Das Internet verbindet?!

siebenbuerger.de wird 25 – eine Introspektion

Im Einsatz für siebenbuerger.de : Robert Sonnleitner interviewt DFDR-Vorsitzenden Paul-Jürgen Porr vor der Kamera von Günther Melzer am Heimattag 2012 | Foto: siebenbuerger.de

Jubiläumsjahre halten häufig her, um der früheren Jahre zu gedenken, zu mahnen, zu ermuntern. Bei der Internetplattform siebenbuerger.de kann man nach einem Vierteljahrhundert und millionen Klicks, Likes und – natürlich – Kommentaren, sagen: das Internet lebt, wird von den Siebenbürger Sachsen – und nicht nur – geschätzt, gemocht und manchmal verflucht. Was steckt hinter dieser Erfolgsgeschichte?

Betrieben wird jene Internetplattform vom Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e. V. mit Sitz in München, heute in der Karlstr. 100. Als die Vereinsräume noch in der Sendlingerstr. 48 waren, kam es zu einem Arbeitstreffen zwischen dem damaligen Chefredakteur der Siebenbürgischen Zeitung, Hannes Schuster, und dem früheren Bundesjugendleiter der SJD, Ortwin-Rainer Bonfert, sowie weiteren Vorstands- und Redaktionsmitgliedern. Die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend in Deutschland – SJD hatte nämlich im Vorjahr in einem PC-Schulungsraum des Kolpingwerks in Nürnberg für interessierte Jugendliche ein Internet-Seminar organisiert. Helmut Wenzel, Robert Sonnleitner, Hans-Detlev Buchner („Hanzy“, so sein nickname) und Ortwin Bonfert referierten in Wort und praktischer Anleitung über Möglichkeiten und erste Schritte zur eigenen Homepage via Netscape Navigator – graumelierte Zeitgenossen erinnern sich. Als praktisches Ergebnis jener SJD-Veranstaltung wurde im Nachgang 1998 eine SJD-Homepage erstellt: www.sjd-siebenbuerger.de Nach einem Jahr gesammelter Erfahrungen regte die Jugend, die sich als Motor der damaligen Landsmannschaft verstand, eine Homepage des Verbandes an. Ein Arbeitstreffen wurde in der Sendlinger Str. 48 anberaumt. 

„Wer, bitte, Ortwin, wer kontrolllliert dieses Internet, können Sie mir das sagen?“ Mit sächsischem Zungenschlag und althergebrachtem Sicherheitsbedürfnis wurde der Jugendvertreter beim Vornamen angesprochen, die Höflichkeitsform wahrend. Diese Frage konnte nicht, auch nicht ansatzweise, beantwortet werden und wurde daher im Bundesvorstand erneut gestellt. Sie wurde bei jenem Ortwin und seinen Weggefährten zum geflügelten Wort und hallt heute noch nach, als hätte man sie gestern erst gehört. Zweifelsfrei: Jene Frage war eine Generationenfrage: Die Frage der Erlebnisgeneration sorgenvoller kommunistischer Zeiten und die Ablehnung jener Fragestellung bei einer jungen Generation, bei der sich der Glaube an freien Wissenstransfer und Meinungsaustausch bereits festgesetzt hatte. 

Folglich ließ jene Jugend nicht locker. Ihr Bundesjugendleiter stellte beim anstehenden Verbandstag den Delegierten zwei Anträge. Zum einen möge der Verein seinen Namen aus „Landsmannschaft“ in „Verband“ ändern. Zum anderen möge der Verein ein Internetreferat mit Internetpräsenz und Internetforum einrichten. Zur Begründung meldete sich der Antragsteller zu Wort, um sein „Statement“ abzugeben. „Das nennt sich Stellungnahme!“, hallte es aus dem Delegiertenkreis zurück.

Insofern ist es wortwörtlich zutreffend, wenn „Hanzy“ aka Hans-Detlev Buchner heutzutage in seiner Rückschau schreibt: „Im Jahr 2000 wagten der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und die Siebenbürgische Zeitung mit dem Internetauftritt siebenbuerger.de einen Schritt in die Zukunft.“ Ja, es war ein Wagnis und es blieb eines, wenn auch unter anderen Aspekten.

Jener Internetauftritt bedeutete zunächst eine Investition mit laufenden Kosten, da neben ehrenamtlichem Engagement ein professionelles Design von Günther Melzer für ein ansprechendes Erscheinungsbild sorgt. Typisch für Internetbegeisterte: Es kommen immer wieder neue Ideen dazu. Typisch für Sachsen und Landler: Neue Ideen wurden handwerklich sorgfältig umgesetzt. Dazu zählen ein kuratiertes Internetforum sowie Kommentarfunktion für die jeweiligen Zeitungs-/Onlineartikel, ein attraktiv gestalteter Newsletter, Fotodatenbank – heute inkl. Videofunktionen – sowohl zu aktuellen Veranstaltungen, als auch zu den einzelnen Heimatortschaften. Mit Voicerecorder wurden die lokalen Dialekte der siebenbürgisch-sächsischen Mundart erfasst. Trotz der Informationsfülle ist es den Machern gelungen, die Homepage übersichtlich gegliedert zu gestalten und mit mehrmaligem Facelifting optisch ansprechend zu halten.

Auch ganz praktische Fragen zu Entschädigungen und Restitutionen, wie auch zum Fremdrentengesetz wurden im digitalen Forum gestellt, mitunter von Experten beantwortet und von geringfügigeren Experten kommentiert. Gelegentlich musste der (ehrenamtliche) Administrator eingreifen, was wiederum zu Kommentaren führte. Und sind sie nicht gestorben, so kommentieren sie noch heute. 

Ganz im Trend der Zeit wurde der Internetauftritt auf die sozialen Netzwerke ausgeweitet, wo zig tausend Follower Informationen zum „nodinken uch lachen“ miteinander teilen. Für Kontinuität sorgte insbesondere Robert Sonnleitner, der auch im sog. „real life“ die Community betreut und jährlich zum Internetseminar einlädt. Dort werden neue Techniktrends und alte Probleme besprochen; abends gibt’s Fettbrot mit Zwiebel und andere selbstgemachte „bunătăți“. Denn rumänische Floskeln uch soxesch Fatbriut blieben selbst unter den angloaffinen Internetnerds erhalten. 

Wolf von Aichelburg würde sich wundern, wie sehr sein Lebensmotto gelebt wird: „Modern sein, ohne mit der Tradition zu brechen.“ In jenem Sinne machte zu Pfingsten ein von Günther Melzer KI-generiertes Filmchen im Internet die Runde, worin siebenbürgische Trachtenträger am Heimattag in Dinkelsbühl zueinander finden. Das Internet verbindet – Menschen und Generationen. Mitunter wird auch Partizipation gesichert: ob Online-Übertragungen vom Heimattag oder am 25. Oktober 2025 vom ausgebuchten Volkstanzwettbewerb der SJD – man ist aus der Ferne live dabei.

Die Internetplattform siebenbuerger.de bündelt heutzutage Informationen und bietet in Zeiten von sog. „fake news“ verlässliche Onlineinformationen, die von der Redaktion nicht kontrolliert, sondern fachkundig redigiert werden. Wenn Oskar Pastior mit dem Georg-Büchner Preis oder Herta Müller mit dem Literatur-Nobel-Preis ausgezeichnet werden, so schnellt der Zugriff auf die Homepage in die Höhe, man wird in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen. Das kann durchaus auch für das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR) und die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien (EKR) als zusätzlicher Anreiz dienen, ihre Internetpräsenz inhaltlich und optisch auf dem aktuellen Stand zu halten. In Zeiten knapper Kassen ist es immer wieder eine Herausforderung, reale Ausgaben für digitale Präsenz mit Chancen für Werbeeinnahmen zu verbinden.

Ob man in 25 Jahren erneut ein weiteres 25-jähriges Jubiläum feiern wird? Robert Sonnleitner ist – joi, wie die Zeit vergeht! – nach inzwischen 25 Jahren jener, der die Nachfolgegeneration anregt, sich zu engagieren. Und die SJD von heute? Die Jugend hat weiterhin ihre eigene Homepage, quasi ein Laboratorium, in dem sie frei ihre ersten Schritte in der digitalen Welt unternimmt und Neues ausprobiert – unkontrolllliert, aber mit einer Web-Administration aus gutem (Eltern-)Hause.

(Der dazu entsprechende ausführliche Bericht „25 Jahre am Puls der Zeit“ von Hans-Detlev „Hanzy“ Buchner über die Internetplattform mit ihrer Community wird ausdrücklich empfohlen!)