Manche Gegenstände sind mehr als bloße Alltagsobjekte – sie bewahren Erinnerungen, erzählen von Schicksalen und verbinden Generationen. In der aktuellen Episode der Filmreihe „Mitgenommen – Objekte erzählen Geschichte(n)“ des Bundes der Vertriebenen – Landesverband Hessen (BdV-Landesverband Hessen) berichtet Wilhelm Maurer von drei besonderen Objekten: einer Schreibhilfe aus Holz, einem Hobel aus der Zeit um 1900 und einer Blindentastuhr.
Wilhelm Maurer war über viele Jahre Bibliothekar beim BdV-Landesverband Hessen und hat die Spezialbibliothek im Haus der Heimat maßgeblich mit aufgebaut. Ordnungssinn, Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit prägten seine berufliche Laufbahn – Eigenschaften, die ihn seit seiner Kindheit begleiten. Geboren 1954 in Mediasch, Siebenbürgen, Rumänien, wuchs Wilhelm Maurer in einem Drei-Generationen-Haushalt auf, in dem handwerkliche Tradition und familiärer Zusammenhalt selbstverständlich waren.
Sein Großvater, Werkzeugtischler in dritter Generation, erblindete Anfang der 1940er Jahre und musste seinen Beruf aufgeben. Jahrzehnte später fasste er den Entschluss, wieder eigenständig Briefe zu schreiben. Auf seine Anregung hin fertigte der zwölfjährige Wilhelm eine Schreibhilfe aus Holz an. Mit verschiebbaren Lamellen half sie dabei, Zeilen gerade zu führen. In monatelanger Übung lernte der Großvater erneut, Buchstaben zu formen und so mit Verwandten in Deutschland zu korrespondieren.
Gefertigt wurde die Schreibhilfe mit Werkzeugen aus der Werkstatt der Familie – darunter ein Hobel aus der Zeit um 1900. Dieses traditionsreiche Werkzeug hatte bereits der Urgroßvater genutzt und von Arbeitsaufenthalten in den USA mitgebracht. Der Hobel steht bis heute sinnbildlich für die handwerkliche Kontinuität und das über Generationen weitergegebene Können der Familie. Ergänzt wird die Geschichte durch eine Blindentastuhr der Marke Kienzle. Offenliegende Zeiger und tastbare Markierungen ermöglichten es dem Großvater, selbstständig die Uhrzeit zu bestimmen. Für ihn bedeutete die Uhr ein Stück Unabhängigkeit und die Gewissheit, keine Nachrichtensendung im Radio zu verpassen.
Die Filmreihe „Mitgenommen“ verleiht persönlichen Geschichten wie der von Wilhelm Maurer Sichtbarkeit. Anhand ausgewählter Erinnerungsobjekte werden individuelle Lebenswege, familiäre Prägungen und historische Erfahrungen greifbar. „Objekte können Geschichten erzählen, die Worte allein oft nicht ausdrücken können. Sie zeigen, wie eng Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwoben sind“, sagt Ann-Kathrin Hartenbach, Kulturreferentin beim BdV-Landesverband Hessen. Die Produktion von „Mitgenommen – Objekte erzählen Geschichte(n)“ entsteht in Kooperation mit Marc Stengel und wird durch das Hessische Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz gefördert. Die aktuelle Folge sowie weitere Beiträge der Reihe sind über die Kanäle des BdV-Landesverbandes Hessen abrufbar (youtube.com/watch?v=ii9m2eLf5tI&t=745s).
Der BdV-Landesverband Hessen ist die Landesvertretung der deutschen Heimatvertriebenen, Aussiedler und Spätaussiedler. Er setzt sich seit Jahrzehnten für die Bewahrung von Geschichte, Kultur und Identität der deutschen Vertriebenen ein und engagiert sich aktiv für eine lebendige Erinnerungskultur in Schulen und Gesellschaft. Mit Bildungsprojekten, Zeitzeugengesprächen und kulturellen Angeboten stärkt der BdV-Landesverband Hessen das Bewusstsein für demokratische Werte, Menschenrechte und europäischen Zusammenhalt. Ziel des Verbandes ist es, historische Erfahrungen sichtbar zu machen, Brücken zwischen den Generationen zu schlagen und einen Beitrag zur Verständigung und Friedenssicherung in Europa zu leisten. Der BdV-Landesverband Hessen wird vom Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz finanziell gefördert.





