FES Sozialmonitor: Eklatanter Mangel an Sozialwohnungen

Rumänien liegt im EU-Vergleich auf dem letzten Platz / 2014-2025 in Bukarest keine einzige Sozialwohnung mehr gebaut

Mit nur 0,17 Prozent Sozialwohnungen im nationalen Kontingent an Wohnungen liegt Rumänien innerhalb der Europäischen Union auf dem letzten Platz. In Zentral- und Osteuropa variieren die Prozentsätze für Sozialwohnungen zwischen 0,8 Prozent für Litauen und 6,6 Prozent für Polen. Im Westen liegen sie zwischen 10,9 Prozent für Finnland und 34,1 Prozent für die Niederlande, so die Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), zitiert vom Sozialmonitor, einem Projekt der Friedrich Ebert Stiftung (FES).

Im Jahr 2022 gab es auf nationalem Niveau nur 16.290 Sozialwohnungen, das sind 0,17 Prozent der insgesamt 9,7 Millionen Wohnungen im Land. Dem stehen 40.000 Anträge auf Zuteilung einer Sozialwohnung gegenüber: 2,5 Mal so viele wie vorhandene Wohnungen, laut Ministerium für Entwicklung, Öffentliche Arbeiten und Verwaltung. 

In Bukarest zeigen Daten des Oberbürgermeisteramts: Zwischen 2023 und 2025 wurden für Bukarest rund 5500 Anträge für Sozialwohnungen in der Hauptstadt eingereicht. Da man aber auch in den Sektoren Anträge einreichen kann, liegen die realen Zahlen viel höher, jedoch sind die öffentlich nicht zugänglich. Ein Erschwernis für die Antragsteller ist das lange und extrem komplizierte Formular, mit dem nicht alle zurechtkommen. Tatsächlich heißt es, dass nur drei Prozent der gestellten Anträge komplett sind. Das waren 173 Anträge im Jahr 2023, 164 im Jahr 2024 und 134 im Jahr 2025. Tatsächlich zugeteilt  wurden Wohnungen an 24 Familien im Jahr 2023, an 12 Familien 2024 und an nur drei Familien 2025. Im Vergleich mit der Gesamtmenge an Anträgen haben weniger als fünf Familien von 1000 im Jahr 2023 eine Sozialwohnung erhalten, 2024 waren es zwei von 1000 und 2025 nur eine von 1000.

In der Hauptstadt beträgt die Gesamtzahl der Sozialwohnungen 1175, während die Zahlen für im Bau befindliche Wohnungen inkomplett sind. 1996 bis 2008 hat die Generaldirektion für Investitionen in Bukarest überhaupt keine Zahlen über im Bau befindliche Sozialwohnungen geführt. Zwischen 2008 und 2014 wurden 242 Apartments als Sozialwohnungen gebaut, und seit 2014 bis heute keine einzige mehr.  In dieser Zeitspanne wurden Projekte für 114 Sozialwohnungen begonnen, und zwar in der Prelungires Ghencea Nr. 322-325, von denen bis heute keine fertiggestellt wurde und es gibt auch keine Frist für den Abschluss der Bauarbeiten.

Der letzten Infografik des FES-Sozialmonitors zufolge leiden 9,6 Prozent der Bevölkerung des Landes an extremer Wohnungsnot. Um diesem Problem beizukommen, müssten die Behörden stärker in den Bau von Sozialwohnungen investieren. In Rumänien herrscht dringender Bedarf an öffentlichen Wohnungen – sowohl als Sozialwohnungen, als auch für junge Ärzte und Lehrer in ländlichen Gegenden. Die Nationale Strategie für das Wohnen 2022-2050 müsste dringend reformuliert werden, um öffentliche Wohnungen als strategische Lösung zu enthalten, vor allem vor dem Hintergrund, dass in Rumänien fast 72 Millionen Menschen in 400 informellen Siedlungen leben, also unter prekären Bedingungen mit mangelhaftem Zugang zu elektrischer Energie und Sanitäreinrichtungen, so die Daten des Entwicklungsministeriums aus dem Jahr 2022.