Erster Band „Encyclopaedia Bannatica“ vorgestellt

Nachschlagewerk erzählt über prägende Persönlichkeiten der historischen Region

Ein außergewöhnlicher Band mit anspruchsvoller grafischer Gestaltung erzählt die Geschichte des Banats aus einer besonderen Per-spektive: durch die Persönlichkeiten, die diese Region im Laufe der Jahrhunderte geprägt haben. „Encyclopaedia Bannatica. Valori ale Banatului de la origini până la Imperiul Austriac” („Encyclopaedia Bannatica. Werte des Banats von den Ursprüngen bis zum Österreichischen Kaiserreich“) wurde Anfang Dezember in Temeswar/Timișoara vorgestellt.

Autor des Werkes ist Dr. Adrian Bădescu, Arzt und Unternehmer mit einer Leidenschaft für Geschichte, Gründer des MedLife Medici’s Krankenhauses in Temeswar. Der Band bildet den ersten Teil einer auf drei Bände angelegten Trilogie, die auf einer siebenjährigen umfangreichen Dokumentation beruht. 

„Das Banat ist eine Region, die sich kaum in einem einzigen Satz erfassen lässt – geschweige denn in einem einzigen Buch“, schreibt Adrian Bădescu in seinem Vorwort. In seiner Enzyklopädie geht es um das gesamte historische Banat – der Region zwischen der Donau und der Marosch, zwischen der Theiß und den Karpaten. „Das Banat ist zugleich Durchgangsraum und Schutzwall gewesen, Kriegsschauplatz und Innovationslabor, Brücke zwischen Ost und West – vor allem aber die Wiege einer einzigartigen multikulturellen Zivilisation in diesem Teil Europas“, sagt weiter der Autor.

An der Ausarbeitung des Werks habe der Autor in verschiedenen Institutionen, Bibliotheken und Archiven des ehemaligen historischen Banats und darüber hinaus recherchiert. Im Hintergrund für seine Arbeit stand eine moralische Verpflichtung, sagt Dr. Adrian Bădescu, der ein waschechter Banater seit 20 Generationen ist und viele  Erzählungen über das Banat von seinen Großeltern und Urgroßeltern als Erbe mitbekommen hatte.

Der erste Band stellt 110 Persönlichkeiten vor, gegliedert in sieben Bereiche: Staatsmänner, Soldaten, Kulturschaffende, Künstler, Wissenschaftler und Fachleute, Unternehmer und Wirtschaftspersönlichkeiten, Sportler sowie geistliche Führungsfiguren. Eine eigene Kategorie ist den Heiligen gewidmet. Deutlich unterschieden wird dabei zwischen Persönlichkeiten, die im Banat geboren wurden, und jenen, die von außerhalb kamen, deren Wirken jedoch nachhaltigen Einfluss auf die Region hatte. „Es sind die ersten 110 von insgesamt rund 300 Persönlichkeiten des Banats. Der Band erzählt von den Anfängen um das Jahr 1000, von Fürst Glad bis 1867 und dem Übergang vom Österreichischen zum Österreichisch-Ungarischen Reich“, erklärt der Autor Adrian Bădescu. Zu den Personen, deren Geschichten im ersten Band der Banater Enzyklopädie entdeckt werden können, gehören auch Johann Hunyadi, Carol Telbisz, Pavel Chinezu, Baba Novac, aber auch weniger bekannte Namen wie Adalbert von Falkenstein, Ignatius von Born oder Nicolae Oțălea.
Am Projekt wirkte auch der Künstler Sorin Bijan mit, der die Porträts der vorgestellten Persönlichkeiten zeichnete, alle 110 Porträts in Kohle. Die Herausforderung dabei war, einige Persönlichkeiten allein aus Beschreibungen aus Geschichtsbüchern, Stichen und Briefmarken zu interpretieren. „Am schwierigsten war die erste Figur, Glad, da es keinerlei Originalbilder oder Münzen mit seinem Bildnis gab“, lässt der Künstler wissen. 

Geplant sind zwei weitere Bände: das zweite Nachschlagewerk wird über die Zeit der österreichisch-ungarischen Verwaltung und der Banater Republik bis 1919 sowie der dritte Band über Persönlichkeiten der Zeit Großrumäniens und danach Informationen bringen. „Ich glaube, dass die Leser hier nicht nur Geschichte finden, sondern Identität – Geschichten, mit denen man sich identifizieren kann. Und das gilt nicht nur für Menschen, die im Banat geboren sind. Denn das Banat hat niemanden gefragt, woher er kommt, sondern nur, was er hinterlässt“, so der Autor.

Der erste Band der „Encyclopeadia Bannatica“ wurde am 4. Dezember in der Aula Magna der West-Universität Temeswar vorgestellt. Der Buchpräsentation ging eine Konferenz voraus, die sich ebenfalls den Werten und der kulturellen Identität des Banats widmete. Der Bürgermeister von Temeswar, Dominic Fritz, die Temescher Präfektin Cornelia Micicoi, Vertreter der orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche (Metropolit und Bischof) sowie Schriftsteller und weitere akademische Persönlichkeiten nahmen daran teil.