„Die Stärkung der jeweiligen Lehrerteams ist das wichtigste Ziel“

Über Aufgaben und Herausforderungen des Zentrums für Lehrerfortbildung in Mediasch

Deckblatt der letzten Nummer der Zeitschrift „Zett“ des Zentrums für Lehrerfortbildung. Die komplette Sammlung kann auf www.zfl.ro eingesehen werden. Foto: ZfL

Dana Havriciuc ist seit September 2023 Leiterin des Zentrums für Lehrerfortbildung in deutscher Sprache (ZfL) Mediasch. Sie ist Absolventin des Pädagogischen Lyzeums in Hermannstadt/Sibiu und hat einen Masterabschluss der Lucian-Blaga-Universität. Dana Havriciuc hat Erfahrung mit Unterricht in der Grundschule und dem Gymnasium, desgleichen als Schulleiterin in Mediasch. Zu den Angeboten, Freuden und Sorgen des ZfL befragte sie Gerold Hermann.

Wie hat das neue Schuljahr beim ZfL begonnen?

Mit einem vollen Terminkalender! Wir sind Mitorganisatoren des Banater Lehrertags, der wie immer an der Lenau-Schule in Temeswar stattfand, und des Siebenbürgischen Lehrertags gewesen, welcher diesmal über 150 Lehrpersonen am Deutschen Lyzeum in Mühlbach zusammengebracht hat. Es gab bereits Fortbildungen in Miercurea Ciuc und Bukarest, natürlich auch in Hermannstadt: eine Zusammenarbeit mit der Lucian-Blaga-Universität und dem Deutschen Kulturzentrum, sowie drei Seminare mit Referenten aus Deutschland. 

Ja, natürlich brachte das neue Schuljahr auch Unsicherheit mit sich, was die allgemeinen Sparmaßnahmen im Unterrichtswesen betrifft. 

Im Gegensatz zu den Lehrerhäusern (Casa Corpului Didactic), deren Angebote sich an Unterrichtende aus jeweils einem Verwaltungskreis richten, ist im ZfL die Lage ja völlig unterschiedlich…

…was unsere Arbeit wesentlich komplexer, daher auch viel inte-ressanter macht. Unser Zentrum ist das einzige seiner Art im Land – wir gehen mit dieser Verantwortung achtsam um. Unser Verwaltungssitz ist in Mediasch, wir haben Büros in Hermannstadt und Mediasch. Zu unserer Zielgruppe gehören Lehrpersonen, tätig vom Kindergarten bis zur 12. Klasse, welche Deutsch als Arbeitssprache haben. Das geht also von Bukarest bis Großkarol/Carei und Karansebesch bis Oberwischau/Vi{eu de Sus. Dazu kommen noch die Lehrer, welche Deutsch als Fremdsprache unterrichten.

Wie läuft das organisatorisch?

Wichtig ist uns, dass wir uns an den Bedürfnissen und Wünschen der Lehrpersonen orientieren. Wir versuchen, durch verschiedene Varianten möglichst vielen Inte-ressenten die Teilnahme zu ermöglichen. 

Und das wären…

Fortbildungen vor Ort: Unsere Referentinnen fahren durchs Land und machen Tagesangebote an größeren, aber auch an ganz kleinen Kindergärten oder Schulen. Weitere Varianten: Zentrale Veranstaltungen von zwei, drei Tagen, in der Regel an Wochenenden, so dass auch eine längere Anreise möglich ist, oder Blockfortbildungen von mehr als drei Tagen, die dann eine Finanzierung für Unterkunft und Verpflegung voraussetzen. Da sind die Gruppen oft gemischt: Erzieherinnen treffen Grundschullehrerinnen oder Kollegen, die im Lyzeum arbeiten – eine Chance für stufenübergreifenden Austausch.

Mit dem Kürzel SchiLf bezeichnet man in Deutschland schulinterne Fortbildungen, für die wir nach und nach einen Rahmen geschaffen haben. Die Stärkung der jeweiligen Lehrerteams ist dabei das wichtigste Ziel: Man muss bedenken, dass in großen Schulen entweder in mehreren Gebäuden oder im Zweischichtbetrieb gearbeitet wird. Dadurch treffen sich alle Lehrer eigentlich nur bei den Gesamtkonferenzen.

Workshops in der Hermannstädter Lernwerkstatt des ZfL und Kurse für Grundschullehrerinnen, welche die Vorbereitungsklasse übernehmen, ergänzen unser Angebot. In der Coronazeit mussten wir wie alle auf Onlinearbeit umschalten. Es war eine Notlösung und geblieben ist die digitale Kompetenz der Lehrer – für uns eine weitere Möglichkeit, ab und zu  diese Art Kollegen zu erreichen.

Das Ziel einer Fortbildung ist wohl, den Lehrenden zu befähigen, seine Arbeit besser, also kinder- oder jugendfreundlicher, zeitgemäßer, auch effizienter zu gestalten, oder?

Richtig! Deshalb sind viele Seminare fach- oder stufengebunden. Ausgehend von der Tatsache, dass für viele Lehrpersonen Deutsch zwar die Arbeitssprache, aber nicht die Mutter- oder Familiensprache ist, ist dazu der Austausch unter Kolleginnen und Kollegen in deutscher Sprache besonders wichtig. Durch das aktive Einbinden der Kursanten wird Deutsch ganz selbstverständlich geübt und gepflegt. 

Vereint über die deutsche Sprache also…

Ja, sicher! Vereint in Freud und Leid, aber nicht auf einer isolierten Insel. Wer hätte in den neunziger Jahren geglaubt, dass es 2025 so viele Kinder und Jugendliche geben wird, die von ausgebildeten Lehrern und Erzieherinnen in deutscher Sprache betreut werden? Ganz wichtig für Kursteilnehmer und unsere Referenten sind in diesem Kontext die Verbindungen zu den deutschsprachigen Ländern. Die konstant gute Zusammenarbeit mit dem Bukarester Goethe- Institut und der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg hilft uns sehr: Finanzierung von Referenten, von ganzen Veranstaltungen oder Ausstattung sind ganz wichtige Elemente unserer Arbeit. Gegenwärtig sind wir auch Partner in einem von der Ludwig-Maximilians-Universität koordinierten Erasmusprojekt. 

Es gibt also attraktive Angebote, stimmen auch die Anmeldungen?

Wir hatten im Schuljahr 2024-2025 insgesamt 2215 Teilnehmer in 99 Seminaren. Das ist für uns, letztendlich auch in Anbetracht der zahlenmäßig begrenzten Zielgruppe, ein sehr gutes Ergebnis. Selten fallen Seminare aus, weil sich zu wenige Teilnehmer anmelden, dafür kommen in allen Schuljahren Zusatzveranstaltungen, die nicht in der ursprünglichen Planung vorgesehen waren, hinzu. 

Woher holt Ihr neunköpfiges Frauenteam – sechs Fortbildne-rinnen mit Leiterin und drei Damen im administrativen Bereich - die Motivation?

Eine gelungene Veranstaltung bringt einen Motivationsschub. Wir lassen nach Seminaren anonyme Evaluationsbögen kreisen. Die sind wichtig, auch weil da nach weiteren Fortbildungswünschen gefragt wird. Meist ist aber über die Stimmung schon vorher klar, wie das Gebotene ankam. Wenn Lehrer am Wochenende oder nach ihrer regulären Arbeitszeit noch konzentriert und offensichtlich freudig bei der Sache sind, so kann man ruhig einen Erfolg verbuchen. Der Zusammenhalt im Team, sowie das gemeinsame Arbeiten geben uns Kraft, auch wenn es mal stressig wird.

Gibt es weitere Betätigungsfelder Ihrer Referenten?

Natürlich! Die Tätigkeit des ZfL-Teams beschränkt sich nicht nur auf die Durchführung von Fortbildungen, sondern umfasst eine Vielzahl weiterer Aufgaben, die organisiert und umgesetzt werden. Die Betreuung der Berufseinsteigerinnen und jungen Lehrkräfte gehört ebenso zu ihren Aufgaben. Mitarbeiter sind an der Erarbeitung, dem Übersetzen von Lehrplänen und der Entwicklung von Schulbüchern beteiligt. Zeitintensiv sind die Stundenbesuche („Inspektionen“) bei Lehrern und Erzieherinnen, die sich für Prüfungen eingeschrieben haben. Ganz allgemein sind wir natürlich bereit, Aufgaben vom Schulinspektorat zu übernehmen. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Zusammenstellung von Materialien sowie die redaktionelle Arbeit an der halbjährlich erscheinenden Zeitschrift des Zentrums, „Zett“, die Nummer 50 erscheint noch in diesem Herbst.
Oft sind wir Anlaufstelle für Fragende, manchmal auch Klagemauer.

Damit wären wir beim nächsten Stichwort: Klagen…

Sagen wir Sorgen. Wir sind direkt dem Erziehungsministerium unterstellt – Zwerge mit ganz speziellen Anliegen in einem Riesenapparat. Zum Glück kennen die Verantwortlichen für Minderheiten- und Deutschunterricht im Ministerium, Dr. Alexandru Szepesi und Alexandra Tudor, unsere Lage genau, was eine sehr gute Zusammenarbeit sichert. Trotzdem ist die Unterstützung des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, beginnend mit der Schulkommission und dann über den Abgeordneten Ovidiu Gan], den Unterstaatssekretär Thomas [indilariu und den Vorsitzenden Dr. Jürgen Porr immer wieder nötig, um unsere Arbeit unter guten Bedingungen fortzusetzen. Wir sind dankbar für die konstante Hilfestellung, wären allerdings froh, wenn sie auf lange Zeit nicht mehr nötig wäre. Dann könnten wir optimistisch auf das 30-jährige Jubiläum des ZfL im Jahr 2028 blicken!