Bokschan sucht die „Restefinissage“

Drei Bauvorhaben rund ums Rathaus müssen fertig gebaut werden, nachdem eine Baufirma getürmt ist

Fotos: Werner Kremm

Bokschan wird allmählich zur Kleinstadt der eingeplanten und aufgegebenen oder unvollendeten Bauvorhaben. Egal, wer dort auf dem Bürgermeisterstuhl sitzt. 2020 hat der damalige Bürgermeister Eugen Cism²nean]u (zu jenem Zeitpunkt gehörte der Wendehals gerade der quasi-untergegangenen Băsescu-Partei PMP an) in Temeswar bei der Regionalentwicklungsagentur V West sich und Bokschan ein umfangreiches Bauvorhaben absegnen lassen. Das war in der Zeit vor den Kommunalwahlen…

Hehre Absichten und Vor-Wahl-Träume

Dazu schrieb die ADZ: „Einerseits soll ein ethnografisches Museum gestaltet werden, nachdem die betreffende Immobilie der Stadt fachgerecht renoviert ist. Weiters soll mit dem Geld eine Schenkung des kürzlich verstorbenen Eisensteiner Mineraliensammlers („Ästhetische Mineralogie“) Constantin Gruescu eine Heimstatt in Form einer Mineraliengalerie finden, indem ein weiteres der Stadt gehörendes Haus renoviert und umfunktioniert wird. Drittens will sich Bokschan mit dieser Finanzierung ein astronomisches Observatorium zulegen, durch die Sanierung und den Ausbau einer Immobilie“ (eigentlich eine denkmalgeschützte Bauruine aus dem 18. Jahrhundert, in der Nähe der nicht mehr existierenden Kantine des ehemaligen, ebenfalls nicht mehr existierenden Internats der Lyzeumsschülerinnen und -schüler) „auf der 1. Dezember-1918-Straße, Nr. 39, während auch das ´Constantin Lucaci´-Museum auf der 1. Dezember-1918-Straße auf Hausnummer 41, erweitert werden soll. Dieses Museum beruht auf einer Schenkung des aus Bokschan stammenden Herderpreisträgers Constantin Lucaci an seine Geburtsstadt und umfasst mehr als zwei Dutzend Kunstwerke – vor allem Edelstahlskulpturen, aber auch Grafik und Kohlezeichnungen, z.T. Skizzen von Edelstahlskulpturen. Da das Lucaci-Museum unmittelbar neben dem städtischen Kulturhaus (eine Umfunktionierung des ehemaligen Kneipp-Sanatoriums des Dr. Welicsek, dessen schöner Ballsaal zum Aufführungssaal wurde) seinen Sitz hat, entsteht im Bokschaner Stadtzentrum, gegenüber dem historischen Rathaus, zusammen mit dem Ethnografiemuseum ein richtiger Kultur- und Bildungskomplex.“ Versicherte der Bürgermeister, der bald abgewählt werden sollte.

Aus alt mach neu oder reiß es ab

Aus alldem ist nämlich geworden: Nichts. 

Dann kam, nach einer kurzen zwischenzeitlichen Pause, der vier Jahre vorher von Cism²nean]u abgelöste Mirel Patriciu Pascu (PSD) wieder ans Ruder, nachdem er im Vorfeld von seinen Verwicklungen im PSD-Skandal mit dem Schmiergeld beim Zoll an der Autobahn in Nadlak mehr oder weniger saubergewaschen worden war (die ADZ berichtete). Pascu wollte, mit einer im Banater Bergland starken PSD im Rücken, natürlich alles besser machen. 

Ließ das historische Kneipp-Sanatorium des Dr. Welicsek abreißen (im Projekt heißt das „Herrichtung und Ausbau des Städtischen Kulturhauses Bokschan” – ohne was anderes zu sein) – und man fragt sich, wer zu einem solchen Abriss historischer Bausubstanz eine Genehmigung gegeben hat? Man muss fragend und vorwurfsvoll an die in Reschitza sitzende und ebenfalls von der PSD geleitete Direktion für Kultur und Kulturgut denken...

Denn praktisch soll an derselben Stelle ein neues städtisches Kulturhaus gebaut werden: Bürgermeister M. P. Pascu ließ auch das schon vor 1989 aufgegebene Kino umbauen, mit dem Ziel, daraus ein „Multifunktionales Kulturzentrum“ machen (Projekttitel: „Refunktionalisierung der Immobilie des Kinos in einen Multifunktionssaal”, ließ den kleinen (3900 Quadratmeter) Park beim Rathaus (1. Dezember 1918-Straße) komplett aufreißen zwecks Neugestaltung. Alles mit EU-Finanzierung (was auch Cism²-nean]u vor ihm wollte und nicht fertigbrachte...) und alles in sehr kurz angesetzter Bauzeit.

Statt in 12 in 36 Monaten fehlerhaft gebaut

Die Ausschreibung zu diesen Vorhaben des PSD-Bürgermeisters Pascu fand am 6. Oktober 2022 statt, sobald die Finanzierung aus dem Regionalentwicklungsprogramm West 2021-2027 feststand. Binnen 12 Monaten wollte die Firma Termoconstruct Sistem Avantaj die Vorhaben umsetzen und sollte dafür 12.120.698,16 Lei kassieren. Inzwischen hat der Ausführungsvertrag sechs Nachverhandlungen und sukzessiv Veränderungen erfahren, die effektive Bauzeit hat die 36 Monate überschritten und die Kosten sind auf 13.871.563,89 Lei gestiegen – aber fertig ist bis heute gar nichts. Und noch schlimmer: der Bauausführer hat den Vertrag gekündigt und ist getürmt.

Statt des Kulturhauses im ehemaligen Welicsek-Sanatorium stehen ein Betongerippe und Wände ohne Dach da, das Kino hat Dach und Fassade neu und innen ist ein nach Finissage brüllendes Chaos zu sehen. Und im „Park” sind Spazierwege und Blumenrabatte herausgerissen, aller Beton und Asphalt – vor dem Rathaus konnte und sollte man sich nicht die Schuhe schmutzig machen! –  entfernt und nichts ist an deren Stelle gemacht worden. Deswegen spricht man nun in Bokschan von „anstehender Restarbeit”, bis alles übergabereif wird, für welche Arbeiten 11.699.176,14 Lei als Kosten angesetzt sind und für die die Stadt, in der Hoffnung auf das Finden eines oder mehrerer Bauausführer, vor einer Woche eine Ausschreibung auf der staatlichen elektronischen Plattfrom SEAP hochgeladen hat, für die beiden Bauvorhaben, das Fertigstellen des Kulturhauses und des Multifunktionssaals. Der Park soll im Frühjahr ausgeschrieben werden. Angebote können bis am 24. November vorgelegt werden, die Evaluierungsphase soll am 24. März mit der Bekanntgabe des/der Ausschrei-bungssieger(s) beendet werden. 

Allerdings steckt auch hier ein weiterer Teufel im Detail: Beide Bauvorhaben, Kulturhaus wie Kino/Multifunktionssaal, haben laut Expertisen Ausführungs- und Baumängel. An beiden ist alles mangelhaft ausgeführt und nicht mit den vorgeschriebenen Materialien, die Stützpfeiler sind nicht ordnungsgemäß zusätzlich verfestigt und brauchen noch eine mindestens drei Zentimeter dicke Betonverkleidung, an vielen Stellen entspricht der verwendete Beton nicht dem, was für ein öffentliches Gebäude ein Muss ist (sicher kein Zufall: überall hat der Beton weniger, nirgends mehr Festigkeit, als in den Entwurfsvorgaben vorgesehen...), die Decken aus Stahlbeton sind nicht überall („nicht einmal mit einer minimalen vorgeschriebenen Betonschicht”) verputzt, statt hochwiderstandsfähigem Mörtel ist minderwertiger oder auch gar keiner benutzt worden, usw.