Trennungen haben es in sich. Sie sind nie einfach, nie elegant, nie so reif, wie man es sich in besseren Momenten eingeredet hat. Trennungen bringen die dunklen Seiten ans Licht, jene, die man jahrelang höflich hinter diplomatischen Vorhängen versteckt hat. Und sie verlangen Mut — oder zumindest die Fähigkeit, so zu tun, als hätte man welchen. Doch Trennungen kommen nicht von ungefähr. Meist beginnt alles mit dem Gefühl eines Partners, er könne sich nicht mehr selbst verwirklichen. Dass er sich vergeudet. Dass er der Einzige sei, der investiert. Dass er eigentlich ein Genie sei, das nur durch die ständige Nörgelei des anderen daran gehindert wird, die Welt zu retten. Und dann, wie es so ist, erinnert er sich auch plötzlich an alles, was ihm vermeintlich vorenthalten wurde. In kürzester Zeit fliegen die Fetzen wie Eisschollen durch die Luft: „Nur mein Geld gibt dir Sicherheit.“ „Nur dank mir kannst du dich so aufführen, wie du das tust.“ Und natürlich wird auch nicht vergessen, was der andere versäumt hat: „Du wolltest mir nicht den Nobel geben, darum denke ich jetzt nicht mehr nur an Frieden.“
Man sagt, jede Trennung beginnt mit einem harmlosen Satz wie: „Wir müssen reden.“ In unserem Fall war es eher ein transatlantisches Knurren: „Grönland gehört doch wohl uns.“ Und plötzlich standen die USA und die EU da wie ein Paar, das sich nach Jahren des gemeinsamen Kühlschranks darüber streitet, wer den letzten Eiswürfel gekauft hat. Nur, dass der Eiswürfel diesmal eine Insel ist. Eine sehr große. Und beide wollen das Sorgerecht. Während Brüssel noch höflich die Tischdecke glattstreicht, schiebt Washington schon die Stühle zur Seite und fragt, ob man nicht „einvernehmlich“ über die Zukunft Grönlands sprechen könne. Einvernehmlich heißt in diesem Kontext: „Wir sagen, was wir wollen, und ihr nickt höflich.“
Dann kommt der Moment, in dem man sogar die Freunde aufteilt. „Ich baue mir und meinen Freunden ein neues Haus. Und du wirst sehen, wie viele zu mir stehen. Sie werden es sich sogar etwas kosten lassen. Koste es auch eine Milliarde Dollar.“ Und plötzlich wird einem vor die Nase gerieben, dass Freunde, zu denen man während der Beziehung nicht öffentlich stehen durfte, nun stolz präsentiert werden: „Schau, sogar Wladimir ist bereit, in mein neues Haus einzuziehen.“
Und dann die Gütertrennung. Das über Jahrzehnte mit bitterem Schweiß gebaute Haus — nennen wir es ruhig „transatlantische Partnerschaft“ — wird zum Objekt der Begierde. Der eine will ein Zimmer nur für sich, am besten das größte, mit Blick aufs Eis. Der andere würde das Haus gerne so behalten, wie es ist. Und plötzlich steht Grönland da wie ein Gästezimmer, das keiner je beachtet hat, bis einer ruft: „Das nehme ich!“ Und der andere antwortet: „Über meine Leiche.“ Alle Register werden gezogen. Kein Mittel ist zu schmutzig. Geschehe was wolle. Geht auch die Welt in Flammen unter — was man haben will, das muss man haben.
Die EU versucht, die moralische Karte zu spielen, Trump die pragmatische. Die einen reden von Werten, der andere von Deals. Und irgendwo dazwischen schmilzt das Eis — nicht nur das physische, sondern auch das diplomatische. Manche Trennungen sind notwendig, manche unvermeidlich, und manche einfach nur peinlich. Die anscheinend bevorstehende zwischen den USA und der EU gehört zur dritten Kategorie.
So stehen sie nun da: der eine mit dem Immobilienkatalog in der Hand, der andere mit dem Grundbuch. Die Lage erinnert an Paare, die sich über das Sorgerecht für den Hund streiten, obwohl keiner von beiden Zeit hat, ihn auszuführen. Nur dass Grönland kein Hund ist, sondern ein geopolitischer Eisbär, der sich nicht so leicht an die Leine nehmen lässt. Und Grönland? Grönland erinnert an ein Kind, das auf der Treppe sitzt, den Streit hört und sich denkt: „Ich wollte nur meine Ruhe.“





