In den letzten Jahren haben wir alle bemerkt, dass sich etwas in der Welt verändert hat, alles scheint unberechenbarer geworden zu sein. In Rumänien ist alles plötzlich politisch geworden, insbesondere nach dem Präsidentschaftswahlkampf 2024, der die Gesellschaft tief gespalten und erschüttert hat. Für viele ist die Lage unübersichtlich. Was kann man daraus machen? Damit komplizierte politische Ereignisse klarer werden, könnte man sich aktiver informieren. Aber man muss gut aufpassen, wie man das macht. Diejenigen, die dem von Russland unterstützten Kandidaten in den rumänischen Wahlen ihre Stimme gegeben haben, behaupten auch, informiert zu sein. Vielleicht haben sie Verschiedenes recherchiert, aber richtig informiert waren sie eben nicht. Wie informiert man sich also im Zeitalter der sozialen Medien und der Fake News „richtig“?
Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht, doch man muss stets das globale Gesamtbild berücksichtigen. Informationen erreichen uns heutzutage überall, sei es über TikTok, Facebook, das traditionelle Fernsehen oder Zeitungen.
Durch die enorme Reichweite dieser Plattformen kann man internationalen Ereignissen kaum noch entgehen. In einer solchen Welt wird Information zur Waffe: Jede Macht und jeder Vertreter einer politischen Ideologie, seien es die USA, China oder Russland, möchte die eigene Sicht der Dinge als die einzige „Wahrheit“ verkaufen.
Subjektive Berichterstattung oder gezielte Manipulation findet sich zwar auch in der Medienwelt einiger EU-Staaten, steht jedoch keinesfalls auf einer Stufe mit der Propaganda in totalitären Systemen. Unabhängige Studien wie der „Media Pluralism Monitor“ oder der „V-Dem Democracy Report“ belegen, dass die Medienvielfalt in Europa weit über dem globalen Durchschnitt liegt. Während in Autokratien Zensur herrscht, schützt das europäische System den Pluralismus, sodass wir weiterhin Zugang zu verschiedenen Perspektiven haben.
Die Fähigkeit zum kritischen Denken und zur Nachrichtenanalyse ist in dieser Zeit also kein bloßes Hobby für Politikinteressierte mehr. Sie ist zu einer überlebenswichtigen Kompetenz geworden, um nicht in die Falle von Manipulation zu geraten. Was bedeutet das aber ganz konkret für unseren Alltag? Wie erkennt man diese Mechanismen?
Politische Narrative, versteckte Werbung, Medienfinanzierung
Erstens muss man sich die Verfasser der Artikel sowie das dahinterstehende Medium oder die Sendung anschauen, denn viele Kanäle haben eine klare politische Ausrichtung. Das wohl bekannteste Beispiel hierfür ist der Gegensatz zwischen Fox News und MSNBC in den USA. Wenn man sich dieselben Themen bei beiden Sendern anschaut, bemerkt man oft einen gewaltigen Unterschied: Beide Seiten schaffen ein eigenes Narrativ, um die politischen Überzeugungen ihrer jeweiligen Zielgruppe zu festigen. Was bei dem einen Sender als Erfolg gefeiert wird, kann beim anderen als Katastrophe dargestellt werden, obwohl es sich um dasselbe Ereignis handelt. Untersuchungen des Pew Research Centers bestätigen diesen Eindruck: Sie zeigen, dass bei Fox News die sogenannten „Opinions about the news,“ also die persönliche Meinung zu einem Thema, einen viel größeren Raum einnehmen als die eigentliche, sachliche Berichterstattung. Es geht dort oft weniger darum, was passiert ist, sondern vielmehr darum, wie man das Geschehene bewerten soll.
Zweitens: Scheint der Verfasser (im Falle von sozialen Netzwerken: ein Influencer) ein Thema, ein Produkt oder einen Gegenstand übermäßig zu loben? Dann ist es höchstwahrscheinlich, dass dieser Artikel Werbung macht, ohne sie als solche zu kennzeichnen. Private Medien müssen Gewinn erzielen, was meistens durch Werbung geschieht. Problematisch wird es jedoch, wenn die Presse rein profitgierig wird, denn dadurch mutieren die Leser vom Empfänger zum Kapital. Hinzu kommen auch Sendungen, die von den politischen Parteien finanziert werden, ein Phänomen, das in Rumänien leider sehr verbreitet ist.
Das deutsche System finde ich in dieser Hinsicht vorbildlich, da es durch die Finanzierung des öffentlichen Rundfunks eine zu starke Abhängigkeit von Werbe- und anderen zweifelhaften Einkommensquellen vermeidet. Die meisten Länder haben zwar staatlich finanzierte Sender, wie etwa TVR in Rumänien, doch in Deutschland ist die Vielfalt dieser unabhängigen Angebote deutlich größer.
Glücklicherweise gibt es auch Artikel, die dem Leser wesentliche Kenntnisse vermitteln, wie hoffentlich dieser hier. Man sollte darum nicht ins andere Extrem verfallen und jede Information im Internet als belanglos abtun. Ein Beispiel dafür sind die Recorder-Reportagen. Die Reportagen, die Millionen Aufrufe bekommen, enthüllen ziemlich große Korruptionsfälle, wie der Nordis-Skandal, eine Sache, die sogar zu einer Gesetzesänderung geführt hat. Was ich richtig interessant finde, ist die Art und Weise, wie sie sich finanzieren. Sie bekommen ihr Geld nicht von politischen Parteien oder Unternehmen, sondern von den Spenden der Bürger, was auch Crowdfunding genannt wird.
Wie Medienkompetenz erlangen?
Diese Medienkompetenz ist trotz ihrer Wichtigkeit kein Bestandteil des rumänischen Lehrplans. Das ist schade, denn genau diese Fähigkeit, kritisch denken zu können, sollte uns die Schule beibringen. Meiner Meinung nach ist das heute wichtiger als vieles andere.
Um diese Fähigkeit weiterzuentwickeln, empfehle ich das Buch „Wie die Welt funktioniert“ von Noam Chomsky. Er erklärt unter anderem, wie Nachrichten „produziert“ werden, um Interessen zu stützen. Man sollte dabei jedoch im Hinterkopf behalten, dass Chomsky selbst eine radikal-kritische Sichtweise vertritt. Aber genau das lehrt uns sein Werk: Kritisches Denken bedeutet, auch die Analytiker zu hinterfragen und sich aus verschiedenen Perspektiven eine eigene Meinung zu bilden. Auch die hochaktuelle Situation in Venezuela wird durch Chomskys historischen Blick auf das Verhältnis zwischen Washington und Lateinamerika klarer.
Für diejenigen, die sich für Geopolitik interessieren, empfehle ich zudem Tim Marshalls Buch „Die Macht der Geographie“. Er erklärt einfach, wie Berge und Meere die Politik beeinflussen. Wer noch tiefer gehen möchte, sollte zu Robert D. Kaplans „The Revenge of Geography“ greifen. Kaplan zeigt auf, dass trotz der Digitalisierung die physische Weltkarte wieder an Bedeutung gewinnt und alte geopolitische Spannungen in unsere Weltordnung zurückkehren.
Am Ende liegt es an uns, die Weltkarte nicht nur anzuschauen, sondern sie kritisch zu lesen.







