„Manchmal wandeln sich die Ideen im Laufe des Workshops – man will eigentlich alles drin haben und dann muss man doch auswählen. Aber dafür sind wir ja da, damit wir sagen können: Wir haben 700 Ideen gesammelt – welche ist die eine, die reinkommt?“ sagt Renate Klein und schmunzelt. Die Theologin und Leiterin der Kinderuni Bekokten/B²rcu] betreut zusammen mit Cornelia Hemmann, ifa-Kulturmanagerin in Fogarasch, im Jugendzentrum Seligstadt den Schülerkalender, der alljährlich erscheint.
Um zu entscheiden, welche Ideen sie übernehmen, trafen sich zwölf Kinder, vier Jungs und acht Mädchen der Klassen drei bis sechs, aus Agnetheln/Agnita, Fogarasch/F²g²ras, Hermannstadt/Sibiu und Neumarkt/Târgu Mure{ für ein verlängertes Wochenende: Von Donnerstag bis Sonntag wurde ausprobiert, wurden Vorschläge zusammengetragen und ausgeknobelt, was ansprechend ist. Jedes Jahr legt die Schülerkalender-Redaktion den Inhalt von zwölf kreativen Seiten des Kalenders fest. Fast alle Jugendlichen sind an mehreren Themen beteiligt – und: „Es gibt hier keinen strengen Stundenplan, sondern man arbeitet so, wie die Ideen kommen“, führt Renate Klein aus.
Was war im letzten Kalender gut? Was kann verbessert werden? Diese Fragen stellen sich die Kinder in ihren Arbeitseinheiten. Gemeinsam sammeln sie naturwissenschaftliche Experimente, Kochrezepte, spannende Rätsel, Zungenbrecher, Ideen für ein Suchbild, für Bastelanleitungen, für einen Comic. Alles was sonst für den Schulalltag nützlich ist, wichtige Informationen zu Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche in Siebenbürgen über das ganze Jahr sowie wichtige Institutionen der Kinder- und Jugendarbeit sind ebenfalls im Kalender enthalten. Auch wichtige Tage des Jahres, wie beispielsweise der Weltlachtag und der Geburtstag von Mickey Maus werden aufgenommen. Damit man im turbulenten Schulalltag nichts vergisst, gibt’s immer reichlich Platz für Notizen; außerdem ein Lesezeichen, einen Stundenplan und eine große Jahresübersicht. Auch Witze und wissenswerte Informationen für die betreffende Altersklasse finden sich hier wieder. Wenn genug Material gesammelt ist, bringt der Zeichner Paul Hillebrandt die Ideen Jahr für Jahr in eine ansprechende Form.
Die Kinder schätzen es, dass ihre Einfälle wahrgenommen werden und sie zum Schluss ein greifbares Resultat vor Augen haben. Veronica Gyöngy, 12 Jahre, war schon mehrmals dabei: „Ich mag es, dass unsere Ideen in diesen Kalender hineinkommen und andere Kinder aus ganz Rumänien sie dann wahrnehmen“, erzählt sie. Besonders Spaß hat ihr diesmal die Fährtensuche der Tiere im Wald gemacht. Auch Nicolae Rotaru ist zum wiederholten Mal beim Workshop dabei: Immer wieder nimmt er teil, sagt er, weil er hier Deutsch lernen kann und außerdem neue Freunde kennenlernt. Diesmal ist er für die Rubriken „Experiment“ und „Rezept“ mit verantwortlich: „Wenn ich den Kalender am Schluss in den Händen halte, gibt mir das ein Glücksgefühl“, freut sich der Elfjährige. Das Besondere ist, dass der Kalender von Kindern für Kinder gestaltet ist.
Neu sind in diesem Jahr die beiden Wissenseinheiten, die durch zwei Gäste präsentiert werden: Mit Joe England gehen die Kinder auf Tierspuren-Suche im Wald, lernen so zwischen verschiedenen Fährten zu unterscheiden. Für Ideen und Anregungen sorgte neben dem Fährten- und Vogelexperten außerdem Winfried Ziegler, Geschäftsführer des Siebenbürgenforums. Er hatte neben einer kurzen Einleitung über die Siebenbürger Sachsen und die Architektur der Region auch praktische Dinge dabei: Die Kirchenburgen-Box bot mit dem Kirchenburgen-Memory und dem Quartett Möglichkeiten, sich auszuprobieren und sich der Geschichte der Siebenbürger Sachsen auf spielerische Art und Weise zu nähern. Mit dem Rätsel-Heft „Kirchenburgen-Rätselspaß“ erhielten die Kinder Einblicke in verschiedene Bereiche siebenbürgischer Geschichte und Bräuche. Die Frage im Mittelpunkt: Wie kann Geschichte spannend sein? Wie erkenne ich Geschichte um mich herum? Mit Winfried Ziegler begaben sich die Kinder auf eine spannende Entdeckungsreise – ohne das zähe Auswendiglernen von Jahreszahlen. Zu guter Letzt lernte die Gruppe einen sächsischen Paartanz.
Immer wieder wartet der Kalender auch mit neuen Überraschungen auf. So wird es auch beim nächsten Kalender sein – es ist bereits der neunte, der erscheinen wird. Neben der Benennung der Wochentage einer Kalenderwoche in einer anderen Sprache gibt es zudem weitreichende Personaländerungen: Große und Kleine Schülerkalender-Fans können sich ab dem neuen Schuljahr über ein neues Mitglied im Figurenteam des Kalenders freuen: Denn neben der Wölfin Lupa, dem Zeitgeist, Tyrannosaurus Schmeckt’s und der Schneeeule Alba wird wohl bald der Frosch Kati zwischen den Seiten des neuen Kalenders quaken. Der Start ins neue Schuljahr kann also beschwingt beginnen.







