FFC Film Festival Cottbus als Sprungbrett nach Hollywood

Rumänien präsentierte auf dem 35. FFC neun Filme, davon fünf Kurzfilme unter der Rubrik „Transylvanian Shorts“

Bogdan Cr²ciun, Produzent des Historiendramas „Der Fichtenwald“/ „Padurea de molizi“ des Regisseurs Tudor Giurgiu über das Massaker an Bukowinaer Dorfbewohnern 1941 durch Sowjetsoldaten jenseits der Grenze zu Rumänien. Zwei Zeitzeugen stehen im Mittelpunkt dieses bislang kaum bekannten Kapitels der Zeitgeschichte.



   
Das 35. FFC Film Festival Cottbus des osteuropäischen Films fand im November statt, wie auch in den vorigen Jahren mit starker Präsenz Rumäniens. Das Genre- und Themenspektrum rumänischer Filme reichte dabei vom Historiendrama „Der Fichtenwald“ („Padurea de molizi“) des Regisseurs Tudor Giurgiu über das Massaker an Bukowinaer Dorfbewohnern 1941 durch Sowjetsoldaten jenseits der Grenze zu Rumänien bis hin zu Komödien wie „Diminea]a lui Oedip“ von Eszter Tomba. „Draculas Tod“, Remake des ersten Dracula-Films in Transsilvanien, erregte große Aufmerksamkeit. Der Klausenburger Regisseur und Filmprofessor Róbert Lakatos wirkte in der vierköpfigen Internationalen Festivaljury mit. Ukrainischen Filmen wurde außerordentliche Wertschätzung zuteil. 

Sechs Tage lang drehte sich in der Stadt Cottbus, Bundesland Brandenburg, alles um den Film. 400 Filme aus 30 Ländern liefen, aufgeteilt auf zwölf Sektionen, davon die drei Hauptsektionen Wettbewerb Spielfilm und Kurzfilm sowie Jugendfilm. Rumänien war mit neun Filmen vertreten. Das FFC des osteuropäischen Films Cottbus wirkte, wie auch in den vorigen Jahren, als Magnet für Filmemacher aus Ost- und Mitteleu-ropa, aber darüber hinaus auch für einheimische Filmfans. Medien wie die lokale Presse Cottbus standen ganz im Zeichen des FFC, auch der Berliner Radiosender „Radio Eins“ und das Fernsehen rbb berichteten über Highlights des 35. FFC. Seit der Gründung 1991 zeigt das FFC jedes Jahr eine genre- und themenübergreifende Auswahl der besten Filme aus dieser Region, ausgewählt von Experten des FFC-Teams, die übers Jahr renommierte Festivals wie das TIFF in Klausenburg/Cluj-Napoca besuchen, um Ausschau nach geeigneten Filmen für das kommende FFC zu halten.    

Fichtenwald, Liebe in der Luft, Dracula-Wiedergeburt

Der stärkste Film im Ensemble rumänischer Filme auf dem 35. FFC ist für mich das Historiendrama „Der Fichtenwald“ des Regisseurs Tudor Giurgiu. Das vom Produzenten Bogdan Craciun, geboren 1980 in Siebenbürgen, geschaffene Werk „Padurea de molizi“ ruft das in der Geschichtsschreibung verdrängte Massaker, begangen von Sowjetsoldaten 1941 an Bukowiner Dorfbewohnern ganz in der Nähe zur rumänischen Grenze, mittels Zeugenberichten und Archivmaterial sowie Re-Inzenierungen, ins Gedächtnis zurück. Die Dorfbewohner suchten ihre Freiheit jenseits der Grenze zu Rumänien. Bei ihrem Marsch dahin wurden sie von sowjetischen Kugeln wenige Meter vor der Grenze niedergestreckt.

Der Film „Ajutoare“ von Valentin Fogoro{ handelt von einem rumänischen Zigarettenschmuggler, der unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe Zigaretten aus der Ukraine schmuggelt. Ein ukrainisches Flüchtlingskind, das sich in seinen Van einschleicht, bringt sein Tun völlig durcheinander, letztendlich beginnt eine waghalsige Odyssee.

In der Komödie „Diminea]a lui Oedip“ von Eszter Tompa überrascht eine Tochter ihren Vater in flagranti mit einem berühmten Schauspieler im Bett. Als dann auch der Großvater ins Schlafzimmer schneit, nimmt der Familien-Irrsinn seinen Lauf …

Claudiu Mitcu‘s Komödie „Liebe ist in der Luft“ („Dragostea e in aer“) wirft einen Blick mit Augenzwinkern auf Situationen eines jungen Liebespaares, das eigentlich nur einen romantischen Jahrestag in einem Hotel verbringen möchte, doch alles, wirklich alles, läuft aus dem Ruder… Die Komödie nimmt bürgerliche Befindlichkeiten aufs Korn, bringt die Fragen aller Fragen aufs Tablett: Was braucht es, um die Abenteuerlust der Liebe neu zu entfachen?           

Erster Dracula-Film aus Transsilvanien vorgestellt

Besondere Aufmerksamkeit in Cottbus erregte das Remake „Draculas Tod“. Acht Regie-Studierende vom Fachbereich Medien der Sapien]a-Universität Klausenburg schufen gemeinsam mit dem Filmprofessor Róbert Lakatos dieses Werk auf der Basis von Károly Lajthay`s „Drakula halála“ (1921), dem ersten Film, in dem Bram Stokers bekannteste Schöpfung auftaucht, die ursprüngliche Version des Vampirs. „Eine moderne Hommage an das Stummfilmkino und den berühmtesten Vampir der Welt“, so das Lob in der TV-Sendung „rbb-Kultur“ an das Filmteam für ihr mutiges Remake. 

Im Kurzfilmprogramm „Transylvanian Shorts“ mit Filmen wie „Cravat²“ von Bogdan Iliescu und „Diminea]a lui Oedip“ von Eszter Tompa dominierten Themen wie Vertrauen und die Suche nach Freundschaft und Liebe, oft vor dem Hintergrund malerischer Landschaften Siebenbürgens gespielt.

Co-Produktionsmarkt „Connecting Cottbus Coco“ als Taufbecken

Als eine Art Taufbecken für neue internationale Ko-Produktionsfilme fungierte auch in diesem Jahr der Ko-Produktionsmarkt „Connecting Cottbus Coco“, einer der ältesten und erfolgreichsten Ko-Produktionsmärkte Europas, wo sich Filmleute aus Ost- und Mitteleuropa mit Investoren treffen, um gemeinsam neue Ko-Produktionen aus der Taufe zu heben. Aus Rumänien nahmen diesmal die Produzentin Livia R²dulescu und der Regisseur von „Monarch“, Dan Radu Mihai, teil, ebenso die Produzenten Claudiu Mitcu und Alina Tarb², die potentiellen Kooperationspartnern ihr neues Filmprojekt „What god thinks about animals“ („Was Gott über Tiere denkt“) vorstellten. 

Claudiu Mitcu erhielt Spezialpreis des 35. FFC

Mit dem Hauptpreis des 35. Film Festival Cottbus wurde die kroatische Produktion „Beautiful evening, beautiful day“von Ivona Juka ausgezeichnet. Ihr Film plädiert eindringlich für Dialoge, um alte Wunden, verursacht im Jugoslawienkrieg, zu heilen, und mutig über Wege in die Zukunft nachzudenken. Mit dem Spezialpreis in der Sektion Wettbewerb Kurzfilm wurde der Regisseur Claudiu Mitcu für seinen Film „Liebe in der Luft“  geehrt, dessen Werk laut Einschätzung der Jury „mit großartiger Schauspielkunst und einem bemerkenswerten Gespür für Timing und Subtilität beindruckt“. Der Spezialpreis für die beste Regie, gestiftet vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), ging an Goran Stankovic für „Our father“ („Unser Vater“), eine multinationale Ko-Produktion. Mit seinem Drama über eine christliche, orthodoxe Entzugsanstalt, in der Arbeit, Gehorsam und Gebete die Drogen ersetzen, öffnet Stankovic „ein ungeschütztes, unverstelltes und kompromisslos ehrliches Fenster in das Leben seiner Figuren“, so die Begründung der Jury.

Dass das international renommierte FFC Film Festival Cottbus ein Sprungbrett zur Verleihung des Europäischen Filmpreises 2026 und sogar des Oscars sein kann, verdeutlichen ganz aktuell die kürzlich erfolgten Nominierungen für den Europäischen Filmpreis 2026 und den Oscar. Beispiele sind der Animationsfilm „Dog of God“ (Lettland), gezeigt auf dem 35. FFC, eingereicht in der Kategorie bester Europäischer Film 2026 und„Sun never again“ (Serbien), aufgeführt auf dem vorjährigen FFC, für den Oscar.