksaal im neuen Gebäudekomplex der „Gheorghe Dima“-Musikakademie gewählt. Es war somit eine gute Gelegenheit, den neuen Saal, nun „Cornel Țăranu“-Amphiteater genannt, auszuprobieren, der, wie wir fanden, akustisch recht gut gelungen ist. Auch haben wir uns gefreut, dass es trotz der zentrumsfernen Lage ziemlich gut besucht war.
Früher gab es öfter Renaissance- und Barockmusik zu hören, und mehr Ensemble, die sie zu Gehör brachten: das Ärzteorchester, die „Musica Antiqua“, die „Cappella Transsilvanica“ unter Dorin Pop, das „Collegium Musicum Academicum“. Heute ist es anders. Worauf ist das zurückzuführen?
Ich finde, auch heute gibt es immer wieder Barockmusik zu hören. Außer dem Barockensemble „Transylvania“ tritt auch das Klausenburger Ensemble „Fonte di Gioia“ immer wieder in der Stadt auf, überdies findet seit vier Jahren jeden 21. März der Bach-Marathon statt. Darüberhinaus gibt es junge Absolventen der Musikakademie, die in verschiedenen Kontexten auch Barockmusik aufführen und erst neulich gab es auch in der Philharmonie ein Bach gewidmetes Programm.
Wie ist das „Transsylvania Barock-Ensemble” entstanden? Wer musiziert heute in diesem Ensemble? Wie kam es zu diesem interethnischen Musizieren?
Das Barockensemble „Transylvania“ verdankt sein Enstehen mehreren glücklichen Zufällen. Der Flötist István Nagy, der inzwischen leider nicht mehr lebt, hatte 1995 die Idee, während einer Holland-Tournee der Rumänischen Oper an einem freien Tag mit zwei Kollegen, dem Blockflötisten Zoltán Majó, der bis heute dabei ist, sowie dem inzwischen verstorbenen Cellisten István Dalos, ein Konzert bei holländischen Freunden in der Kirche zu spielen. Das Konzert war so erfolgreich, dass daraus im nächsten Jahr eine ganze Tournee wurde – ab dem zweiten Konzert bestand das Ensemble aus den Flötisten István Nagy und Zoltán Majó und mir am Cembalo –, und die holländische Familie Kamp aus Werkendam schaffte es, auch in den folgenden Jahren immer wieder Konzertreisen zu organisieren, wobei wir nicht nur in Kirchen mit Partnergemeinden in Rumänien spielten, sondern auch für Rotary-Clubs, im Europäischen Patentamt, bei der rumänischen und bei der ungarischen Botschaft in Den Haag und sogar im Amsterdamer Concertgebouw mit Radio-Direktübertragung. Auch geografisch weitete sich unser Aktionsfeld immer mehr aus, wir spielten in Belgien, Deutschland, Österreich, Ungarn, in der Schweiz, später dann auch in Moldau, England, Italien, Portugal und der Türkei. Kurze Zeit spielte der Fagottist Florin Cîrlejan mit uns, ab 2000 übernahm Cellist Ciprian Câmpean den Bass. Als 2008 István Nagy sich zurückzog, kam der Violonist Mátyás Bartha hinzu. Zum interethnischen Musizieren kam es ganz von selbst, und wir verstehen uns weiterhin menschlich wie musikalisch sehr gut.
Welches sind zurzeit die Schwerpunkte im Repertoire?
Zurzeit spielen wir wieder mehr Barockrepertoire, obwohl ein Teil unseres Repertoires modern ist: mehrere Klausenburger Komponisten haben uns Stücke gewidmet, die hier wie im Ausland großen Erfolg hatten. Mein Vater, Hans Peter Türk hat für uns eine Partita über sächsische Volksieder komponiert, des weiteren verdanken wir Adrian Borza, Cornel }˛ranu und Adrian Pop sehr schöne Stücke. Eine andere Kategorie von Repertoire ist Musik für Viola d´amore. Unser Kollege Mátyás hat eigens dafür ein solch exotisches Instrument bestellt und erlernt. Überdies gefällt uns Telemanns Musik sehr gut, aber wir haben in letzter Zeit auch französische Musik gespielt, oder thematische Programme: galanter Stil, „Bach und Söhne“, „Bach-Vivaldi“ usw. Auch haben wir viel lokales altes Repertoire gespielt, und auch eine Dokumentar-DVD über einheimische Musik herausgegeben.
Wie sieht das weitere Konzertprogramm des Ensembles aus?
Vorläufig gibt es keine konkreten Termine, aber spätestens nächsten Sommer hoffen wir, ein paar Auftritte hier im Land zu haben.
Herzlichen Dank für dieses Gespräch und weiterhin viel Erfolg!





