Design ist längst nicht mehr nur Ästhetik. Es bedeutet nicht mehr nur Form oder Objekt. Im Jahr 2025 geht es beim Design darum, wie wir in Städten leben, uns fortbewegen, sie erleben und wie wir mit Technologie umgehen. Einer der Namen, die rumänisches Design auf die europäische Bühne gebracht haben, ist David Borovic, ein 25-jähriger Temeswarer. Der junge Designer wurde im Vorjahr Gewinner des Next Generation Design Awards bei den Design Europa Awards 2025. Sein Projekt „Synthetis“ ist im Wesentlichen eine Synthese zwischen Technologie, Nachhaltigkeit und visueller Identität. Seine Story zeigt, dass rumänisches Design die europäische Bühne erreichen kann, wenn Vision, Arbeit und Mut zusammenkommen.
Mit gerade einmal 25 Jahren gelang es David Borovic, Produktdesigner und Doktorand an der Fakultät für Kunst und Design der West-Universität Temeswar/Timișoara, aus einem Diplomprojekt ein Konzept mit internationalem Potenzial zu entwickeln: „Synthesis“ – ein elektrisches Hybridfahrrad mit modularem Design und integrierter Technologie. „Design ist nicht nur etwas Visuelles. Es muss funktional, ergonomisch und verantwortungsvoll sein. Sonst bleibt es nur ein schönes Bild“, sagt er.
Auf den ersten Blick besticht das „Synthesis“-Fahrrad durch seine Form. Fließende Linien, ein ungewöhnlicher Rahmen, eine Silhouette, die eher an die Dynamik eines Sportwagens als an ein klassisches Fahrrad erinnert. „Wenn wir über dieses Hy-bridfahrrad sprechen, fällt uns als Erstes die Form auf. Es hat eine unverwechselbare Form, es ist nicht irgendein Fahrrad. Ich wollte etwas schaffen, das man nicht ständig im Alltag sieht“, erklärt der junge Designer. Und obwohl viele es als „futuristisch“ bezeichnen, vermeidet David Borovic diesen Begriff: „Ich mag das Wort futuristisch nicht unbedingt. Ich sehe es als eine natürliche Weiterentwicklung. Es ist ästhetisch, aber auch absolut ergonomisch.“
Das „Synthesis“ ist nicht nur ein optisches Statement. Es ist ein Hybridfahrrad mit drei Fahrmodi: klassisches Treten, elektrische Unterstützung oder vollelektrisch. Darüber hinaus verfügt es über ein kettenloses System – anstelle der klassischen Kette kommt ein Kardanantrieb zum Einsatz, der den Verschleiß reduziert und die Effizienz erhöht.
Eines der Schlüsselelemente des Projekts ist der modulare Rahmen. Das Fahrrad lässt sich schnell zerlegen und im Kofferraum oder in der Wohnung verstauen. „Wir haben den Hinterbau mit der Fahrradgabel so konstruiert, dass er sich abnehmen und platzsparend verstauen lässt. Heutzutage ist es wichtig, ein Produkt zu haben, das leicht zu transportieren und zu schützen ist“, sagt David Borovic.
Urbane Mobilität bedeutet nicht nur Fortbewegung, sondern auch Anpassungsfähigkeit. In einem Umfeld, in dem Platz begrenzt und Fahrraddiebstahl weit verbreitet ist, erweist sich Modularität als praktische Lösung. Doch neben der Funktionalität spricht der Designer offen über eine einfache Wahrheit des Marktes: „Die Augen entscheiden zuerst. Man kann die beste Technologie haben, aber wenn das Produkt nicht gut aussieht, wird es nicht gekauft.“
3D-Druck und echte Nachhaltigkeit
Bei „Synthesis“ geht es nicht nur um Form und Technologie, sondern auch um Nachhaltigkeit. Der Prototyprahmen wurde im 3D-Druckverfahren aus einer Kombination von Polymeren und Kohlenstofffasern hergestellt. „Bei der traditionellen Produktion entstehen viele Verluste, die im Abfall landen. Mit industriellem Druck reduzieren wir Zeitaufwand, Kosten und Abfall. Man kann schnell und effizient Anpassungen vornehmen“, erklärt der junge Designer. Gleichzeitig betont Borovic, dass er nicht von „Wohnungsdruck“ spricht, sondern von industrieller Produktion, die langlebige Konsumgüter herstellen kann. Der in Entwicklung befindliche Prototyp „Synthesis 2“ wird leichtere Materialien, neue Technologien und intelligente Systeme integrieren. Die Markteinführung auf internationalen Messen ist für 2026 geplant, die Kommerzialisierung soll noch in diesem Sommer erfolgen. Bis dahin folgen auch weitere internationale Wettbewerbe und –Ausstellungen für Borovics-Projekt.
Nach der Markteinführung könnte ein „Synthesis“-E-Bike rund 10.000 Euro kosten, schätzt der junge Mann. „In fünf Jahren sehe ich mein Fahrrad in mehreren Ländern verkauft und sehe auch die Entwicklung von zwei weiteren Arten von leichten Fahrzeugen vor“, sagt David Borovic zu seinen Zukunftsplänen.
Designer aus Zufall; Erfolg aus Entschlossenheit
Schon als Kind entschied sich David Borovic, nach dem Abschluss der Allgemeinschule an der deutschsprachigen „Nikolaus Lenau“-Schule, für ein Lyzeumsstudium am Kunstlyzeum und anschließend für ein Architekturstudium an der Temeswarer „Politehnica“ (UPT). Doch nachdem er die Aufnahmeprüfung an der UPT verpasste, entschied er sich sofort für ein Studium an der Fakultät für Kunst und Design an der West-Uni. So wurden in ihm neue Blickpunkte vermittelt. Der Weg zu den Design Europa Awards, die vom Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) organisiert werden, war somit alles andere als zufällig. Für David Borovic begann alles mit seiner Bachelorarbeit, gefolgt von Ausstellungen, der Teilnahme an Wettbewerben und dem Schutz seines Designs durch offizielle Registrierung. „Um teilnehmen zu können, benötigt man eingetragenes geistiges Eigentum. Es ist sehr wichtig, sein Design zu schützen. Es reicht nicht, es einfach nur online zu veröffentlichen“, sagt er. So ist das Synthetis-Projekt registriert, auch auf nationaler Ebene, was ihm Rechtsschutz und einen strategischen Vorteil verschafft.
Vom Hörsaal in die internationale Jury
Für Borovic bedeutete die internationale Auszeichnung mehr als nur ein Diplom. Die Preisverleihung fand in Kopenhagen in einem beeindruckenden Rahmen statt. „Es war eine Ehre. Ich konnte mich mit Designern aus aller Welt, mit Führungskräften und CEOs vernetzen. Das Networking war enorm.“ 2026 wird nun Borovic Teil der Jury des Wettbewerbs sein, der in Ljubljana stattfinden wird. Parallel dazu engagiert er sich in europäischen Führungskräfteprogrammen für junge Innovatoren. „Dies ist die erste Generation, in der die Europäische Union versucht, ein globales Bündnis junger Führungskräfte im Bereich des geistigen Eigentums aufzubauen. Junge Köpfe können die Welt verändern“, sagt der Temeswarer Designer. Seine Botschaft an die Studierenden ist klar: „Verfolgt euren Traum, bleibt dran und nehmt an so vielen Ausstellungen wie möglich teil. Von kleinen Wettbewerben kommt man zu den großen. Ihr habt nichts zu verlieren.“
Mehr als nur Fahrrad: Vision für leichte Mobilität
„Synthesis“ ist erst der Anfang, sagt er. Die Pläne reichen bis 2028 und umfassen die Entwicklung einer breiten Palette leichter Fahrzeuge – möglicherweise Dreiräder oder andere urbane Konzepte. „Ich will nicht bei einem einzigen Fahrrad stehen bleiben. Ich möchte Synthesis Mobility international ausbauen“, erzählt der Designer.
Die Erfahrungen in Dänemark, Spanien und Portugal haben ihn überzeugt, dass Fahrradinfrastruktur zur Norm und nicht zur Ausnahme werden kann: „Man sieht Anzugträger, die mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Das bedeutet urbane Normalität.“ In Rumänien befindet sich die Infrastruktur noch im Aufbau, aber der junge Designer bleibt optimistisch und ist überzeugt „in den nächsten zehn Jahren werden wir echte Veränderungen sehen.“ Eines ist sicher: Für David Borovic ist Design eine Verantwortung. Nicht nur eine ästhetische Übung, sondern ein Eingriff in den Alltag. „Design ist nicht nur schön. Es kann funktional, verantwortungsvoll und für den Menschen gestaltet sein“, so das Fazit des Designers aus Temeswar.
Mehr zum „Synthesis“-Projekt und anderen Designprodukten kann man von der offiziellen Webseite des Desginers erfahren: davidborovic.com.








