Junge Europäer gestalten die Zukunft

Sathmarer Schülergruppe bei der „European Democratic Action Week“ in Berlin

Die Sathmarer Schülergruppe präsentierte den anderen ihre Heimat.

Die Ettinger-Schüler bekamen ebenfalls Teilnahmeurkunden verliehen. Fotos: Iulia Hölzli-Sirbu

Unter dem Motto „Veränderung gestalten – Zukunft mitbestimmen“ fand vom 6. bis 11. Oktober 2025 in Berlin-Treptow-Köpenick die diesjährige „European Democratic Action Week“ (EDAW) statt. Jugendliche aus fünf europäischen Ländern kamen dort zusammen, um sich über Demokratie, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung auszutauschen. Zum zweiten Mal nahmen auch sieben Schülerinnen und Schüler der 11. Klassenstufe des Deutschen Theoretischen Lyzeums „Johann Ettinger“ in Sathmar/Satu Mare an der internationalen Begegnungswoche teil – und setzten damit ein Zeichen für gelebte europäische Verbundenheit.

Die European Democratic Action Week ist längst zu einer festen Größe europäischer Jugendbildungsarbeit geworden. Sie geht aus der in den frühen 1990er-Jahren entstandenen Städtepartnerschaft zwischen Berlin-Treptow-Köpenick, Izola (Slowenien), Olomouc (Tschechien), Mürzzuschlag (Österreich), Balatonfüzfö/Zirc (Ungarn) und Subotica (Serbien) hervor. Diese Kooperation, seit 2002 formal als Städtepartnerschaft anerkannt, legte den Grundstein für regelmäßige internationale Jugendbegegnungen, die bis 2018 unter dem Namen „United Games of Nations“ bekannt waren.

Seither hat sich das Projekt unter dem neuen Titel „European Democratic Action Week“ weiterentwickelt und den Fokus auf aktuelle gesellschaftspolitische Themen gelegt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Förderung interkultureller Freundschaft, das Verständnis für demokratische Werte sowie der Abbau von Vorurteilen. Darüber hinaus sollen die Jugendlichen für soziale und kulturelle Vielfalt sensibilisiert und zur aktiven europäischen Zusammenarbeit ermutigt werden. Auch die Erweiterung der Fremdsprachenkenntnisse gehört zu den erklärten Zielen des Projekts.

Junge Menschen im Dialog

In diesem Jahr kamen 15- bis 17-jährige Jugendliche aus Polen, Tschechien, Rumänien, der Ukraine und Deutschland in der Bundeshauptstadt zusammen. Gemeinsam widmeten sie sich den drängenden Fragen unserer Zeit: Wie verändert der demografische Wandel unsere Gesellschaften? Welche Verantwortung tragen junge Menschen im Kampf gegen den Klimawandel? Und wie können Demokratien gestärkt werden, wenn sie zunehmend unter Druck geraten?

Während der Woche nahmen die Teilnehmenden an Workshops, Exkursionen und Diskussionsrunden teil, die auf praktisches Lernen und internationale Zusammenarbeit setzten. Dabei entstanden kreative Projekte, in denen gesellschaftliche Themen künstlerisch umgesetzt wurden – etwa durch Theater, Musik oder visuelle Präsentationen.
Am 8. Oktober stellten die Jugendlichen ihre Ergebnisse im Rathaus Köpenick vor. Zu den Gästen zählten die Botschafterin der Republik Rumänien, Adriana-Loreta Stănescu, der Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, Oliver Igel, sowie Adina Erdenberg vom Migrationsbeirat. In seiner Ansprache hob Igel die Bedeutung von Projekten wie der EDAW hervor: „Mit diesem europäischen Begegnungsprojekt möchten wir für junge Menschen erfahrbar machen, dass Zusammenarbeit, eine offene Gesprächskultur und das Einstehen für freiheitlich-demokratische Werte unsere Gesellschaften stärken – egal in welchem Land. Europa braucht heute mehr denn je Menschen, die Veränderung aktiv gestalten, eigene Impulse entwickeln und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.“

Praktisches Engagement und kreative Lösungen

Ein besonderes Augenmerk der diesjährigen Ausgabe lag auf der Verbindung von politischem Bewusstsein und konkretem Handeln. So bauten die Jugendlichen im Rahmen eines Umweltprojekts Nist- und Fledermauskästen, die sie am Ende der Woche der Bezirksstadträtin Dr. Claudia Leistner überreichten.

Im Anschluss an die Präsentationen verliehen Dr. Leistner und Bürgermeister Igel feierlich die Teilnahmeurkunden an die Delegationen aus Polen, Tschechien, der Ukraine, Rumänien und Deutschland. Die Stimmung war geprägt von Begeisterung und Zusammenhalt – viele Jugendliche äußerten den Wunsch, im kommenden Jahr erneut dabei zu sein.
„Alle Delegationen möchten im nächsten Jahr unbedingt wieder an der European Democratic Action Week teilnehmen – und wir freuen uns schon jetzt darauf“, hieß es abschließend von Seiten der Organisatoren.

Sathmarer Schüler als europäische Botschafter

Für die sieben Schülerinnen und Schüler des Deutschen Theoretischen Lyzeums „Johann Ettinger“, die vom Englischlehrer Ovidiu Tite begleitet wurden, bedeutete die Teilnahme weit mehr als nur eine Reise nach Berlin. Sie konnten nicht nur ihre Englischkenntnisse vertiefen und neue Freundschaften schließen, sondern auch eigene Perspektiven auf Demokratie und gesellschaftliche Verantwortung einbringen.

Die Jugendlichen nahmen wertvolle Impulse mit, die sie künftig auch in schulischen und außerschulischen Projekten in Sathmar einbringen möchten. Das Lyzeum, das seit Jahren für seinen aktiven Einsatz in internationalen Bildungsprojekten bekannt ist, sieht in der Beteiligung an der EDAW eine wichtige Chance zur Stärkung des europäischen Bewusstseins unter jungen Menschen.

Europa lebt vom Mitmachen

Die European Democratic Action Week 2025 hat einmal mehr gezeigt, dass Demokratie, Umweltschutz und kulturelle Vielfalt keine abstrakten Begriffe bleiben müssen, wenn junge Menschen sie aktiv gestalten. Durch gemeinsames Lernen, offenes Diskutieren und kreatives Handeln wurde in Berlin deutlich, wie groß das Potenzial der europäischen Jugend ist.
Für die Sathmarer Elftklässler war die Woche nicht nur eine Erfahrung des interkulturellen Austauschs, sondern auch ein Schritt hin zu einem bewussteren Verständnis davon, was es heißt, Europäer zu sein.

Mit Projekten wie der EDAW wächst eine Generation heran, die Verantwortung übernehmen und Brücken zwischen Kulturen bauen möchte – engagiert, neugierig und überzeugt davon, dass Europas Zukunft in gemeinsamen Händen liegt.