Appell zur Rettung historischer Bahnhofsgebäude

Lugoscher Museograf warnt vor Abriss durch die CFR

Das historische Bahnhofsgebäude in Belinș soll bewahrt werden, wünscht sich der Lugoscher Museograf Oliviu Gaidoș. Fotos: Oliviu Gaidoș

Auf der Abrissliste steht auch der Bahnhof in Topolovățu Mare. Fotos: Oliviu Gaidoș

So sollen die neuen CFR-Bahnhofsgebäude ausschauen – einfach, funktional, doch völlig identitätslos. Foto: CFR

Ein eindringlicher Appell zur Rettung mehrerer historischer Bahnhofsgebäude im Banat sorgt derzeit für Diskussionen in der breiten Öffentlichkeit. Der Museograf und Kunsthistoriker Cristian Oliviu Gaidoș vom Museum für Geschichte, Ethnografie und Kunst in Lugosch/Lugoj hat sich mit einem öffentlichen Aufruf an Politik, Institutionen und Zivilgesellschaft gewandt. Sein Anliegen: Die Bewahrung des Bahnhofs Belinș sowie der historischen Wasserstationen in Topolovățu Mare und Lugosch aus dem Jahr 1876, die im Zuge der Modernisierung der Bahnstrecke Karansebesch/Caransebeș – Temeswar/Timișoara – Arad abgerissen werden sollen.

Die umfassende Erneuerung der Strecke erfolgt im Rahmen des Nationalplans für Wiederaufbau und Resilienz (PNRR) und gilt als zentrales Infrastrukturprojekt für die wirtschaftliche Entwicklung und die Mobilität im Westen Rumäniens. Die Investitionen seien notwendig und seit Jahren erwartet worden, betont Oliviu Gaidoș. Doch im Schatten dieser Modernisierung drohe ein unwiederbringlicher Verlust an industriegeschichtlichem Erbe, warnt der Museograf eindringlich. 

Nach Angaben des Regionalamts der Rumänischen Eisenbahngesellschaft CFR in Temeswar und des Verkehrsministeriums sollen auf dem Abschnitt Lugosch – Temeswar Ost vier massive Backsteinbahnhöfe aus den Jahren 1875 –1876 abgetragen werden: Remetea Mare, Rekasch/Recaș, Topolovățu Mare und Belinț. Zusätzlich stehen die historischen Wasser-stationen in Topolovățu Mare und Lugosch, einst für die Versorgung von Dampflokomotiven errichtet, auf der Abrissliste.

Die betroffenen Gebäude stammen aus der Frühzeit der Eisenbahnentwicklung im Banat. Die Bahnlinie Temeswar – Orschowa/Orșova wurde zwischen 1875 und 1878 von der k.k. privilegierten Österreichischen Staats-Eisenbahn-Gesellschaft (StEG) unter der Leitung von August W. de Serres errichtet. Der Abschnitt Temeswar – Lugosch – Karansebesch mit einer Länge von 100 Kilometern wurde am 22. Oktober 1876 eröffnet – nur zehn Monate nach Baubeginn. Zehn Bahnhöfe, 52 Wärterhäuschen sowie zwei bedeutende Brücken über den Flüssen Bega und Temesch/Timiș zeugten von der technischen und organisatorischen Leistungsfähigkeit jener Zeit.

Mit der Elektrifizierung der Strecke im Jahr 1974 wurden Teile der historischen Bausubstanz verändert oder neu errichtet. Einige Gebäude verschwanden bereits vollständig – darunter jüngst auch der Bahnhof von Lugosch, erklärt Oliviu Gaidoș. Umso größer sei heute die Verantwortung, die verbliebenen Zeugnisse dieser Epoche zu schützen, argumentiert er. Die noch existierenden Bauwerke seien „authentische Zeugen einer prägenden Phase der industriellen Entwicklung des Banats“.

Kritisch äußert sich der Historiker zur architektonischen Qualität der geplanten Neubauten. Die neuen Bahnhofsgebäude erinnerten an „Streichholzschachteln“ - funktionale, standardisierte Konstruktionen aus Blech, Sandwichpaneelen und PVC- oder Aluminiumrahmen, ohne Bezug zum historischen Kontext. Sie mögen den technischen Anforderungen entsprechen, hätten jedoch eine starke visuelle Wirkung auf das ländliche Umfeld und verdrängten gewachsene Identitätsorte.

Als Hauptargument für den Abriss führen die Vertreter der CFR Sicherheitsaspekte und hohe Sanierungskosten an. Doch laut Oliviu Gaidoș zeigen die Lagepläne, dass die historischen Gebäude nicht mit den neuen Trassen oder Baukörpern kollidieren. Dies werfe Fragen nach der tatsächlichen Notwendigkeit der Abrisse auf.

Besonders hebt er den Bahnhof Belinț hervor, der als am besten erhaltenes Beispiel gilt. Dort seien noch der zentrale Baukörper, die ursprüngliche Raumstruktur, der Wartesaal und Teile der Türrahmungen im Originalzustand vorhanden. Auch die Wasserstationen in Topolovățu Mare und Lugosch stellten seltene Relikte der Dampflok-Ära dar.

Museograf Oliviu Gaidoș schlägt vor, die Gebäude in die Verwaltung der lokalen Behörden zu überführen, sie mit europäischen Fördermitteln restaurieren zu lassen und als Standorte industriellen Kulturerbes zu nutzen. Sie könnten als museale oder kulturelle Einrichtungen neue Funktionen erhalten und zugleich an die Bedeutung der Bahnlinie Temeswar – Orschowa erinnern, einer der wichtigsten Infrastrukturinvestitionen des 19. Jahrhunderts im Banat.

„Modernisierung bedeutet nicht die Auslöschung der Vergangenheit“, heißt es in seinem Appell. Vielmehr gehe es darum, Geschichte bewusst in die Zukunft zu integrieren – als Ausdruck von Respekt gegenüber Erinnerung und regionaler Identität. Ob die zuständigen Stellen diesen Ruf erhören, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Debatte um die historischen Bahnhöfe berührt mehr als nur Fragen der Infrastruktur – sie stellt die grundsätzliche Frage, welchen Stellenwert kulturelles Erbe in Zeiten beschleunigter Entwicklung besitzt.