Es war im Juni, als ich es in einem Bekleidungsladen in Klausenburg/Cluj-Napoca zum ersten Mal sah: ein kleines, flauschiges Plüschmonster mit Hasenohren, neun spitzen Zähnen und lilafarbenem Fell, das an einer pinkfarbenen Handtasche baumelte und mich frech angrinste. Ich starrte es mit einer Mischung aus Faszination und Grauen an. Denn das Monster war unheimlich und zur gleichen Zeit niedlich. „Was ist das?“, fragte ich die Verkäuferin. „Ein Schlüsselanhänger“, antwortete sie. „Sie sind gerade in Italien sehr angesagt“. Am selben Tag sah ich auf Instagram eine Influencerin, an deren Handtasche fünf Monster hingen – in verschiedenen Farben. Ich erfuhr, dass die Plüschmonster einen Namen haben: Labubu. Und von dem Tag an sollten sie mir fast überall begegnen: in Souvenirläden in Barcelona, auf Verkaufsständen in Praid und bei Schloss Bran, am Strand auf griechischen Inseln, in Zügen, Flugzeugen und Bussen.
Aus Social Media erfuhr ich, dass Leute in Berlin stundenlang im Regen Schlange gestanden haben, um bei der Eröffnung eines Labubu-Ladens ein Spielzeug zu ergattern, dass Fake-Labubus „Lafufu“ heißen, dass es einen offiziellen Labubu-Song gibt, dass ganze wissenschaftliche Arbeiten über Labubus geschrieben werden, dass sich Influencerinnen und Influencer beim Auspacken der Überraschungsboxen mit Labubus filmen, dass sie in Russland verboten wurden, weil sie das Verhalten der Kinder beeinflussen können, dass User im Netz fürchten, dass ihre Labubu-Figuren vom Bösen besessen sein könnten und sie in der Kirche segnen lassen und dass es schon viele Verschwörungstheorien über Labubus gibt. Eins ist jedenfalls klar: die Figuren aus Asien sind der Trend des Jahres 2025. Der Plüschtier-Hype hat die ganze Welt erobert.
Von der nordischen Mythologie inspiriert
Erfunden wurde Labubu bereits 2015 vom in Hongkong geborenen und in den Niederlanden aufgewachsenen Künstler Kasing Lung. Er führte Labubu als Figur in seiner dreiteilige Kinderbuchserie „The Monsters” ein. Inspiration dafür sei die nordische Mythologie gewesen, so Lung. Labubu ist in der Serie ein Mädchen mit schelmischem Grinsen, aber gutem Herzen. Im Jahr 2019 unterschrieb Lung eine Lizenzvereinbarung mit dem chinesischen Popkulturshop Pop Mart, der auf Charakter- und Designfiguren spezialisiert ist. Seitdem werden die Figuren auch in „Blind Boxes” angeboten. Einen weiteren Hype erlebten die Figuren dann im April 2024 durch Lisa, Mitglied der K-Pop-Gruppe Blackpink. Sie tritt regelmäßig mit Labubus auf und macht sie so vor allem im südostasiatischen Raum populär. Westliche Stars wie David Beckham, Dua Lipa oder Rihanna folgten. Mittlerweile gibt es unzählige Serien der Plüschfiguren. Sogar der Louvre ist mit eingestiegen und verkauft Labubus in limitierten Fassungen, verkleidet als berühmte Kunstwerke, wie die „Mona Lisa“ oder „Die Frau mit dem Perlenohrring“. Und inzwischen beschäftigt auch Kulturwissenschaftler und Soziologen die Frage: „Was macht diese Plüschtiere so besonders, oder vielleicht sogar liebenswert?“ Vielleicht, weil sie sowohl für Kinder als auch für Erwachsene geeignet sind?
Die älteren Geschwister: Tamagotchi und Monchichi
Spielzeuge, die nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene begeistern, gab es schon häufiger. Zum Beispiel das Tamagotchi, ein kleines Objekt, das 1996 auf den Markt gebracht wurde und vorgab, man müsse ein kleines Lebewesen umsorgen. Ein Tamagotchi ist ein eiförmiges, elektronisches Spielzeug, bei dem man ein virtuelles Haustier von der Geburt bis ins hohe Alter betreut. Der Name ist eine Kombination aus dem japanischen Wort für Ei („tamago“) und dem englischen Wort „watch“. Um das virtuelle Wesen am Leben zu erhalten, muss der Besitzer es füttern, säubern, mit ihm spielen und auf seine Bedürfnisse reagieren, die durch Piekser oder Symbole auf dem Bildschirm angezeigt werden. Der Sinn des Spielzeugs ist, ein eigenes „Haustier“ auszubrüten und es aufzuziehen. Die Grafik war ursprünglich schwarz-weiß und es gab keinen speicherbaren Spielstand. Dadurch lief das Programm oder lebte das Haustier im Hintergrund weiter. Da das virtuelle Haustier auf den Besitzer angewiesen ist, kann es wie ein Alarm piepsen, um den Besitzer auf seine Bedürfnisse aufmerksam zu machen. Es soll dabei viel Zeit für die Erziehung investiert werden, um den Tod des Tamagotchis zu verhindern. Als Belohnung für eine gute Versorgung des Haustiers wird der Besitzer mit kleinen Herzchen und süßen Gesten des Schützlings entlohnt.
Ein anderer Trend war das Monchichi. 1974 erblickte das erste Monchichi-Paar, ein Junge und ein Mädchen mit Latz, in der japanischen Hauptstadt Tokio das Licht der Welt. Bereits seit drei Generationen begeistert das Plüschtier Groß und Klein. Erfinder Koichi Sekiguchi wollte damit ein generationsübergreifendes Spielzeug schaffen, das „Schönheit und Liebe in die Kinderzimmer der ganzen Welt trägt“. So eroberte das niedliche Plüschtier die Kinderherzen im Sturm. Monchichis sind bekannt für ihren Daumen, der in den Mund gesteckt werden kann, was dem Namen „mon“ (französisch für „mein“) und „chichi“ (japanisch für ein Sauggeräusch) entspricht. Monchichis werden als Symbol für Freundschaft und Respekt angesehen.
Tamagotchis sind heute fast vergessen (obwohl ein Comeback nicht ausgeschlossen ist) , Monchichis findet man noch in manchem Kinderzimmer. Ob Labubus in drei bis vier Jahren noch so beliebt sein werden wie heute, ist ungewiss. Vielleicht wird ein neues Spielzeug die Herzen im Sturm erobern. Eins ist aber sicher: die unheimlichlustigen Plüschmonster geben den Fans ein Gefühl der Zugehörigkeit. Sie wirken wie ein kleiner Glücksbringer, der den Zugang zu einer größeren Geschichte gewährt.
So bastelst du einen Labubu aus Klopapierrollen
Du brauchst:
3 leere Klorollen
Schere
Klebestift und Heißkleber
Aquarellfarben + Pinsel
Acrylfarben (weiß & schwarz)
schwarzen Fineliner
Getrocknete Blütenblätter (z. B. Löwenzahn, Ringelblumen)
1. Kopf und Ohren gestalten
Um einen Labubu zu basteln, schneidest du aus der ersten Klorolle eine ovale Kopfform. Drücke die Rolle hierfür leicht zusammen, so lässt sie sich besser schneiden. Achte jedoch darauf, dass du die Pappe nicht zu sehr knickst. Aus dem Rest schneidest du zwei große, runde Ohren aus, die du mit Heißkleber oben an den Kopf klebst. Du kannst natürlich auch Bastelkleber verwenden, dann dauert das Trocknen nur etwas länger.
2. Körper und Gliedmaßen basteln
Für den Körper verwendest du die zweite Klorolle, diese bleibt in ihrer ursprünglichen Form, kürze sie jedoch etwas ein, indem du einen Zentimeter abschneidest. Aus der dritten Rolle schneidest du zwei Arme und zwei Beine zurecht. Diese können ruhig ein bisschen schief sein, das passt zum verrückten Labubu-Look. Befestige die Arme und Beine mit Kleber an der zweiten Klorolle.
3. Gesicht bemalen
Das Gesicht ist das Herzstück deines Labubus, da es durch sein charakteristisches Aussehen sofort erkennen lässt, wen du hier bastelst. Wenn du keinen Labubu zu Hause hast, suche im Internet nach einem geeigneten Bild, um das Gesicht möglichst genau abzumalen. Zunächst grundierst du das Gesicht mit Aquarellfarbe, beispielsweise in Rosa oder Hellorange. Male nach dem Trocknen die großen Augen und den typischen Labubu-Mund auf das Gesicht. Zeichne dir die Details ruhig mit Bleistift vor.
4. Optional: Blütenfell aufkleben
Wenn du möchtest, kannst du das flauschige Labubu-Fell jetzt noch mit getrockneten Blütenblättern nachahmen. Trage Kleber auf Stirn, Rücken, Brust, Schultern und Ohren auf und streue beispielsweise Ringelblumen darüber. Je wilder und bunter, desto cooler sieht dein Labubu aus! Alternativ kannst du deinen selbst gebastelten Labubu auch einfach anmalen. Besonders niedlich sieht es aus, wenn du gleich mehrere kleine Kreaturen in verschiedenen Farben herstellst. Viel Spaß!







